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IWH-Chef Blum : „Krise für Babypause nutzen“

  • Aktualisiert am

Wirtschaftsforscher Blum fordert einen „Schutzschirm” für die Familie Bild: AP

Vor dem Hintergrund wachsender Arbeitslosigkeit hat der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Ulrich Blum, gefordert, staatliche Anreize zu setzen, um Familien zum Kinderkriegen zu motivieren. Er macht sich für einen höheren Kündigungsschutz für Eltern stark. Das bleibt nicht ohne Widerspruch.

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          Vor dem Hintergrund der derzeitigen Wirtschaftskrise hat der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, dazu aufgerufen, mehr staatliche Anreize zu setzen, um Familien zum Kinderkriegen zu motivieren. „Wir spannen Schutzschirme für die Banken und für Unternehmen wie Opel und Porsche - wo bleibt der Schutzschirm für die Familie?“, sagte der Wirtschaftsforscher.

          Der demographische Wandel und der damit verbundene Fachkräftemangel werde nach dem Ende der Krise mit unerwarteter Heftigkeit zu spüren sein. „Da müssen wir heute schon gegensteuern“, sagte Blum. Das spreche dafür, die Krise als Babypause zu nutzen: „Gerade in Zeiten höherer Arbeitslosigkeit kann es für Paare Sinn machen, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.“

          Verstärkter Kündigungsschutz gefordert

          Konkret geht es dem Wirtschaftsforscher um Familien mit Kindern, in denen ein Partner berufstätig ist und der andere seine Arbeit verliert oder sie aufgibt und sich um den Nachwuchs kümmert. Für den noch beschäftigten Partner fordert Blum einen verstärkten Kündigungsschutz. „Das sollte man mit dem Familiengeld koordinieren und auf drei Jahre begrenzen“, sagte er. „Die Babypause in der Krise könnte auf diese Weise attraktiver werden.“ Dies gelte vor allem vor dem Hintergrund, dass das derzeitige Kündigungsschutzgesetz tendenziell dazu führe, dass jüngere Beschäftigte stärker entlassungsgefährdet seien.

          Es gehe darum die wirtschaftliche Unsicherheit von Familien mit Kindern zu verringern - auch wenn ein Staatseingriff zu diesem Zwecke ordnungsökonomisch nur schwer zu rechtfertigen sei. Allerdings: „Familienfreundliche ordnungsökonomische Sünden sind nur sehr kleine Sünden“, sagte Blum. „Denn das demographische Problem wird noch sehr lange anhalten - deutlich länger als die Finanzmarktkrise.“

          IW-Ökonom: Zwei Einkommen in der Krise besser als eines

          Axel Plünnecke, Bildungsökonom am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, hält diese Argumentation allerdings für wenig zielführend. Dass Paare erst dann Zeit für ein Kind hätten, wenn einer von beiden den Job verliert, lässt er nicht gelten. Das Elterngeld schaffe schließlich schon jetzt eine Überbrückung von 14 Monaten. Plünnecke verweist zudem auf den starken Rückgang der Geburtenrate in Ostdeutschland nach der Wende. Damals habe die ökonomische Unsicherheit zu weniger Kindern geführt, nicht zu mehr.

          Einen Anreiz zu schaffen, ausgerechnet die Arbeitslosigkeit zur Familiengründung zu nutzen, läuft nach Plünneckes Meinung der aktuellen Familienpolitik zuwider. Die setze vielmehr auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. So ziele das Elterngeld darauf ab, dass beide Partner erst im Arbeitsmarkt Fuß fassten und dann Eltern würden. Zwei Arbeitsplätze schützten das Familieneinkommen in Krisenzeiten außerdem besser als eines - vor allem, weil die Krise „eine Krise der Männerbranchen“ sei. Wird ein Partner arbeitslos und nutzt das für eine Kinderpause, könne das zweite Einkommen trotz Kündigungsschutzes auch noch wegbrechen, sagt der Ökonom, zum Beispiel durch eine Insolvenz. Außerdem sei Arbeitslosigkeit mit Stress verbunden, eventuell auch mit einem Umzug. In dieser Lage gezielt das Kinderkriegen zu fördern nennt Plünnecke „nicht den idealen Weg“.

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