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IWF : Währungsfonds will noch mehr Geld

IWF-Direktorin Christine Lagarde will die Eingriffsmacht des Fonds ausweiten Bild: (c) AP

Sein Finanzrahmen könnte von 940 Milliarden Dollar auf 1,3 Billionen Dollar steigen. Der ehemalige Bundesbankpräsident Weber warnt vor einem IWF als Weltzentralbank.

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          Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat auf seiner Jahrestagung eine neue Debatte über eine Erhöhung seiner Finanzausstattung angestoßen. Setzen die Befürworter sich durch, könnten im Endergebnis die Ressourcen des Fonds von rund 940 Milliarden auf 1,3 Billionen Dollar oder mehr steigen. Die Geschäftsführende Direktorin des Fonds, Christine Lagarde, forderte auf der Jahrestagung in einem Aktionsplan mehr Geld. „Unsere Kreditkapazität von fast 400 Milliarden Dollar sieht heute komfortabel aus, aber sie verblasst im Vergleich mit dem möglichen Finanzbedarf von gefährdeten Ländern.“ Die auf Sicht von einem Jahr verfügbare Kreditkapazität ist üblicherweise kleiner als das zur Verfügung stehende Kapital. Lagarde greift damit die Linie ihres Vorgängers Dominique Strauss-Kahn auf, den Fonds als ausdehnten Schutzschirm über möglichst viele Länder zu stellen, die vielleicht durch eine Krise angesteckt werden könnten.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          In Teilen des Exekutivdirektoriums ist von einer „Panikmache“ vor dem Hintergrund der globalen Wachstumsrisiken die Rede. Der Lenkungsausschuss, das wichtigste Beschlussgremium des Fonds, gab dem Drängen insoweit nach, als er einen Prüfauftrag erteilte. Lagarde soll nun in einem Jahr einen Bericht vorlegen. Bislang stehen zwei Optionen im Raum, mit denen früher getroffene Vereinbarungen, nach denen die in der Finanzkrise erheblich ausgeweiteten Finanzmittel des IWF wieder verringert werden sollten, gekippt würden.

          Zum einen geht es darum, dass bilaterale Kreditlinien, die einzelne Länder während der Finanzkrise dem IWF temporär gewährt hatten, in höherem Volumen fortgeführt werden könnten. Eigentlich sollten diese Kreditlinien im Umfang von rund 300 Milliarden Dollar künftig auslaufen. Mit diesen freiwilligen Vereinbarungen könnte dem IWF sehr kurzfristig mehr Geld verschafft werden. Zum anderen steht zur Debatte, dass die Neuen Kreditvereinbarungen nicht wie noch im November 2010 vereinbart abgeschmolzen werden sollen. Sie waren in diesem Jahr um mehr als das Zehnfache auf rund 573 Milliarden Dollar erhöht worden. Diese Kreditvereinbarungen sollten im Ausmaß der Kapitalerhöhung verringert werden. Würde diese Absprache aufgegeben, läge die Kapitalausstattung des Fonds künftig bei rund 1,3 Billionen Dollar.

          Axel Weber: „Der IWF ist keine Zentralbank“

          Lagarde wirbt um mehr Geld für den IWF, damit dieser unter anderem stärker in der kurzfristigen Liquiditätsvorsorge tätig werden kann, um wie ein Versicherer von Ansteckung gefährdete Staaten abzuschirmen. Ein solches Modell ist Teil der im Rahmen der G20-Gruppe großer Industrie- und Schwellenländer angedachten Reform des internationalen Währungssystem.

          Der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber warnte am Sonntag in einer Rede im IWF davor, im internationalen Währungssystem Reformbedarf zu suchen und dem Fonds zu viele Aufgaben zuzuteilen. „Das Währungssystem ist während der Krise weitgehend robust geblieben“, sagte Weber. Die Zentralbanken hätten schnell, angemessen und gut koordiniert gehandelt. Auch zuletzt hatten die Zentralbanken durch Devisentauschgeschäfte koordiniert Dollarliquidität bereitgestellt. Weber warnte in scharfen Worten davor, den Währungsfonds mit kurzfristigen Liquiditätskreditlinien zur Konkurrenz von Zentralbanken aufzubauen. „Der IWF ist keine Zentralbank und kein Kreditgeber der letzten Instanz. Er kann und er sollte kein Knotenpunkt für Devisentauschgeschäfte der Zentralbanken sein.“ Entschieden wandte er sich gegen die im IWF umlaufende Idee, Anleihen in der Kunstwährung Sonderziehungsrechte zu vergeben. Diese müssten letztlich die IWF-Mitgliedstaaten garantieren. „Wir könnten damit enden, dass der IWF wie ein Hedge-Fonds seine Kapitalressourcen mit einem großem Volumen zusätzlicher Schulden verstärkt.“ Es sei weder machbar noch wünschenswert, dass der Währungsfonds in der Frage internationaler Kapitalströme und Kapitalverkehrskontrollen die Rolle eines Schiedsrichters übernehme, sagte der frühere Bundesbankpräsident. In diesem Bereich könne die Aufgabe des Fonds über technische Expertise nicht hinausgehen. Auch diese Idee eines Kriterienkatalogs, mit dem der IWF Kapitalverkehrskontrollen als letzte Möglichkeit gutheißen soll, wird in der G20-Gruppe beraten.

          Der Lenkungsausschuss des IWF einigte sich in zum Abschluss der Jahrestagung darauf, die Risiken für die Weltwirtschaft entschlossen anzugehen. „Wir werden gemeinsam handeln, um Vertrauen und Finanzstabilität wiederherzustellen.“

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