https://www.faz.net/-gqe-77s7s

IWF-Chefin : Lagarde drängt bei Finanzreformen aufs Tempo

  • Aktualisiert am

„Sind wir damit schon fertig? Ich würde sagen: noch nicht“: Christine Lagarde Bild: REUTERS

Bei der Reform des Finanzsystems drängt IWF-Chefin Christine Lagarde auf einen zügigen Abschluss. Die erreichten Fortschritte hätten das System etwas solider gemacht. Lagarde bemängelt aber vor allem die ungleiche Geschwindigkeit bei der Umsetzung.

          IWF-Chefin Christine Lagarde drängt auf einen zügigen Abschluss der Reform des globalen Finanzsystems. Zwar sei weltweit in den vergangenen Jahren einiges erreicht worden, um global agierende Banken sicherer und weniger anfällig für Krisen zu machen, sagte Lagarde am Dienstag in Frankfurt. „Aber sind wir damit schon fertig? Ich würde sagen: noch nicht.“ Die bisher erreichten Fortschritte hätten das System etwas solider gemacht. „Die Struktur ist nach wie vor nur zur Hälfte fertig und deshalb auch noch nicht sicher“, bemängelte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) und frühere französische Finanzministerin.

          Vor allem die ungleiche Geschwindigkeit bei der Umsetzung der beschlossenen Reformen drohe, die Fortschritte verpuffen zu lassen. „Meine größte Befürchtung ist, dass die Fortschritte nicht gleichmäßig sind und deshalb das bereits Erreichte ins Gegenteil verkehren könnten.“ Als Beispiel nannte Lagarde die verspätete Einführung der unter dem Namen Basel III bekannten neuen Kapitalanforderungen für Banken durch die Vereinigten Staaten und in der Folge auch in Europa, das internationale Schattenbankensystem und das weiterhin nicht gelöste Problem der Abwicklung großer, grenzüberschreitender Banken. „Das ist nicht akzeptabel.“

          Nachdem die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) schon vor Jahren ihre Absicht erklärt hätten, „jeden Markt, jedes Produkt und jeden Akteur im Finanzsystem“ als Lehre aus der Krise in Zukunft zu regulieren, seien die Erfolge noch in vielen Teilbereichen eher bescheiden. Besonders kritisch sei das System der Schattenbanken. Hier gebe es mittlerweise Hinweise darauf, dass diese aus Regionen abwandern würden, in denen ihnen eine schärfere Regulierung drohe, ergänzte Lagarde. „Bei diesem Thema waren die Regulierer vor der Krise blind, und um ehrlich zu sein, da ist noch nicht viel erreicht worden.“

          Positiv sieht Lagarde die Bemühungen in der Euro-Zone um eine Bankenunion mit einer gemeinsamen Aufsicht über Großbanken und in einem zweiten Schritt einem gemeinsamen Mechanismus für die Abwicklung strauchelnder Institute. Zudem seien die Banken gefordert, ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen. Banken, die für die Stabilität des ganzen Finanzsystems wichtig seien, sollten über den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM im Notfall Geld bekommen. „Es gibt einen Weg aus der Negativ-Spirale.“ Bislang stehen ESM-Mittel für Banken nur dann zur Verfügung, wenn ein Euro-Land diese beantragt, um sein Finanzsystem zu stärken. Jüngstes Beispiel dafür ist Spanien. Eine direkte Refinanzierung von Banken aus dem ESM ist nach den europäischen Regeln nicht möglich.

          Weitere Themen

          Was ging schief in Venezuela? Video-Seite öffnen

          Wirtschaft am Abgrund : Was ging schief in Venezuela?

          Den Menschen in Venezuela fehlt es an allem. Die Versorgung mit Lebensmitteln oder Medikamenten ist katastrophal, ständig fällt der Strom aus und aktuell wird das Benzin knapp - in einem der erdölreichsten Länder der Welt. MADE sucht nach Ursachen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.