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IW-Studie : „In Sozialwohnungen leben häufig nicht Bedürftige“

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Weniger als die Hälfte der Haushalte, die in Sozialwohnungen leben, seien wirklich bedürftig, hat das Forschungsinstitut IW ausgerechnet. Bild: dpa

Bezahlbare Wohnungen sind nicht nur in den bevorstehenden Wahlen ein brisantes Thema. Forscher haben nun ermittelt: Mehr Sozialwohnungen lösen das Problem nicht.

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          Bezahlbare Wohnungen sind ein großes Thema nicht nur in den laufenden Landtags- und Kommunalwahlkämpfen. Gerade in deutschen Ballungsräumen sind Mieten und Immobilienpreise in den vergangenen Monaten merklich gestiegen.

          Die Regierung will gegensteuern und setzt wieder stärker auf ein eigentlich schon einmal eher ausrangiertes Instrument: Sozialwohnungen. Die Förderung für sozialen Wohnraum will sie erhöhen auf eine, vielleicht sogar zwei Milliarden Euro im Jahr.

          Städte sollen mehr Flächen ausweisen

          Fachleute des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) haben nun ausgerechnet (hier), dass das wohl wenig bringen wird. Denn: Nur 46 Prozent der Haushalte in Sozialwohnungen seien wirklich bedürftig. Die Wirtschaftsforscher beziehen sich dabei auf Zahlen aus der großen Datenbank des Sozioökonomischen Panels (Soep). Daraus gehe hervor, dass nur diese Bewohner über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügten und damit als von Armut bedroht gälten. Der Rest gilt nach dieser Deutung nicht als armutsgefährdet.

          Diese Art der Förderung sei darum „wenig treffsicher“, folgern sie. Das Problem liege ohnehin woanders. Investoren seien wegen der niedrigen Zinsen durchaus gewillt, zu bauen, es gebe aber nicht genügend freie Fläche. Die Städte wiesen zu wenig neues Bauland aus. Zudem hielten sich Grundbesitzer damit zurück zu verkaufen, weil sie auf weitere Wertsteigerungen hofften.

          Schließlich kritisieren die IW-Forscher das Konzept der sozialen Wohnraumförderung auch deswegen, weil diejenigen, die eine Sozialwohnung beziehen wollen, bloß ein Mal nachweisen müssen, dass sie bedürftig sind. Die Folge: Verdienen sie beispielsweise durch einen besseren Job mehr Geld, dürfen sie trotzdem wohnen bleiben.

          Das IW schlägt darum vor, der Staat solle nicht mehr Geld in Sozialwohnungen zu stecken, sondern einfach mehr Bauland ausweisen. Gerade große und beliebte Städte seien hier am Zug. Außerdem empfehlen sie, die Grundsteuer durch eine sogenannte Bodenwertsteuer abzulösen. „Wenn der Marktwert eines Grundstücks besteuert wird, würde verhindert, dass Grundbesitzer Bauland zum Spekulieren zurückhalten“, sagt IW-Ökonom Michael Voigtländer.

          Schließlich solle die Regierung auf Wohngeld anstelle des sozialen Wohnungsbaus setzen. Wohngeld werde gezahlt solange ein Haushalt bedürftig sei. „Gleichzeitig steht den Geförderten aber der komplette Wohnungsmarkt offen und nicht nur der kleine Teil Sozialwohnungen.“

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