https://www.faz.net/-gqe-8nw9g

Deutsche Arbeitnehmer : Nur jeder Siebte ist in der Gewerkschaft

  • Aktualisiert am

Gemeinsam statt einsam: Warnstreik der IG Metall bei einem Schiffspropeller-Hersteller in Wismar. Bild: Jens Büdpa

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind in Deutschland nur wenige Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert. Ein Grund dafür ist die häufige Trittbrettfahrerei.

          1 Min.

          100 Jahre nach der offiziellen Anerkennung der deutschen Gewerkschaften ist nur knapp jeder siebte Arbeitnehmer dort organisiert. Im europäischen Vergleich liege Deutschland mit einem Organisationsgrad von 15 Prozent nur im hinteren Mittelfeld, heißt es in einem Beitrag des neuen „Gewerkschaftsspiegel“ des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Dort wurden Zahlen aus 22 Ländern aus dem Jahr 2014 ausgewertet.

          Weit mehr Menschen sind in Dänemark (69 Prozent), Schweden (62 Prozent) oder Finnland (61 Prozent) Mitglied einer Gewerkschaft. Dort wird aber auch die Arbeitslosenversicherung von den Gewerkschaften organisiert, während in Deutschland dafür die Bundesagentur zuständig ist. Besonders wenige Gewerkschafter gibt es in den einstmals kommunistisch regierten Ländern, wo die Organisationen früher zum Machtapparat gehörten.

          „Trittbrettfahren lohnt sich“

          Als Grund für den geringen Organisationsgrad in Deutschland nennt das IW den Umstand, dass Tarifabschlüsse häufig auch auf unorganisierte Arbeitnehmer übertragen werden. „Dadurch lohnt sich das Trittbrettfahren: Der Einzelne lässt einfach andere dafür zahlen, dass Gewerkschaften Tarifverträge aushandeln.“ Mehr Mitglieder könnten mit Anreizen und einer intensiveren Rückgewinnung ehemaliger Mitglieder erreicht werden.

          Vor 100 Jahren hatte die Oberste Heeresleitung mitten im Ersten Weltkrieg die Gewerkschaften anerkennen müssen, um die kriegswichtigen Betriebe am Laufen zu halten. Dort wurden paritätisch besetzte Schlichtungsausschüsse eingerichtet. In der Weimarer Republik wurde den Gewerkschaften später auch das Recht zugesprochen, für ihre Mitglieder Tarifverträge abzuschließen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Demokratin Nancy Pelosi gerät im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump aneinander.

          Trump gegen Pelosi : Da oben ist was nicht in Ordnung

          Syrien, Ukraine – und die eigene Partei: Donald Trump kämpft an mehreren Fronten. Das geht an die Substanz des amerikanischen Präsidenten. Das zeigt auch der heftige Streit mit Nancy Pelosi. Unterdessen verschärft sich die Konfrontation mit dem Kongress.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.