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Gefragte Präsidententochter : Chinesische Dachziegel der Marke „Ivanka“

In China beliebt: Ivanka Trump Bild: dpa

Ivanka Trump macht halb China verrückt. Dutzende Firmen haben sich bereits nach der hübschen Präsidententochter umbenannt. Hunderte Produkte sollen ihren Namen tragen – von Buchungswebseiten bis Diätpillen.

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          Für viele war es eine merkwürdige, geradezu bizarre Szene, als am Mittwoch, dem ersten Februar, im Washingtoner International Place vor der Hausnummer 3505 zwei gewaltige schwarze SUV mit getönten Scheiben vorfuhren. Unter dieser Adresse befindet sich die Botschaft der Volksrepublik China in den Vereinigten Staaten. Durch die Autotür, die ein Leibwächter aufhielt, entstieg Ivanka Trump, Modeschöpferin und Tochter des gerade frisch ins Amt eingeführten Präsidenten Amerikas.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Vier Tage zuvor hatte das Chinesische Neujahrsfest begonnen, das nach dem Mondkalender in diesem Jahr im Zeichen des Feuerhahns steht. Trump hatte mit der Tradition seiner Amtsvorgänger gebrochen, Amerikas größtem Gegenspieler in der Arena der Weltpolitik und Weltwirtschaft zum höchsten Feiertag der Chinesen präsidiale Grüße zu entsenden. In Peking arbeiteten die Wirtschaftsplaner von Präsident Xi Jinping an einer Antwort auf einen Handelskrieg, den das Weiße Haus jeden Moment zu beginnen wollen schien.

          Dann aber kam Ivanka. Die Präsidententochter war überraschend zum Empfang angereist, den Chinas Botschafter aus Anlass des neuen Feuerhahn-Jahres gab – und sie hatte ihre Tochter Arabella mitgebracht. Die Fünfjährige lernt im Kindergarten Chinesisch und hatte bereits zuvor halb China verzückt, als sie auf einem von ihrer Mutter aufgenommenen Video das chinesische Kinderlied „Frohes neues Jahr“ in fast perfekter Aussprache gesungen und dem Lieblingsfeind ihres Großvaters das Allerbeste gewünscht hatte.

          „Americas First Daughter“

          Die halbe Stunde, in der Mutter Ivanka das sichtlich verschüchterte Kind an der Hand durch die kühlen Hallen der chinesischen Botschaft zog und die Tochter „meine Übersetzerin“ nannte, hätte surrealer kaum ausfallen können. In China jedoch löste der Auftritt einen Sturm der Begeisterung aus. Die Parteipresse hob den Besuch von „Americas First Daughter“ auf chinesischem Staatsboden lobend als Versuch zur Völkerverständigung hervor.

          An Pekings Eliteuniversitäten analysierten die Fachleute für Außenpolitik, dass Chinas Regierung offensichtlich über die Familie Trumps diplomatische Kanäle ins Weiße Haus aufgebaut habe und damit den Präsidenten von einem Handelskrieg und einer Anerkennung des Inselstaats Taiwan abzubringen versuche. Im Internet äußerten sich die Nutzer begeistert von der langbeinigen Blonden aus Amerika und posteten die Bilder Ivankas hunderttausendfach.

          Vor allem aber versucht die chinesische Wirtschaft aus der Popularität Ivanka Trumps in China Kapital zu schlagen. 227 Produkte verzeichnet die Internetseite des Büros zur Registrierung von Markenrechten der Pekinger Industrieüberwachungsbehörde SAIC, die nach dem Willen ihrer chinesischen Hersteller den Namen Ivanka tragen sollen. Darunter befinden sich ein Hotelreservierungs-Service, Abnehm-Pillen und Schnaps. Sogar schnöden Ziegeln für den Hausbau, Bodenplatten aus Keramik und anderem Material will ein Hersteller den glamourösen Namen der Präsidententochter verpassen.

          Rechtliche Schranken sind den Herstellern beim Verwenden des Namens Ivanka zunächst keine gesetzt. Im Fall des chinesischen Sportschuhherstellers, der sich einfach nach dem amerikanischen Basketballstar und Nike-Vertragspartner Michael Jordan genannt hatte, brauchte es schon einen Gang durch sämtliche Instanzen bis zum Obersten Chinesischen Gerichtshof in Peking, um den Diebstahl dort in einer jüngst getroffenen Entscheidung als illegal erklären zu lassen.

          Laut der Firmenauskunftsdatei der SAIC-Behörde tragen seit dem Wahlsieg Trumps in Amerika bereits etliche Unternehmen in China den Namen Ivankas: die Khorgos Ivanka Film und Medien Gesellschaft aus der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang etwa wurde am 6. Dezember vergangenen Jahres gegründet. Die Firma „Donging Ivanka Autoservice“ aus der Provinz Shandong, aus der Chinas First Lady Peng Liyuan stammt, wurde sechs Tage später registriert. Die „Anhui Ivanka Medizintechnik Gesellschaft“ erblickte schon am 18. November das Licht der Welt, wenige Tage nachdem in den Vereinigten Staaten die Stimmen ausgezählt worden waren. Die Parteizeitung „Global Times“ hat durchgezählt und ist insgesamt auf 40 Unternehmen gekommen, die im Reich der Mitte nach dem Überraschungssieg in Übersee den Namen Ivankas in irgendeiner Form registriert haben.

          Auf Taobao, der in China allgegenwärtigen Einkaufsplattform des chinesischen Alibaba-Konzerns, bringt die Suche nach „Ivanka“ schon jetzt – ohne irgendeine amtliche Markenregistrierung – einen Haufen an Produkten von Trittbrettfahrern hervor, die den Namen der Präsidententochter einfach leicht abgeändert in ihren Firmentitel integriert haben. Die Marke „Yiwankasuo“ etwa bietet einen Herrenanzug für 159 Yuan oder 22 Euro an. Das Produkt „Europäisch Amerikanisch gleiches Schuhmodell das auch Ivanka trägt Schwarz Stöckel 10 Zentimeter Veloursleder alltagstauglich“ kostet ebenfalls rund 20 Euro. Daneben kann der Kunde auf Taobao auch die Blusen und Hosen aus der Modelinie Ivanka Trumps selbst erwerben – als offensichtliche Fälschung für umgerechnet fünf Euro das Teil.

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