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G-20-Frauengipfel : Donald Trumps brave Tochter

Mit IWF-Chefin Christine Lagarde (Mitte) und Kanzlerin Merkel (rechts) diskutierte Ivanka Trump über die Förderung von Unternehmerinnen. Bild: EPA

Auf dem G-20-Frauengipfeltreffen in Berlin hat Ivanka Trump ihren ersten großen internationalen Auftritt. Die Präsidententochter zeigt sich wie gewohnt: freundlich, gebildet, aber ohne Kontur.

          Wenn an einem Abend mit Rotwein und Bier Washingtons Linksliberale ihre Depression zelebrieren angesichts der Machtverhältnisse im Weißen Haus, wenn sie in der Lust am Gruseligem Donald Trumps Tweets zitieren und von Stephen Bannon finsteren Pläne raunen, dann kommt die Rede zwangsläufig auf die 35 Jahre alte Ivanka Trump. Sie ist die Tochter des Präsidenten. Und aus rätselhaften Gründen ist sie die Hoffnungsträgerin des gemäßigten Amerikas.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Seit kurzem ist ihre Rolle offiziell. Sie hat ein Büro im Weißen Haus mit eigenen Mitarbeitern und dient als Assistentin ihres Vaters. Die Papierform ihres Curriculum Vitae lässt nichts erkennen, was es zwangsläufig gemacht hätte, dass sie als Beraterin im Weißen Haus endet. Sie kann immerhin ein Bachelor-Abschluss cum laude in Volkswirtschaft vorweisen. Sie hat als Model gearbeitet, ihren Namen für eine Diamanten-Marke gegeben und war Gastgeberin für einen Schönheitswettbewerb für weibliche Teenager.

          Limonadenstand als Grundstein für das Geschäftsleben

          Im Jahr 2005 trat sie in das Familienunternehmen ihres Vaters ein und entwickelte parallel eine Modelinie. Unter ihrem Namen werden Handtaschen, Schuhe und andere Accessoires, die Frauen tragen, in Warenhäusern vertrieben. Sie ist überdies in der Realityshow The Apprentice an der Seite ihres Vaters aufgetreten. Und schließlich hat sie knapp vier Jahre nach ihrem Eintritt in das Familienunternehmen einen Ratgeber für Karrierefrauen geschrieben mit der Kernthese, dass sie es auch nicht immer leicht hatte als Tochter eines bekannten Immobilienmagnaten und dass man sich eben durchbeißen müsse als Frau.

          Eine bemerkenswerte Episode im Buch beschreibt, wie sie mit ihren Brüdern versuchte, Limonade zu verkaufen. Amerikaner, die in ihrer Jugend Zitronenbrause verkauft und dabei fürs Leben und künftige Unternehmertum gelernt haben – das ist eine mächtige, geradezu unvermeidliche Erzählung in den Vereinigten Staaten. Ivankas erste Schritte ins Geschäftsleben als Sechsjährige wurden limitiert durch eine strenge Mutter, die ihr verbot, die Brause an der 5th Avenue in New York zu verticken, auch ein Stand im Trump Tower erschien nicht angemessen. So endeten die Trump-Sprösslinge mit einem Stand in der Sackgasse einer reichen Wohngegend in Connecticut, wo die Familie einen Landsitz hatte. Dort allerdings war die Laufkundschaft rar. Die Trump-Kinder fanden eine Lösung zur Abwendung des geschäftlichen Desasters. Sie verkauften Brause an ihren Leibwächter, den Fahrer und die Hausangestellten, wie Ivanka Trump stolz schreibt.

          Ivanka äußert kaum politische Überzeugungen

          Bevor man sich echauffiert, dass eine Sechsjährige ihre Hausangestellten ausbeutet, darf man kurz versuchen, sich in das abgeschottete und beschirmte Leben reicher Leute Kinder hineinversetzen. Sie gehen auf Bahnen, die ihre Eltern sorgsam vorgezeichnet haben. Es ist anders als beim dritten Kind einer drogenabhängigen Gelegenheitsprostituierten aus der Bronx, aber leicht war es auch nicht immer für Ivanka Trump. Ihr wird notorisch unterstellt, sie habe ihre Erfolge einzig allein ihrem Vater zu verdanken und nicht ihrer eigenen Tüchtigkeit. Wenn allerdings etwas auffällig ist, dann, dass sie öffentlich nie etwas auf ihren Vater kommen lässt. Sie ist tatsächlich eine brave Tochter.

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          Von Ivanka Trump sind nur wenige politische Überzeugungen aktenkundig und keine Einzige, die im klaren Widerspruch zu ihrem Vater steht. Klar: Sie ist für gute Ausbildung. Aber damit ist sie in Amerika so mehrheitsfähig wie jemand, der Hundewelpen niedlich findet.

          Die mächtigste Frau im weißen Haus

          Sie steht im Verdacht, den Klimawandel für eine Idee bedrohlicher zu halten als ihr Vater. Sie und ihr Ehemann Jared Kushner hätten Trump abgehalten, Amerika aus dem Pariser Klimaabkommen zurückzuziehen, lautet der wohlwollende Narrativ. Doch Trumps Leute zerlegen gerade das amerikanische Umweltbundesamt, das zentrale Vehikel für die amerikanische Klimapolitik. Am deutlichsten begibt sich Ivanka Trump in die Opposition zu konservativen Republikanern, indem sie einen bezahlten Erziehungsurlaub propagiert. Und schließlich widmet sie sich der Gleichberechtigung von Frauen.

          Als Bundeskanzlerin Angela Merkel jüngst zum Staatsbesuch ins Weiße Haus kam, saß Ivanka Trump, damals ohne offizielle Funktion, neben ihr in einer Gesprächsrunde über betriebliche Bildung. Hinterher wurde giftig getwittert, wieso eine Handtaschendesignerin neben der mächtigsten Frau der westlichen Welt sitzen dürfe. Und die Antwort darauf lautet: Weil die Handtaschendesignerin das Ohr des Präsidenten hat und damit die mächtigste Frau im Weißen Haus ist. Da pfeift der gewiefte Diplomat schon einmal auf das Organigramm bei der Ausklügelung der Sitzordnung. Man ist das ja von Monarchien gewohnt.

          Mit Fachkenntnis, aber ohne Kontur

          Merkel lud die beglückte Ivanka Trump zum G-20-Frauengipfeltreffen nach Deutschland ein, wo sie an der Seite der Währungsfonds-Chefin Christine Lagarde und der Kanzlerin am Dienstag ihren ersten großen internationalen Auftritt hatte. Sie gab sich freundlich und dankbar, dabei sein zu dürfen. Sie nannte sich eine Feministin, hörte konzentriert zu, nickte viel, wenn andere sprachen. Wenn sie selbst das Wort ergriff, dann mit erstaunlich tiefer, rauher Stimme – und mit Fachkenntnis. Immer aber blieb sie wohltemperiert: Keine frechen Scherze, wie sie die Bundeskanzlerin einstreute, kein Umgarnen des Publikums, kein Aus-der-Rolle-Fallen. Sie bleibt in all ihrer Präsenz eine konturlose Figur.

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