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Island : Quotenstreit in Ísafjörður

Die „Sjöfn” im Hafen von Ísafjörður Bild:

Vor 25 Jahren hat Island die Fangquoten privatisiert. Das hat wenige Fischer sehr reich und viele wütend gemacht. Jetzt will die neue Regierung die Zeit zurückdrehen. Gerecht ist auch das nicht.

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          Der Fang war gut an diesem Morgen. Spiegelglatt liegt die See, die Sonne scheint auf den Hafen von Ísafjörður im äußersten Nordwesten von Island. Thorstein Mársson hätte allen Grund zur Zufriedenheit. Die „Sjöfn“, sein nach der altnordischen Liebesgöttin benanntes Acht-Meter-Boot, ist vertäut, die frische Ladung Seehase samt dem begehrten Fischrogen schon auf dem Weg in die Fabrik, und überhaupt ist er mit 29 Jahren viel zu jung, um verbittert zu sein. Für Kritik aber ist er alt genug. „Die Privatisierung der Fangquoten war ein großer Fehler“, schimpft er. „Fast ein Verbrechen.“

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Vierteljahrhundert liegt die Entscheidung des isländischen Parlaments schon zurück, aber die Folgen spürt Thorstein Mársson täglich: Weil sein Vater ein Jahr vorher sein Boot verkauft hatte, ging die Familie 1984, als der künftige Reichtum verteilt wurde, leer aus. „Sonst könnten wir heute jeden Tag Piña Colada trinken“, sagt der Junior nun. „Wir wären richtige Quotenkönige.“

          Ísafjörður verantwortlich für die halbe Exportleistung Islands

          Fisch und Geld, das ist nicht nur in Ísafjörður ein untrennbares Paar, sondern auf der ganzen Insel. Es ist kein Zufall, dass jeder Isländer sein kleines meeresbiologisches Brevier ausgerechnet im Portemonnaie mit sich trägt: Ein Dorsch ist auf die Rückseite der 1-Kronen-Münze geprägt, zwei Delphine zieren den Fünfer, ein fetter Seehase die 100-Kronen-Münze. Denn vor der Küste trifft der warme Golfstrom auf nahrungsreiche arktische Wassermassen, was Hering und Seelachs, Rotbarsch und Schellfisch gefällt. Ohne seine Fischgründe wäre das von schroffen Felsrücken umgebene, heute 4000 Einwohner zählende Städtchen Ísafjörður wohl nie gegründet worden. Ohne sie käme Islands Wirtschaft nur auf die Hälfte seiner Exportleistung. Und um seine Fischereigrenzen von 4 auf 200 Seemeilen auszuweiten, hat die Inselrepublik zwischen 1958 und 1974 sogar Scharmützel mit Großbritannien und Deutschland ausgefochten.

          Fangfrisch und exportwichtig: Dorsch in Island

          So ist es auch kein Zufall, dass die von der konservativen Unabhängigkeitspartei vorangetriebene Privatisierungswelle, die einige Jahre später mit den sattsam bekannten Folgen auch die Großbanken des kleinen Landes erreichte, ihren Ausgang in der Fischerei nahm. Anteile an den für jede Fischart existierenden nationalen Fangquoten - ursprünglich als Schutzmaßnahme gegen Überfischung ersonnen - wurden von 1984 an nach und nach auf die Bootseigner überschrieben. Eine Gegenleistung dafür wurde ihnen nicht abverlangt, entscheidend für die Zuteilung war das Fangglück in den drei vorangegangenen Jahren. Seit 1990 sind diese Quoten als persönliches Eigentum teil- und handelbar, ein vergleichbares System gibt es nur in Neuseeland und den Niederlanden.

          Verpfändet und gehebelt

          Seit seiner Einführung hat sich die Zahl der Boote im Hafen von Ísafjörður, wo jeder dritte Arbeitsplatz von der Fischerei abhängt, mehr als halbiert, schätzt Jón Sigurpálsson, der das Museum der Stadt leitet. Wie jeder hier hat er eine Handvoll Geschichten über jene Quotenkönige auf Lager, die der günstige Zeitpunkt der Privatisierung reich machte: Der eine vermiete seine Quoten an quotenlose Fischer wie Mársson und lebe als Privatier am Mittelmeer, der nächste habe sie für Immobilienprojekte in Bulgarien verramscht.

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