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Irland : In Irland blühen die Schattenbanken auf

Dublin: Was die Touristen nicht wissen – den meisten Schatten gibt es schon wieder im Finanzdistrikt Bild: REUTERS

In Irland haben sich deutsche Banken schon mal eine Krise eingehandelt. Jetzt geht es wieder los: mit den gefährlichen Schattenbanken. Inzwischen dominieren sie das Finanzgeschäft der Insel.

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          Das International Financial Services Centre (IFSC) in Dublin ist ein unwirtlicher Ort. Vom Stadtzentrum der irischen Hauptstadt aus braucht man zu Fuß nur eine gute Viertelstunde in den Finanzbezirk auf der anderen Seite des Liffey-Flusses. Aber ins IFSC verirrt sich kaum ein Tourist. Warum auch? Es gibt in dem Neubau-Geschäftsviertel mit seinen zugigen, breiten Straßen nicht viel zu sehen. Früher waren hier die Hafenanlagen von Dublin. Heute reiht sich eine Bürokiste an die nächste. 32.000 Menschen arbeiten im IFSC. Man kann sich hier leicht verlaufen, denn irgendwie sieht alles gleich aus. Sauber, gepflegt, unauffällig.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der unscheinbare Eindruck täuscht: In der Welt des großen Geldes ist das Büroquartier mit dem sperrigen Namen eine wichtige Adresse. Das IFSC ist in der EU neben Luxemburg und den Niederlanden das wichtigste Zentrum der sogenannten „Schattenbanken“ – ein Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Geschäfte, die eines gemeinsam haben: Schattenbanken gehen vergleichbare Risiken ein wie Banken, unterliegen aber nicht denselben Aufsichtsregeln. Vor allem zahlreiche Fonds fallen in diese Kategorie.

          Seit der Jahrtausendwende ist mit den Schattenbanken ein neuer Kontinent auf der Weltkarte der Finanzbranche entstanden. Exakt vermessen ist das Neuland bisher nicht – die Statistiken sind lückenhaft. Vor allem der wuchernde Schattenbankensektor in China beunruhigt viele Experten. Aber auch in Europa wird die Branche immer wichtiger: Die Ratingagentur Standard & Poor’s schätzt, dass in den Ländern der Europäischen Währungsunion 30 Prozent aller Vermögenswerte in der Finanzwirtschaft von Schattenbanken kontrolliert werden.

          Irland ist ein Extremfall: Die Banken sind tot, es leben die Schattenbanken. Während die traditionellen Kreditinstitute der Iren in der Weltfinanzkrise verglühten und das ganze Land an den Rand des Ruins gebracht haben, prosperieren die internationalen Finanzinstitute im IFSC, als wäre nichts geschehen. Volkswirte der irischen Zentralbank schätzen, dass 70 Prozent des Finanzgeschäfts in Irland außerhalb des regulären Bankensektors stattfindet – die darbenden heimischen Kreditinstitute sind, so gesehen, nur noch ein Anhängsel der Schattenbanken.

          Mit Irland hatten Deutsche Banken schon mal Probleme

          Deutsche Banken haben sich während der Finanzkrise in Dublin böse die Finger verbrannt. Die Münchner Skandalbank Hypo Real Estate (HRE) wurde 2008 durch die riskanten Geschäfte ihrer irischen Tochtergesellschaft Depfa zum milliardenschweren Rettungsfall für die Steuerzahler. Auch andere gescheiterte Banken wie die Düsseldorfer IKB, die Sachsen LB und die West LB drehten in Dublin große Räder. Sie legten dort sogenannte Zweckgesellschaften auf – Schattenbanken außerhalb der Bilanz zur Verbriefung von Krediten in zweistelliger Milliardenhöhe.

          Trotz der schlechten Erfahrungen der vergangenen Jahre werden in Irland von Banken und Fonds auch heute noch mehr Zweckgesellschaften gegründet als in jedem anderen Land der Europäischen Union. Ende 2013 gab es auf der Grünen Insel 726 solcher Finanzvehikel, die mit einem extrem hohen Fremdkapitalhebel operieren und deren Eigentümerstrukturen häufig undurchsichtig sind.

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