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Iran : „Unser Erdöl reicht noch hundert Jahre“

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Gholam Nozari Bild: Andreas Pein

Iran ist eines der rohstoffreichsten Länder der Erde. Dem Westen ist das Land jedoch wegen Präsident Ahmadineschad äußerst suspekt. Im Interview spricht der iranische Minister Nozari über das schwierige Verhältnis, den Atomstreit mit dem Westen und die Tricks der Opec.

          Iran ist eines der rohstoffreichsten Länder der Erde. Dem Westen ist das Land jedoch wegen Präsident Ahmadineschad äußerst suspekt. Im Interview spricht der iranische Minister Nozari über das schwierige Verhältnis, den Atomstreit mit dem Westen und die Tricks der Opec.

          Herr Minister, als eines der rohstoffreichsten Länder der Erde ist Iran ein mächtiges Mitglied der Opec. Sie als iranischer Erdölminister also müssen es wissen: Wo wird der Ölpreis Ende dieses Jahres stehen?

          Ich denke, dass das jetzige Preisniveau von 45 bis 50 Dollar je Fass im Durchschnitt bis auf weiteres so bleibt...

          ...obwohl die Opec ihre Fördermengen stark zurückgefahren hat?

          In den vergangenen 20 Jahren ist die Nachfrage nach Öl kontinuierlich gestiegen. Nun in der Wirtschaftskrise sind wir seit langer Zeit erstmals mit einem starken Rückgang konfrontiert. Dabei sind die Handelsreserven auf dem Weltmarkt weiterhin sehr hoch. Deshalb ist es selbstverständlich, dass mit der geplanten Drosselung der Fördermengen um 4,2 Millionen Fass am Tag der Ölpreis nicht sofort steigt.

          Sicher auch, weil sich die Opec-Länder nicht alle an die vereinbarte Drosselung halten.

          Doch, das tun sie. Immerhin hat die Opec dieses Ziel zu achtzig Prozent realisiert. Aber die Nachfrage nach Öl sinkt weiter. Am Ende ist auch meine Einschätzung über den künftigen Ölpreis Spekulation. Keiner von uns hatte mit Preisen über 140 Dollar gerechnet, die wir im letzten Jahr gesehen haben.

          Sie haben mal gesagt, dass ein guter Preis für ein Barrel Öl etwa 80 Dollar wären?

          Ich habe damit einen Preis genannt, bei dem sich für Investoren das Erschließen von Ölfeldern rechnet. Bei heutigen Preisen ist genau das aber nicht attraktiv. Folglich wird zu wenig investiert, weil sich Investoren an Großprojekten nicht im notwendigen Maße beteiligen. Bei 80 Dollar je Fass sähen deren Rechnungen ganz anders aus.

          Langfristig wird es dann zu wenig Kapazitäten geben.

          Ja. Wahrscheinlich werden vier Millionen Fass täglich fehlen. Und damit stellt sich die Frage der Energiesicherheit. Die Tatsache, dass bei niedrigen Preisen Investitionen ausbleiben, ist nicht ungefährlich. Denn wenn die Wirtschaft sich wieder erholt und entsprechend die Nachfrage nach Öl steigt, dann wird es zu wenig Förderkapazitäten geben, und dann werden die Preise wieder in die Höhe schießen. Energiesicherheit und Preisstabilität wären bei 80 Dollar je Fass besser gewährleistet.

          Iran verfügt über enorme Reserven, auch an Gas. Wie lange reicht der Vorrat noch?

          Unser Land ist vor allem reich an Erdgas. Wir haben die zweitgrößten Reserven der Welt und verfügen über 16 Prozent des gesamten Gasvorkommens der Erde. Aber nur 20 Prozent unserer Gasfelder sind tatsächlich auch erschlossen. Es gibt also ein riesiges Potential. Dazu kommt, dass wir immer wieder neue große Erdgasvorkommen entdecken.

          Die Iran aber im Moment nichts nützen.

          Richtig. Mit unserer heutigen Technologie können wir unsere Reserven an Öl und Gas nur eingeschränkt nutzen. Was das Erdöl angeht, so sind wir sicher, dass wir bei der derzeitigen Fördermenge von 4,3 Millionen Barrel am Tag weitere 100 Jahre lang Erdöl fördern können. Unsere Erdgasvorräte würden sogar 170 Jahre vorhalten.

          Können Sie vor diesem Hintergrund die Debatte um die Endlichkeit der Reserven an fossilen Brennstoffen verstehen?

          Es gibt Regionen in der Welt, deren Reserven zur Neige gehen. Und es gibt Länder, die ehemals zu den Rohstoffexporteuren gehörten, heute aber fossile Brennstoffe einführen müssen. In den nächsten zwei Jahrzehnten werden sich die geographischen Gewichte weiter verschieben.

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