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Alltag im Krankenhaus : „Fünf Minuten je Patient“

Nur Betten machen? Das reicht vielen möglichen Berufsanfängern nicht als Motivation. Bild: dpa

Eine Ausbildungsreform soll mehr junge Menschen in die Pflegeberufe bringen. Bestehen da Chancen? Eine Krankenschwester im Gespräch über fehlende Zeit, ungenügende Spezialisierung und den unwürdigen Umgang mit Patienten.

          3 Min.

          Krankenpfleger, Altenpfleger, Kinderkrankenpfleger – diese drei Ausbildungsgänge sollen einer werden. Hilft das, mehr junge Menschen für den Mangelberuf zu begeistern? Jana Halberstadt* kennt die Realität des Jobs schon lange: Sie ist Krankenschwester und hat schon unterschiedlichste Stationen von innen gesehen, darunter Neurologie, Innere Medizin und Geriartrie. Vor sieben Jahren hat sie die Stationsarbeit an den Nagel gehängt, ging erst einmal mit „Ärzte ohne Grenzen“ nach Burma und Äthiopien. Seit ihrer Rückkehr arbeitet sie in einer Notfallambulanz. Ein Gespräch über den Beruf und warum es ihm so an Attraktivität fehlt.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Wie hat sich Ihr Beruf verändert?

          Ich bin mehr als 20 Jahre Krankenschwester, wenn man die Ausbildung mitrechnet. Heute gibt es noch weniger Personal je Patient als früher auf den Stationen. Wer heute Nachtdienst im Krankenhaus macht, ist häufig für 36 Menschen gleichzeitig zuständig. Dazu kommt, dass die Liegezeiten der einzelnen Patienten kürzer werden. Früher lag jemand nach einem Herzinfarkt vielleicht zwei Wochen auf Station, heute geht er nach wenigen Tagen in die Reha. Dadurch entsteht ein viel größerer Wechsel, der wieder mehr Arbeitsaufkommen bedeutet. Und: Wer heute im Krankenhaus liegt, ist im Schnitt kränker und älter, als das vor zwanzig Jahren noch der Fall war.

          Was heißt das für das Pflegepersonal?

          Es kommt zu grotesken Situationen wegen dieser Arbeitsverdichtung. Ich habe früher in einer Klinik im Bergischen Land auf der Neurolologie gearbeitet. Da waren wir gezwungen, Patienten ihre Magensonde drin zu lassen, die eigentlich schon wieder essen konnten – weil wir keine Zeit hatten, sie eine halbe Stunde lang zu füttern. Wir haben teilweise auch Schwerstpflegefälle im Nachtdienst um vier Uhr morgens versorgt und gewaschen, weil der Tagdienst das Waschen aller Patienten ansonsten nicht geschafft hätte. Schlimm ist es auch, wenn man einem sterbenden Krebspatienten nicht einfach mal zwischendurch die Hand halten kann.

          Wie viel Zeit hat man denn auf Station ungefähr für einen Patienten?

          Meine Erfahrung dort ist schon ein bisschen länger her. Ich würde sagen damals waren es für einen Schwerstpflegefall 20 Minuten, für die leichten Fälle maximal fünf Minuten. Es gab Situationen, da war man nicht in der Lage, als Schwester alle Patienten im Spätdienst oder Nachdienst gesehen zu haben.

          Was motiviert junge Menschen heute noch, diesen Beruf zu erlernen?

          Es ist ein schöner und vielseitiger Beruf. Natürlich ist er körperlich oft sehr anstrengend und viel zu schlecht bezahlt. Täglich mit Krankheit und auch mit dem Tod zu tun zu haben ist per se nichts Schönes. Aber: Man kann für die betroffenen Menschen den Umgang damit würdiger gestalten. Das ist das Motivierende an diesem Beruf. Leider war es auf Station eben viel zu oft so, dass man nach Hause ging und dachte: Ich habe das wieder nicht gut geschafft. Und genau das hat mich entscheiden lassen, dass sich die Stationsarbeit nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren lässt.

          Wird die neue Ausbildung die jungen Menschen besser auf die Herausforderungen in dem Beruf vorbereiten?

          Ich glaube nicht, dass alles besser wird, dadurch dass man mehr Ausbildungsinhalte in einen Topf wirft.

          Aber es ist doch eine Tatsache, dass die Menschen immer älter werden. Wenn künftig Krankenpfleger besser wissen, wie sie mit Demenzkranken umgehen, ist das doch ein Vorteil!

          Das stimmt. Und es gilt auch umgekehrt. In den Altenheimen findet man immer mehr kranke Menschen, die davon profitieren, wenn die Pfleger auch medizinische Kenntnisse haben. Das Problem ist aber, dass mehr Generalisierung für die jungen Leute, die den Job lernen wollen, erstmal nicht unbedingt attraktiv ist. Zumindest die Guten und Engagierten wünschen sich eigentlich mehr Spezialisierung.

          Wie könnte das aussehen?

          In der Schweiz ist es beispielsweise so, dass die Schwestern sich in einem Studium ganz gezielt auf ihr medizinisches Einsatzgebiet vorbereiten. Da wird man dann Onkologie-Schwester oder HNO-Schwester und kann mit den Ärzten ganz anders Hand in Hand arbeiten. Gleichzeitig gibt es viel mehr Pflegehelfer und die Schwestern müssen nicht unbedingt Betten beziehen oder Essen verteilen. Das ist ein gutes Modell!

          Glauben Sie, dass es in Zukunft zu mehr Wechseln zwischen den verschiedenen Pflegeberufen kommt?

          Das mag sein, doch das eigentliche Problem ist, dass es mit oder ohne Ausbildungsreform noch immer zu viele Wechsel ganz raus aus der Branche gibt. Und das liegt daran, dass die Bedingungen fast überall schwierig sind. Es gibt Ausnahmen, klar. In meinem jetzigen Job in der Ambulanz gibt es andere Probleme, die frustrieren, und es gibt sehr stressige Zeiten, aber da ist ein sehr gutes Team und das kompensiert einiges! Dagegen habe ich auch schon einmal ausprobiert, in die häusliche Pflege zu wechseln. Das war aber ähnlich frustrierend wie auf Station.

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