https://www.faz.net/-gqe-shob

Indien : „Ich fühle wie ein Durchschnitts-Inder"

  • Aktualisiert am

Vijay Mallya - nicht zufällig der indische Richard Branson genannt Bild: AFP

Der Milliardär Vijay Mallya trägt Brillanten im Ohr, eine bunte Brille und Armbänder. Doch der indische Manager ist kein Paradiesvogel, sondern ein Unternehmer deutscher Prägung. Ein Interview über Geschäfte mit Flugzeugen und Bier, den Neid und die Prunksucht.

          5 Min.

          Der Milliardär Vijay Mallya trägt Brillanten im Ohr, eine bunte Brille und Armbänder. Doch der indische Geschäftsmann ist kein Paradiesvogel, sondern Geschäftsmann deutscher Prägung. Ein Interview über seine Geschäfte mit Flugzeugen und Bier, den Neid der Armen und die Prunksucht der Reichen.

          Herr Mallya, Sie sind ein wagemutiger Unternehmer, schmücken sich aber wie ein Christbaum. Wer ist eher Ihr Vorbild - Jack Welch oder Richard Branson?

          Keiner von beiden. Ich bin das Gewächs eines deutschen Unternehmens. Mein Vater hat Hoechst in Indien aufgebaut. Zum 18. Geburtstag bekam ich dort einen Sitz als Direktor. Ich ging als Trainee nach Amerika, später nach London. Ich sollte die wirkliche Welt kennenlernen, mit einem präzise arbeitenden, strukturierten deutschen Unternehmen. Ich wirke nicht so. Aber ich plane alles bis ins Detail und arbeite es dann exakt ab. Airbus würde nicht Milliardenverträge mit mir schließen, nähmen sie mich nicht ernst.

          Das tun sie mit Branson auch . . .

          Der Vergleich kam auf, weil ich unser Bier Kingfisher als Marke aufbauen mußte. Werbung für Alkohol oder Bier ist in Indien verboten. Also mußte ich mir etwas anderes einfallen lassen. Ich schuf mich selber als "Markenbotschafter", und wir begannen, Bier als Lifestyle zu verkaufen. Übrigens lange vor Branson.

          Können Sie denn damit leben, der "indische Richard Branson" zu sein?

          Schon. Aber mit dem gleichen Recht könnte Branson der britische Mallya genannt werden. Und ehrlich gesagt interessiert mich das Thema auch nicht.

          Was interessiert Sie denn?

          Ich will die Nummer eins werden. Wir werden bei Spirituosen von der Nummer drei zum Weltmarktführer und die größte private Fluggesellschaft Indiens. Meine Aktionäre sollen glücklich sein. Meine Aktie muß sich gut entwickeln. Ich halte 55 Prozent an meinem Unternehmen - schießt die Aktie wie jetzt durch die Decke, bin ich ein gemachter Mann. Fällt sie, blute auch ich.

          Als was wollen Sie den Menschen in Erinnerung bleiben?

          Als jemand, der einige der führenden Marken der Erde aufgebaut hat.

          Was nervt Sie im Laufe eines normalen Geschäftstages am meisten?

          Daß in Indien die Alkoholindustrie überreguliert ist, zu hoch besteuert wird.

          Alles in Indien ist überreguliert . . .

          Nein, das können Sie so nicht sagen. Bleiben wir beim Alkohol: Die Menschen vergessen manchmal jede Logik, geht es um politische Macht. In Südindien hat ein Bundesland die Prohibition erklärt, weil die Regierung damit die Stimmen der Frauen fangen wollte. So etwas ist irrational, bringt mich auf die Palme.

          Sind Sie deshalb in die Politik gegangen?

          Nein. Ich wollte in der Politik Verläßlichkeit und Nachhaltigkeit durchsetzen. Rajiv Gandhi hat mal gesagt, daß 85 Prozent der Hilfe für die Armen nie bei ihnen ankommt. Die Steuern werden in Indien verschwendet, weil gute Vorhaben nicht umgesetzt werden.

          So entstehen Armut und Unzufriedenheit . . .

          Die Sache ist komplizierter. Wir sind hier nicht in Afrika. In Indien muß niemand verhungern. Zudem verfügt die Regierung über das Geld zu helfen. Was ihr fehlt, sind die Mechanismen sicherzustellen, daß es verantwortlich genutzt wird, in die richtigen Kanäle fließt. Als ich das als Privatmann kritisierte, wollte es niemand hören. Die Reden eines Abgeordneten aber werden zumindest aufgezeichnet.

          Ist das demokratische System ein Vorteil für Indien?

          Nur dank der Demokratie bricht unser Land nicht auseinander. Schauen Sie sich die Vielfalt Indiens an, seine Sprachen, Ethnien, Religionen. Ich möchte für China nicht das starke Wort der Diktatur gebrauchen, aber sicher ist China ein sehr autoritäres System. Die Regierung kann dort bis jetzt alles durchsetzen. Unser Nachteil ist: Wir sind zu langsam.

          Das ist Indien schon lange. Wird die Geschwindigkeit anziehen?

          Der Wandel im Vergleich zum Indien vor zehn Jahren oder auch noch fünf Jahren ist doch schlicht unfaßbar. Die Richtung stimmt. Der Ministerpräsident spricht jetzt von zehn Prozent Wachstum. Sie kennen ihn, er ist ein zurückhaltender Mann.

          Aber auch seinen Ankündigungen folgen zu selten Taten . . .

          Weitere Themen

          Wo die Tücken auf USA-Reisen liegen

          Grenzöffnung ab November : Wo die Tücken auf USA-Reisen liegen

          Die Wirtschaft jubelt über die endlich angekündigte Grenzöffnung der USA. Doch für Touristen sind noch einige Fragen offen – zum Beispiel das Reisen mit Kindern. Die Probleme sind allerdings klein im Vergleich zu Reisen nach China.

          Topmeldungen

          Laschet und Merkel in Stralsund am Dienstagabend

          Merkel und Laschet : Kann er Ostsee?

          In Stralsund macht Angela Merkel Wahlkampf mit Parteifreunden. Der eine will ihren Platz im Wahlkreis einnehmen – der andere jenen im Kanzleramt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.