https://www.faz.net/-gqe-ykq1

Indien baut Infrastruktur aus : 1000 Milliarden Dollar für Straßen und Strom

Viel Raum für Verbesserung: Die mangelhafte Infrastruktur kostet Indien jedes Jahr zwei Prozentpunkte beim Wachstum Bild: Reuters

Indiens Infrastruktur ist so marode, dass dies den Subkontinent jährlich zwei Prozentpunkte beim Wachstum kostet. Milliardeninvestitionen sollen das nun ändern. Höchste Zeit: In Indien verdirbt ein Drittel der Ernte auf dem Weg vom Bauern zum Geschäft. Und ein Lastwagen braucht für 1500 Kilometer fünf Tage.

          Indien braucht doppelt so viel Geld wie bislang, um seine Infrastruktur auszubauen. „Erste Schätzungen haben ergeben, dass wir unsere Ausgaben für Infrastruktur auf eine Billion Dollar für fünf Jahre aufstocken müssen“, sagte Ministerpräsident Manmohan Singh mit Blick auf den Fünfjahresplan von 2012 bis 2017 auf einer Konferenz in Neu-Delhi. An der Börse in Bombay (Mumbai) legten die Wertpapiere von Bau- und Energieunternehmen im Handel am Dienstag daraufhin deutlich zu.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das Institut der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) schätzt, Asien insgesamt müsse in dieser Dekade rund 8 Billionen Dollar in die Infrastruktur investieren, wolle es weiter wachsen. Im Gegenzug würden die Länder nach der Berechnung des Institutes ihr Bruttoinlandsprodukt bis 2020 um 1,6 Billionen Dollar steigern – das entspricht einem Zehntel des BIP der asiatischen Entwicklungsländer.

          Für den derzeitigen Fünfjahresplan, der bis 2012 läuft, hat die indische Regierung 514 Milliarden Dollar für den Bau besserer und neuer Straßen, den Ausbau von Häfen und Flughäfen, die Strom- und Wasserversorgung veranschlagt. Analysten schätzen, dass die schlechte Infrastruktur die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens jährlich 2 Prozentpunkte Wachstum kostet. Singh erklärte, Indiens Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Fiskaljahr (31. März) 7,2 (vorheriges Fiskaljahr: 6,7) Prozent wachsen. „Wir streben eine Wachstumsrate von 8,5 Prozent im nächsten Fiskaljahr an, 9 Prozent im Jahr darauf“, sagte der Ministerpräsident. Das mittelfristige Ziel bleibe es, Indiens Wachstumsgeschwindigkeit auf 10 Prozent voranzutreiben.

          Viel Raum für Verbesserung: Die mangelhafte Infrastruktur kostet Indien jedes Jahr zwei Prozentpunkte beim Wachstum Bilderstrecke

          Mehr Investitionen aus dem Ausland anziehen

          Dafür sieht sich Indien gezwungen, nun mehr Investitionen aus dem Ausland anzuziehen. „Wir haben das volle Potential der Versicherungen und Pensionsfonds als Geldgeber für große Infrastrukturprojekte noch nicht ausgeschöpft“, räumte Finanzminister Pranab Mukherjee ein. Anfeuern will er die Investitionen, indem künftig Privatunternehmen genehmigt werden soll, steuerbegünstigt „Infrastruktur-Anleihen“ auszugeben.

          Singh verwies auf die Defizite der Umsetzung in Indien, die den Aufschwung gefährdeten: „Die Investoren kommen nicht von selbst. Wir brauchen dauerhafte Verbesserungen in der Steuerung und Umsetzung von Projekten“, mahnte der Ministerpräsident. Er nannte den indischen Telekommunikationssektor als gutes Beispiel: Nach der Öffnung vor mehr als einer Dekade ist Indien heute zum zweitgrößten Markt der Welt – nach China – herangewachsen. Monatlich kommen 17 Millionen neue Mobiltelefonkunden in Indien hinzu. Nach jahrelanger Verzögerung werden nun die Lizenzen für die Telefonie der dritten Generation versteigert.

          Die Infrastruktur soll das ambitionierte Wachstum erst ermöglichen

          Letztlich betrachtet die Regierung das Investitionsprogramm als Entwicklungshilfe: Ihrer Rechnung nach wird die Infrastruktur das ambitionierte Wachstum erst ermöglichen, das seinerseits die Voraussetzung für die Verringerung der Armut ist. „Auf Dauer kann man kein Land führen, in dem 350 Millionen Menschen von weniger als einem Dollar täglich leben müssen, weitere 400 Millionen Menschen mit nur 2 Dollar am Tag auskommen“, sagte Kamal Nath. Früher war er der scharfzüngige Handelsminister Indiens. Heute verantwortet er den Bau von Straßen und Autobahnen – auch diese Besetzung zeigt, wie ernst es Indien mit seinem Entwicklungsprogramm ist.

          Bis heute verdirbt mehr als ein Drittel der Ernte auf dem Weg vom Bauern zum Geschäft. Ein Lastwagen braucht für die rund 1500 Kilometer zwischen der Wirtschaftsmetropole Bombay (Mumbai) und der Hauptstadt Neu-Delhi fünf Tage – reine Fahrzeit, ohne die Wartezeit an den Grenzen zwischen den Bundesstaaten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Willkommen in Nordirland“ steht am Straßenrand an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.

          Brexit-Streit : Auf gar keinen Fall Kontrollen

          Boris Johnson und die EU sind sich zumindest in einem Punkt einig: Grenzkontrollen zwischen Irland und Nordirland dürfen nicht sein. Doch wie soll das ohne Backstop-Klausel gehen?
          Frankfurts David Abraham (l.) und Goncalo Paciencia (r.) können Lebo Mothiba von Racing Straßburg nicht stoppen.

          Frankfurt patzt in Straßburg : Alle Hoffnung auf Teil zwei

          Eintracht Frankfurt muss um den Einzug in die Gruppenphase der Europa League bangen. Im Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg konnte der Bundesligist vor allem in der ersten Hälfte nicht überzeugen und verlor mit 0:1.

          F.A.Z.-Umfrage zur Lage in Hongkong : Deutsche Unternehmen meiden klare Worte

          Joe Kaeser mahnt gewaltfreien Dialog und Einhaltung des geltenden Rechts in Hongkong an. Viele deutsche Konzerne sind besorgt, drucksen aber herum – sie haben Milliarden in China investiert.
          Der gemeinnützige Verein Deutsches Tagebucharchiv e. V hat seinen Sitz in Emmendingen, einer Stadt im Südwesten Baden-Württembergs.

          Erinnerungen : Einblicke in die deutsche Seele

          Das Deutsche Tagebucharchiv sammelt Lebenserinnerungen und Briefe jeglicher Art – von ganz gewöhnlichen Menschen. Es sind faszinierende Dokumente,die die Vergangenheit spürbar machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.