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Flüchtlings-Diskussion : Wirtschaftlich ist das Kosovo besser als sein Ruf

Serbisches Grenzpersonal hält Migranten aus dem Kosovo auf. Bild: AP

Die Menschen sind motiviert, aber die Arbeitslosigkeit ist hoch - das kleine Land auf dem Balkan steht vor einer Reihe von Problemen. Viele Menschen flüchten Richtung Westen.

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          Hans-Joachim Hemstedt ist genervt von den vielen Klischees über das Kosovo, vor allem zur Kriminalität. „Dort lasse ich mein Auto offen stehen, das würde ich in Deutschland niemals wagen“, sagt der Braunschweiger Unternehmer. „Ich bin auch noch nie auf Rauschgift oder Korruption gestoßen.“

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Seit sieben Jahren ist der Eigentümer des gleichnamigen Unternehmens auf dem Balkan tätig, derzeit verbringt er die meiste Zeit in Drenas (Gllogoc), 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Prishtina. Für 4 Millionen Euro hat der Mittelständler dort ein Werk für Aufzugsanlagen namens Liftkos errichtet. „Kos“ steht für Kosovo, was in der Landessprache Amsel bedeutet. Das Amselfeld hat dem Kosovo seinen Namen gegeben. 2014, im ersten vollen Geschäftsjahr, wurden in Drenas 30 Aufzüge gefertigt, 2015 sollen es fünfmal so viele werden. Die Mitarbeiterzahl will Hemstedt von 40 auf 100 aufstocken. „Das Geschäft läuft“, sagt er. In der Bauwirtschaft sei der Nachholbedarf riesig, in 90 Prozent der Gebäude arbeiteten die Fahrstühle fehlerhaft oder gar nicht.

          Die Qualität seiner im Kosovo gefertigten Produkte hält der Geschäftsmann für vergleichbar mit der deutschen, weshalb Liftkos nach Großbritannien und Dänemark exportiert. Die lokalen Mitarbeiter, einschließlich der Ingenieure, bezeichnet der Investor als hochqualifiziert und motiviert, die meisten sprächen Deutsch. Da im Kosovo der Euro gilt, gebe es kein Wechselkursrisiko. Lästig seien allenfalls die Wartezeiten am Zoll und die Verhandlungen mit der Verwaltung: Nach den Wahlen im Juni kam monatelang keine Regierung zustande.

          Die EU lobt die Fortschritte - außer in Sachen Kriminalität

          Das Kosovo gerät derzeit immer stärker in den Fokus, weil im Moment wesentlich mehr Menschen aus der Region flüchten als in den vergangenen Monaten. Die deutsche Bundesregierung will darauf mit schnelleren Asylverfahren reagieren. Als ein Grund für die Ausreisewelle gilt die wirtschaftliche Perspektivlosigkeit in dem kleinen Land, das 1,8 Millionen Einwohner hat, so viele wie Wien. Schon jetzt leben Tausende Kosovaren im Ausland, viele seit dem Krieg Ende der neunziger Jahre. Das Geld, das diese Migranten nach Hause schicken, vor allem aus Deutschland und der Schweiz, trägt 12 Prozent zur Wirtschaft des Zwergstaats bei.

          Die Einschätzung über die Lage in dem mehrheitlich von Albanern bewohnten Land variiert stark. Neben positiven Stimmen wie die Hemstedts gibt es viele Skeptiker. Der Fortschrittsbericht der EU-Kommission über den „potentiellen Beitrittskandidaten“ lobt zwar die Erfolge. Bei der Bekämpfung von Kriminalität und Korruption sind die Noten aber ungenügend. Ganze Branchen wie die Telekomindustrie fühlen sich düpiert, weil die Regierung Zusagen nicht eingehalten habe. „Die Vetternwirtschaft ist endemisch“, heißt es. Immerhin könnte im Herbst ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet werden; ein wichtiger Schritt für die Aufnahme. Andererseits drohen durch den Abbau von Einfuhrhürden auch Schwierigkeiten, da ein wichtiger Teil des Staatshaushalts an Zöllen hängt.

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