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Kurz vor der Fußball-WM : In Brasilien werden Strom und Trinkwasser knapp

  • -Aktualisiert am

Der heißeste Januar aller Zeiten: Trockener Boden in Bragança Paulista im Budesstaat São Paulo Bild: REUTERS

Kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft steuert Brasilien auf eine Energiekrise zu. Experten fordern, den Stromverbrauch zu drosseln - doch Staatschefin Rousseff will sich nicht unbeliebt machen.

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          Einen Monat vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft wächst in Brasilien die Sorge vor Engpässen in der Versorgung mit Strom und Trinkwasser. Nach einer außergewöhnlichen Dürreperiode sind die Wasserreservoirs in einigen Stauseen auf historische Tiefstände gesunken. Wasserkraftwerke, die in normalen Zeiten 70Prozent des elektrischen Stroms in Brasilien liefern, müssen darum ihre Produktion zurückfahren. Gleichzeitig stieg der Stromverbrauch allein im ersten Quartal um 6 Prozent.

          „Nur knapp die Hälfte von Brasiliens Wasserkraftwerken besitzt überhaupt einen Stausee, deshalb kann sich die Lage schnell zuspitzen“, warnt die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest in einer Analyse der brasilianischen Energieversorgung. Brasilianische Energieexperten halten eine sofortige Drosselung des Stromverbrauchs für dringend geboten. Doch Staatschefin Dilma Rousseff, die sich im Oktober um ihre Wiederwahl bewerben möchte, wolle offenbar keine unpopulären Entscheidungen zu Preiserhöhungen oder Rationierungsmaßnahmen treffen, wird kritisiert.

          Auch die Flughäfen sind gefährdet

          Als frühere Energieministerin wäre es für Rousseff allerdings besonders peinlich, wenn es zu ungeplanten Unterbrechungen der Stromversorgung kommen sollte. Größere Stromausfälle sind in Brasilien keine Seltenheit. Die Übertragungs- und Verteilungsnetze sind anfällig für Störungen. Zudem fehlen 2.000 Megawatt Erzeugungskapazität, kalkuliert der Energieexperte Mario Veiga. Erst im Februar war in 13 Bundesstaaten der Strom ausgefallen, sechs Spielorte der WM waren betroffen. In den Stadien selbst sei die Stromversorgung durch Notaggregate und Energiespeicher gesichert, beruhigt der Weltfußballverband Fifa.

          Doch ringsherum könnten die Lichter ausgehen. Auch die Flughäfen, die ohnehin als besonders wunde Punkte der Infrastruktur Brasiliens gelten, sind gefährdet. Erst vor kurzem kam es zu Stromausfällen in Rio de Janeiro und São Paulo, den wichtigsten Drehkreuzen des Landes. In der Wirtschaftsmetropole São Paulo, wo am 12. Juni das WM-Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien stattfinden soll, könnte sogar das Trinkwasser knapp werden. Die Wasservorräte in den Stauseen des Cantareira-Systems, aus dem die 20-Millionen-Einwohner-Stadt versorgt wird, sind auf nur noch 10 Prozent der Kapazität gesunken.

          Tiefer liegende Wasserreserven

          Dabei ist die Regenzeit gerade erst zu Ende gegangen. Größere Niederschläge werden vor August nicht erwartet. Das Wasserversorgungsunternehmen von São Paulo, Sabesp, verspricht seinen Kunden Preisnachlässe von 30 Prozent, wenn sie ihren Verbrauch um mindestens 20 Prozent reduzieren. Wer den Konsum erhöht, muss 30 Prozent Aufschlag zahlen. Die Behörden schließen unterdessen die Notwendigkeit einer Wasserrationierung für 2014 aus.

          Es gebe noch eine Reserve von tiefer gelegenen, nur mit Pumpen zu erschließenden Gebieten. Diese würden demnächst angezapft und könnten das Niveau der Stauseen auf 18,5 Prozent anheben. Damit könne die Zeit bis zur nächsten Regenperiode überbrückt werden. Um den Rückgang der Stromerzeugung aus Wasserkraft zu kompensieren, müssen die vorhandenen Wärmekraftwerke auf volle Touren hochgefahren werden.

          Da die aus der Verbrennung von Öl und Gas erzeugte Elektrizität rund fünfmal so teuer ist wie Strom aus Wasserkraft, gewährte die Regierung den Stromversorgern bereits Subventionen von 12 Milliarden Real (4 Milliarden Euro). Der staatlich kontrollierte Ölkonzern Petrobras importiert Rekordmengen von teurem Flüssiggas, um die Befeuerung der Wärmekraftwerke sicherzustellen.

          Fachleute des nationalen Stromnetzbetreibers ONS hätten der Regierung bereits zu einer Kürzung der täglichen Stromerzeugung um 4 bis 6 Prozent geraten, heißt es. Wenn jetzt nicht gespart werde, sei die Gefahr groß, dass im kommenden Jahr umso stärkere Rationierungsmaßnahmen nötig werden könnten. Bei ähnlich niedrigen Pegelständen der Stauseen wie heute sah sich 2001 die damalige Regierung gezwungen, den Stromverbrauch um 20 Prozent zu drosseln. Die nächsten Wahlen gewann die Opposition.

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