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Im Gespräch: Weltbank-Präsident Robert Zoellick : „Revolutionen können ungemütlich werden“

  • Aktualisiert am

„Ich glaube, Tunesien hat bessere Chancen als Ägypten” Bild: Matthias Lüdecke

Die Welt schaut nach Arabien. Millionen protestieren in Ägypten gegen Präsident Husni Mubarak, den die westliche Welt lange stark unterstützt hat - auch die Weltbank. Heike Göbel und Manfred Schäfers fragen den Weltbank-Präsidenten im Interview, ob das richtig war.

          Herr Zoellick, war die jahrzehntelange Hilfe für autoritär regierte Länder wie Ägypten richtig?

          Diese Länder hatten Fortschritte gemacht: Geringere Kindersterblichkeit, bessere Gesundheit der Mütter, auch die Armut ist gesunken. Aber die jungen Leute, ob ausgebildet oder nicht, haben keine Arbeit gefunden. Ein schlagendes Beispiel ist Südkorea. Es hat halb so viele Einwohner wie Ägypten, exportiert aber an einem Tag so viele Industriegüter wie Ägypten in einem ganzen Jahr. Die Wirtschaft hat also kaum Fortschritte gemacht. Und auch die Korruption hat die Menschen auf die Straße getrieben.

          Die Weltbank hat zwar Bekämpfung der Korruption auf ihre Fahne geschrieben, aber die Zustände in Ägypten nicht angeprangert. Was ist schief gelaufen?

          Wir haben im vergangen Jahr einen Report über die Region verfasst, der mit Blick auf Korruption und Nepotismus nicht vorteilhaft ausgefallen ist. Doch Korruption ist ein weltweites Problem. Letztlich können wir nur die unterstützen, die sich für größere Transparenz einsetzen. Und natürlich haben wir besondere Verantwortung, unsere eigenen Programme frei von Korruption zu halten. Wir arbeiten aber in einem komplexen Umfeld. Wir können nicht nur dahin gehen, wo nichts dergleichen vorkommen kann.

          „Wir versuchen, bei der Rückführung gestohlener Vermögen zu helfen”

          Wie viel Geld bekommt Ägypten von der Weltbank?

          Knapp 2,2 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Das war aber überdurchschnittlich, in den vergangenen fünf Jahren gab es insgesamt knapp 5 Milliarden Dollar.

          Hat die Weltbank die Lage in Arabien falsch eingeschätzt?

          Niemand konnte die Entwicklung in Tunesien und Ägypten voraussehen. Ich weiß auch nicht, welches Land als nächstes kommt. Wir können nur bei der Modernisierung helfen. In Ostasien ist das gut gelungen; Wirtschaftsreformen haben dort eine Mittelschicht geschaffen. Meine Hauptsorge ist nun, dass wir einer neuen reformwilligen Regierung nicht schnell genug helfen können.

          Warum nicht?

          Große Organisationen wie die Weltbank stehen in der Kritik, zu langsam zu reagieren. In Tunesien muss die Übergangsregierung schon mit einer Herabstufung der Kredite leben. Sie muss Nahrungsmittel und andere Importe bezahlen. Es wäre eine Tragödie, wenn wir den günstigen Moment verpassten und eine Regierung, die Reformen plant, weggefegt würde, weil sie kein Zugang zu den notwendigen Finanzen hat. Ich glaube, Tunesien hat bessere Chancen als Ägypten. Dort ist es sehr unsicher.

          Wie kann die Weltbank jetzt helfen?

          Wir müssen jedes Land für sich betrachten. In Tunesien sind wir schon in Kontakt mit der Übergangsregierung. Wir versuchen, bei der Rückführung gestohlener Vermögen zu helfen. Wir bemühen uns, die finanzielle Situation zu klären. Die hohen Nahrungsmittelpreise könnten ein Problem werden. In Ägypten bin ich jetzt erst einmal damit beschäftigt, unsere Leute in Sicherheit zu bringen.

          Haben die Unruhen in der Region negative Folgen für die Weltwirtschaft?

          Ich schaue lieber auf die positiven Möglichkeiten, aber es gibt klare Risiken. Der Ölpreis steigt, der Suez Kanal ist gefährdet. Revolutionen können ungemütlich werden.

          Der Ökonom Nouriel Roubini warnt, die arabischen Proteste könnten die Erholung der westlichen Industrieländer gefährden und in den Schwellenländern zur Überhitzung führen. Ist diese Sorge übertrieben?

          Es gibt diese Gefahren, aber sie rühren nicht von den arabischen Straße her, sondern von den grundlegenden Ungleichgewichten der Weltwirtschaft. Das größte Problem vieler Entwicklungsländer ist die Überhitzung, die Inflation, Vermögenspreisblasen und damit das Risiko eines Platzens. Gleichzeitig hat Amerika nur ein geringes Wachstum, das nicht reichen könnte, um die Arbeitslosigkeit abzubauen. Die Regierung muss mit der großen Schuldenwelle fertig werden. Ich gehe aber nicht so weit wie Roubini. Doch wir arbeiten sehr eng mit unseren Partnern in den Entwicklungsländern zusammen, um Überhitzungen zu vermeiden.

          Wo setzen Sie an?

          Vor allem die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise ist besorgniserregend.

          Welche Rolle spielt die Spekulation?

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