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Im Gespräch: Ulrich Grillo vom BDI : „Ohne Rohstoffe fallen wir zurück“

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Ulrich Grillo leitet ein Familienunternehmen und den Ausschuss für Rohstofffragen des Bundesverbands der Industrie Bild: bdi

Vor einem Jahr hat die Bundesregierung einen Ausschuss für Rohstoffpolitik eingerichtet. Die Bedingungen für den Bezug von Rohstoffen sollen verbessert werden. Es gibt weiteren Handlungsbedarf.

          Der Kampf um Rohstoffe als ein „zweiter kalter Krieg“: Vor einem Jahr hat die Bundesregierung einen Interministeriellen Ausschuss für Rohstoffpolitik eingerichtet. Die Industrie freut sich über erste Erfolge, sieht aber noch weiteren Handlungsbedarf.

          Im vergangenen Monat ist die jahrelange Rohstoff-Hausse abgebrochen. Kann die deutsche Industrie schon aufatmen?

          Das glaube ich nicht. Eher wird jetzt korrigiert, was vorher überzogen war. Insbesondere bei den metallischen Rohstoffen war schon länger ein Preisrückgang beobachtbar. Sicherlich hatte das viel mit Spekulation zu tun. Momentan sprechen zwar die Konjunkturaussichten gegen weitere Preissteigerungen. Grundsätzlich aber sind Metallrohstoffe knapp, und die Weltwirtschaft wächst. Mittelfristig wird das Problem also wiederkommen.

          Wie stark leiden die Unternehmen unter diesen Kosten?

          Das hängt unmittelbar davon ab, ob sie die Kosten weitergeben können. Die Autozulieferer leiden stärker darunter. In meiner Branche, der Zinkverarbeitung, ist es aber üblich, die Preise etwas verzögert weiterzugeben, weil Metall ein wesentlicher Einsatzstoff ist. Anders ist das, wenn der Rohstoff nicht so einen großen Anteil an der Wertschöpfung hat.

          Vor welche Schwierigkeiten ist Ihr Unternehmen an den Beschaffungsmärkten gestellt?

          Wir kaufen Zink von Hütten ein, in denen im Moment die Verfügbarkeit gut ist – etwa in Spanien und Nordeuropa. Für andere Metalle ist es schwieriger; insbesondere gilt das für Sekundärmetalle, die immer mehr recycelt werden. Da ist die Versorgung teilweise viel schwieriger.

          Inwiefern?

          Es gibt Verwerfungen auf den internationalen Märkten, weil China beispielsweise gebrauchte Computer oder Drucker importiert – oft mit Hilfe von Subventionen. Dadurch sind die Schrotte nicht mehr für die europäische Industrie verfügbar, die sehr stark auf Recycling umgestellt hat. Mit Importförderung und Exportbeschränkungen für Primärrohstoffe wird unser Materialbezug torpediert.

          Sie haben den Kampf um Rohstoffe einmal als einen „zweiten kalten Krieg“ bezeichnet. Wieso dieses drastische Bild?

          Die Metalle sind für eine exportorientierte Wirtschaft sehr wichtig. Aber auch stark wachsende Wirtschaften wie China und Indien sind darauf angewiesen, weil Metalle in allen Produkten des täglichen Bedarfs eingesetzt werden. Wenn der Wettbewerb mit unfairen Mitteln abläuft, ist das wie ein Krieg. China setzt unterschiedliche Mechanismen zur Wettbewerbsverzerrung ein, um die Rohstoffe von den Weltmärkten abzugreifen. Das ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein politisches Problem.

          Exportzölle verstoßen nicht gegen das Recht der Welthandelsorganisation WTO. Ist eine politische Lösung da nicht eine Illusion?

          Das Managen der knappen Ressourcen ist natürlich Sache der Unternehmen. Die Politik muss uns unterstützen, indem sie gegen Wettbewerbsverzerrungen vorgeht. Das können wir nicht. China hat Anfang des Jahres sämtliche Ausfuhrquoten für Rohstoffe erhöht, so dass kein freier Handel mehr stattfindet. Für Zink wurden die Exportabgaben von 10 auf 15 Prozent erhöht. Wenn es ihnen morgen passt, setzen sie wieder andere Mittel ein. Die Politik hat leider versäumt, während der WTO-Beitrittsverhandlungen auf dieses Problem hinzuweisen.

          Wo kann die Hilfe jetzt noch ansetzen?

          In allen bilateralen Gesprächen – also nicht nur in handelspolitischen, sondern auch außen- und entwicklungspolitischen – muss die Bundesregierung darauf pochen, dass die Verzerrungen aufgehoben werden, damit ein freier Zugang zu den Rohstoffen gewährleistet ist.

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