https://www.faz.net/-gqe-138yf

Im Gespräch: Hannes Rehm : „Auch früher hat der Staat Banken geholfen“

  • Aktualisiert am

„Wir brauchen nicht größere, sondern stärkere Banken”: Hannes Rehm Bild: F.A.Z./Frank Röth

Die Commerzbank hat Staatshilfe bekommen, damit sie die Übernahme der Dresdner Bank verkraftet. Das gibt Hannes Rehm, Deutschlands oberster Bankenretter, zu. Im Interview zeigt der frühere Vorstandschef der Nord LB, dass er von Fusionen unter Landesbanken nichts hält.

          6 Min.

          Die Commerzbank hat Staatshilfe bekommen, damit sie die Übernahme der Dresdner Bank verkraftet, gibt Hannes Rehm, Deutschlands oberster Bankenretter, zu. Im Interview zeigt der frühere Vorstandschef der Nord LB, dass er von Fusionen unter Landesbanken nichts hält. Seine Aufgabe als Leiter des Rettungsfonds Soffin sieht Rehm darin, nicht größere Banken, sondern Banken mit tragfähigeren Geschäftsmodellen zu schaffen. Die Erpressbarkeit des Staates müsse ausgeschlossen sein.

          Herr Rehm, schaut man nach Amerika, scheinen die Banken dort mit der Krise abgeschlossen zu haben.

          Ich rate zur Vorsicht. Die guten Halbjahreszahlen von Goldman Sachs und anderen amerikanischen Großbanken sind oft auf das Investmentbanking mit zum Teil denselben Geschäften und Produkten zurückzuführen, die uns in diese Krise gebracht haben. Zum Teil hat man auch ungeniert Bewertungsspielräume ausgenutzt.

          Die oft ohnehin großen Banken in Amerika werden nun noch größer. Vor der Krise hieß es auch in Deutschland, dass wir eine zweite große Bank neben der Deutschen Bank bräuchten. Inzwischen lautet eine anerkannte Lehre aus der Finanzkrise: Wenn eine Bank zu groß ist, um sie insolvent gehen zu lassen, dann ist sie zu groß. Wie ist Ihre Position?

          Auch in früheren Krisen hat der Staat Banken geholfen, weil die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems ein öffentliches Gut ist. Neu in dieser Krise ist, dass eigentlich keine der taumelnden Banken wegen ihrer Systemrelevanz insolvent gehen durfte. Unsere Zielsetzung muss daher nun auch sein, eine Erpressbarkeit des Staates auszuschließen. Das Dilemma ist: Auf der einen Seite brauchen wir gerade in Deutschland als Exportnation große Banken, die auch internationale Projekte federführend begleiten können. Auf der anderen Seite haben uns gerade diese Global Player in Bedrängnis gebracht. Unter dem Strich brauchen wir nicht größere, sondern stärkere Banken. Damit meine ich Banken mit funktionierenden tragfähigen Geschäftsmodellen. Der Soffin will dazu einen Beitrag leisten. Zur Redimensionierung der Banken können wir eine neue Hilfsoption anbieten: die Bad Banks.

          Prominentester Fall des Soffin ist bisher die Commerzbank. Sie hat über den eher gesichtswahrenden Weg der stillen Einlage 16 von 18 Milliarden Euro staatlichem Eigenkapital bekommen. Hat hier nicht eine Bevorzugung stattgefunden, um einen Global Player zu schaffen?

          Unser Engagement ist einzuordnen unter der Überschrift "Beförderung einer Strukturveränderung", in diesem Fall "Verkraftung der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank". Das Ziel lautete: Eine starke Bank auch für den Mittelstand zu schaffen. Bevorzugt worden ist die Commerzbank aber nicht. Wir haben auch mit anderen Banken ihrer Situation angemessene Lösungen gefunden, ohne dass ich diese Bemerkung jetzt mit Namen füllen möchte. Allerdings ist in diesem Zusammenhang zu betonen, dass selbstverständlich alle gewährten Gelder verzinst und alle gewährten Garantien vergütet werden müssen.

          Wenn die Commerzbank die vereinbarten 1,5 Milliarden Euro an jährlichen Zinsen auf die stille Einlage nicht zahlen kann, hätte der Steuerzahler in zwei Schritten 16 Milliarden Euro zinslos bereitgestellt. Was dann?

          Wir gehen nach unseren Prüfungen davon aus, dass die Commerzbank die Einlage voll bedienen kann und wird. So sieht es auch die interne Jahresplanung der Commerzbank vor.

          Sehen Sie Anzeichen dafür, dass die Commerzbank noch ein drittes Mal Eigenkapital vom Soffin braucht?

          Nein, das ist aus heutiger Sicht nicht zu erwarten.

          Wie viele Anträge auf Staatshilfe liegen dem Soffin insgesamt derzeit vor?

          Weitere Themen

          Lufthansa fliegt aus dem Dax

          Nach 32 Jahren : Lufthansa fliegt aus dem Dax

          Trotz Staatshilfen in Höhe von 9 Milliarden Euro muss die größte Fluggesellschaft in Deutschland ihren Platz im Dax räumen. An deren Stelle tritt eine Wohnungsgesellschaft.

           Lufthansa fliegt aus dem Dax Video-Seite öffnen

          Kursabsturz in Corona-Krise : Lufthansa fliegt aus dem Dax

          Die Corona-Krise hat dem Flugunternehmen schwer zugesetzt. Nun ist die Lufthansa aus dem Kreis der 30 deutschen Aktien Index gerutscht. Mit der Deutschen Wohnen schafft es erstmals seit 14 Jahren wieder ein Unternehmen aus der Hauptstadt in den Dax.

          Topmeldungen

          Michael Zahn hat sich mit Äußerungen zur Wohnungspolitik in Berlin nicht überall beliebt gemacht.

          Deutsche-Wohnen-Chef Zahn : Der unbeliebte Vermieter

          Nach 14 Jahren hat die deutsche Hauptstadt wieder einen Dax-Konzern. Michael Zahn ist der Mann, der ihn führt. Doch viele Berliner sind auf den Immobilienmanager nicht gut zu sprechen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.