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Im Gespräch: BDI-Präsident Ulrich Grillo : „Ohne schwarze Zahlen keine grünen Gedanken“

  • Aktualisiert am

BDI-Präsident Ulrich Grillo Bild: Julia Zimmermann

In seinem ersten Interview lobt der neue Industriepräsident die Regierung für ihre Euro-Politik, klagt über die Haushalts- und Energiepolitik und empfiehlt Einkommensdeckel für Manager.

          7 Min.

          Herr Grillo, immer wieder debattiert die Öffentlichkeit über die Höhe der Managergehälter. Der Gründer des Davoser Wirtschaftsforums, Klaus Schwab, verlangt sie auf das Zwanzigfache eines Arbeitnehmergehaltes zu begrenzen. Ist das eine gute Idee?

          Es ist die Aufgabe des Aufsichtsrates, die Gehälter des Vorstands festzusetzen. Er hat dafür zu sorgen, dass Managergehälter angemessen sind.

          Sind 20 Millionen Euro für VW-Chef Martin Winterkorn unangemessen?

          Das kann nicht der BDI, sondern nur der Aufsichtsrat beurteilen. Ich sehe als Außenstehender, dass VW zuletzt unglaublich erfolgreich war. Daran haben finanziell nicht nur die Vorstandsmitglieder partizipiert, sondern auch die Beschäftigten mit hohen Zulagen.

          Ist die öffentliche Debatte überflüssig?

          Nein, das ist eine wichtige Debatte, die wir in der Wirtschaft führen müssen. Zum Beispiel über die Möglichkeit von unternehmensspezifischen Caps, also Höchstverdienstgrenzen. Für die kann es gute Gründe geben. Bei mir im Unternehmen ist das so: Ich bekomme ein Festgehalt, dazu eine erfolgsabhängige Tantieme. Insgesamt gilt eine Obergrenze. Wenn die erreicht wird, ist Schluss.

          Wo liegt die in Euro?

          Als Familienunternehmen sind wir nicht publikationspflichtig, und daran hält sich unser Unternehmen.

          Die Bundeskanzlerin geht mit ein paar hunderttausend Euro im Jahr nach Hause, weniger als Sparkassendirektoren, wie SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück angemerkt hat. Zu Recht?

          Ich lege weder das Gehalt der Bundeskanzlerin noch das von Sparkassendirektoren fest. Frau Merkel hat gesagt, sie sei mit ihrem Einkommen zufrieden.

          Lassen Sie uns zum ganz großen Geld kommen: Der frühere Chef der Eurogruppe, Luxemburgs Ministerpräsident Jean Claude Junker, hat Mitte Januar gesagt, der Eurokurs sei „gefährlich hoch“. Teilen Sie die Einschätzung?

          Ich glaube nicht, dass der Euro gefährlich hoch steht. Dessen Kurs wird an der Börse und nicht politisch festgelegt. Da gibt es naturgemäß Schwankungen. Umso wichtiger ist der einheitliche Währungsraum für Deutschland. Ein hoher Kurs ist Ausdruck der Stärke Europas, so wie uns die Märkte bewerten.

          Europas Stärke? Redet nicht alles von einem durch Staatsschulden- und Eurokrise geschwächten Europa?

          Ist ein Kurs von 1,33 Dollar je Euro sehr hoch, wenn er schon bei 1,60 lag? Stärke und Schwäche sind doch sehr relativ. Entscheidend ist, dass die Währung ohne Intervention der Politik am Markt bewertet wird.

          Das Gegenteil ist der Fall: In Japan wird die Notenpresse angeworfen, in Amerika hat die Notenbank die Hälfte der Staatspapiere gekauft, in Großbritannien erwirbt die Bank von England Schatzpapiere in großem Umfang.

          Die Entwicklung betrachte ich mit Sorge. Das Anwerfen der Notenpresse und der unbegrenzte Ankauf von Schuldverschreibungen können Fehlentwicklungen allenfalls kurzfristig beruhigen. Aber das führt nicht zu einer langfristigen Gesundung der Ökonomie.

          War das jetzt auch eine Kritik an der Europäischen Zentralbank und ihrer Rettungspolitik?

          Im Gegenteil. Wir sind in Europa auf einem guten Weg. Kurzfristige Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte waren richtig - aber nur mit scharfen Auflagen und Kontrollen.

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