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ILO-Studie : Jugendarbeitslosigkeit bleibt hoch

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Auf der Suche... Bild: REUTERS

Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa beunruhigt immer mehr auch die internationale Staatengemeinschaft. Die Sorge wächst, dass eine „verlorene“ Generation ohne ausreichende Einkommensperspektiven und soziale Verwurzelung heranwachsen könnte.

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          Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf schätzt, dass die Zahl der jungen Menschen ohne Arbeit, die in der Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich gestiegen war, bis mindestens 2016 auf einem „dramatisch hohen Niveau“ verharren werde. Die ILO befürwortet in einer am Montag in Genf veröffentlichten Studie eine aktive Beschäftigungspolitik für junge Menschen - und gibt den Befürwortern von Wachstumsprogrammen Auftrieb. In eine ähnliche Kerbe schlug am Montag die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris, die höhere Staatsausgaben für Qualifizierungsmaßnahmen auf dem Arbeitsmarkt empfahl.

          Das von der OECD vorgelegte Strategiepapier soll auch Thema auf dem Ministertreffen der OECD-Staaten in dieser Woche sein. Die ILO veranstaltet zur selben Zeit ein Forum über das Thema Jugendarbeitslosigkeit in Genf. In den 17 Ländern der Eurozone war die Jugendarbeitslosigkeit im März nach Berechnungen der Statistikbehörde Eurostat auf das Rekordniveau von 22,1 Prozent gestiegen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat rund um die Welt zu einem sichtbaren Anstieg der 15- bis 24-jährigen ohne Arbeit geführt. Aber während die Quote global gesehen seit 2008 um 5,3 Prozent zugenommen hat, schnellte sie nach den Berechnungen der ILO in den EU-Staaten und anderen Industrieländern bis Ende 2011 um 26,5 Prozent in die Höhe.

          Noch schlechter als die Zahlen

          Der Anstieg war damit so stark wie in keiner anderen Region der Welt, stellt die UN-Organisation fest. Die wirkliche Lage sei im Übrigen noch schlechter, als die Zahlen auswiesen, glaubt die Arbeitsorganisation, da viele junge Menschen die Suche nach einem Arbeitsplatz aufgegeben hätten. In Deutschland schätzte SPD-Parteichef Sigmar Gabriel die Analyse als alarmierend ein. Er forderte Sofortprogramme gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Griechenland und Spanien.

          „Der seit der Wirtschaftskrise eingeschlagene Sparkurs behindert eine rasche Erholung der Arbeitsmärkte für Jugendliche“, urteilt die ILO. Nach ihren Angaben sind junge Menschen in der Regel dreimal so oft ohne Beschäftigung wie Erwachsene. Dabei befinden sich viele noch in Ausbildung und suchen noch gar keine Arbeit. Eine ähnliche Größenordnung nennt die OECD in ihrer „Skills Strategy“. In diesem Bericht heißt es, in den Industrieländern der OECD gehe jeder fünfte Jugendliche ohne ausreichend qualifizierenden Abschluss von der Schule. Dies setze sich unter den Erwachsenen fort: In vielen Ländern verfüge ein Drittel nicht über die Mindestvoraussetzungen für Weiterbildung und qualifizierte Arbeitsstellen. So bekundeten zum Beispiel in Deutschland 40 Prozent der Arbeitgeber Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter zu finden. Nach den Erkenntnissen der OECD gelinge es Staaten wie Südkorea und Singapur inzwischen weit besser, die Jugendlichen für die Anforderungen in den Unternehmen auszubilden.

          In Griechenland und Spanien ist fast jeder zweite Jugendliche ohne Arbeit Bilderstrecke

          Die OECD verkennt nicht die staatlichen Haushaltsnöte in vielen Ländern. Dennoch mahnt sie deutlich höhere Ausgaben in Bildung und berufliche Förderung an. Das seien Zukunftsinvestitionen, die letztlich die Sozialhaushalte entlasteten. Zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit, von der 75 Millionen Menschen in allen Weltgegenden betroffen sind, empfiehlt José Manuel Salazar-Xirinachs, ILO-Exekutivdirektor für Beschäftigung, duale Ausbildungssysteme wie in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Dänemark. Zudem müsse schon während der Ausbildungszeit das unternehmerische Denken gefördert werden.

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