https://www.faz.net/-gqe-vyub

Hypothekenkrise : Millionen Häuser vor der Zwangsversteigerung

  • Aktualisiert am

An Schilder wie diese müssen sich die Amerikaner wohl gewöhnen müssen Bild: AFP

Die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt ist noch lange nicht ausgestanden. Zwei Millionen Zwangsversteigerungen und ein Preisverfall um 20 Prozent sind zu befürchten, heißt es in einem Bericht des amerikanischen Kongresses.

          Bis Ende 2009 werden in den Vereinigten Staaten rund 2 Millionen Schuldner von Subprime-Hypotheken ihre Häuser durch Zwangsversteigerungen verlieren. Das geht aus einem Bericht des amerikanischen Kongresses hervor. Insgesamt sollen dabei 71 Milliarden Dollar (49 Milliarden Euro) an Immobilienvermögen verloren gehen.

          Angesichts stagnierender oder sogar fallender Hauspreise werde die Zahl der Zwangsversteigerungen zunehmen. Die Auswirkungen der Subprime-Krise bei bonitätsschwachen Hypotheken dürften sich auch in der Wirtschaft allgemein bemerkbar machen, so das Fazit des am Donnerstag veröffentlichten Berichts des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses.

          Kosten des Debakels „erschreckend hoch“

          „Die wirtschaftlichen Kosten des Subprime-Debakels sind in allen amerikanischen Bundesstaaten erschreckend hoch“, erklärte der demokratische Senator Charles Schumer auf einer Pressekonferenz in New York. „Von New York bis Kalifornien steuern wir auf Milliardenverluste bei Vermögen, Immobilienwerten und Steuereinnahmen zu.“

          Subprime-Schuldner, die meist nur geringe Bonität haben, müssen deutlich höhere Raten für ihre Kredite zahlen, wenn bei den variabel verzinsten Krediten die Zinssätze angepasst werden. Oft droht dann die Zwangsversteigerung. Im September wurde in 223.538 Fällen die Zwangsversteigerung beantragt, doppelt so oft wie im Vorjahresmonat, berichte das Analyseunternehmen Realty Trac Inc. aus Irvine, Kalifornien.

          Hauspreise fallen um 20 Prozent

          Bei der Zahl von 2 Millionen Zwangsversteigerungen im Zeitraum 2007 bis 2009 geht der Bericht von einem Preisrückgang von 20 Prozent bei Eigenheimen aus. Insgesamt gibt es 7,4 Millionen Hypothekenschuldner im Subprime-Bereich, die bonitätsschwachen Kredite machten im zweiten Quartal dieses Jahres 14 Prozent aller amerikanischen Hypotheken aus, heißt es in dem Bericht. Zu den am stärksten betroffenen Bundesstaaten werden demzufolge Kalifornien, Florida, Ohio, New York und Texas zählen.

          Schumer forderte die Hypothekenbanken auf, Zwangsversteigerungen zu vermeiden, indem sie die Konditionen für Kredite änderten. „Sie haben erst sehr spät angefangen, die Kredite in Ordnung zu bringen, die sie an bonitätsschwache Schuldner vergeben haben“, sagte er. „Aufsichtsbehörden, Regierung und Parlament müssen weiter Druck ausüben, damit die Hypothekenbanken alles in ihrer Macht stehende
          unternehmen, um Familien ihr Heim zu erhalten.“ Außerdem will Schumer mehr Geld für nicht gewinnorientierte Organisationen, die Schuldner mit Zahlungsproblemen bei Verhandlungen mit ihren Banken unterstützen.

          Protest von den Hypothekenbanken

          Schumers Einschätzung stößt allerdings auch auf Kritik: Jay Brinkmann, Vice President Analyse und Volkswirtschaft beim amerikanischen Hypothekenbankenverband, bezeichnete die Zahl von 2 Millionen Zwangsversteigerungen als „sehr übertrieben“. Brinkmann rechnet mit etwa 1,2 Millionen Zwangsversteigerungen bei variabel verzinsten Subprime-Krediten in den Jahren 2007 bis 2009.

          Es sei unwahrscheinlich, dass die Hauspreise landesweit um 20 Prozent einbrächen, führte er aus. „Wenn man von einer unangemessenen Annahme ausgeht, kommt man auch zu unangemessenen Schlussfolgerungen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.