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Humanitäre Hilfe : Vom Geld kommt kaum etwas an

  • -Aktualisiert am

Ein großer Teil der Lebensmittelhilfe wird besonders in Kriegsgebieten abgezweigt

Das Problem der Hilfsorganisationen besteht darin, dass sie helfen müssen, und zwar um jeden Preis, um nicht im Tal der vergessenen Spenden zu landen. Nur ganz wenige dieser Organisationen können es sich leisten, notfalls ihre Arbeit einzustellen, weil ihnen Zweifel kommen, ob ihr Engagement noch Sinn macht. Dazu gehört die mit dem Friedensnobelpreis geehrte französische Organisation Médécins sans frontières (MSF), die etwa bei der Tsunami-Katastrophe in Asien Ende 2004 darum bat, von weiteren Spenden abzusehen, weil sie keine Verwendung für das viele Geld hatte.

Die Organisationen müssen sich vorwerfen lassen, mit Diktatoren und Warlords zu kungeln, um nicht von den Gangstern aus dem Land geworfen zu werden. Ein großer Teil der Lebensmittelhilfe wird so besonders in Kriegsgebieten von den Kombattanten abgezweigt. Zu welchen Auswüchsen das führt, zeigt das Beispiel des WFP in Somalia. Die von den Vereinten Nationen und damit von den Steuerzahlern dieser Welt abhängige Organisation hatte 2009 für den Transport von Lebensmitteln nach Somalia drei lokale Spediteure beauftragt. Umfang des Auftrags: 200 Millionen Dollar. Weil das WFP aufgrund der Sicherheitslage in Somalia nicht selbst kontrollieren konnte, ob die Lieferung ankommt, wurde ein Controller engagiert, bei dem es sich um die Ehefrau eines der Spediteure handelte. Der zweite Spediteur war ein bekannter Financier der radikal-islamischen Miliz al Shabaad, und der Dritte hatte Kraft der Feuerkraft seiner Kämpfer ein Monopol über das Handling in Hafen von Mogadischu sowie fast alle Lagerhäuser der Stadt. Mehr als die Hälfte der WFP-Lebensmittel wurden von diesen Herren gestohlen und anschließend auf den lokalen Märkten verkauft.

Die Hilfe ist längst zu einem gigantischen Geschäft geworden

Es sind Geschichten wie diese, die den Vorwurf nähren, dass die Hilfsorganisationen im Grunde zur Fortsetzung von kriegerischen Auseinandersetzungen beitragen, weil sie die Kämpfer nicht nur füttern, sondern diese auch von der Aufgabe entbinden, für die eigenen Leute Sorge zu tragen. Natürlich begegnen die Organisationen solchen Vorwürfen vom Hochsitz der moralischen Überlegenheit herunter, weil sie schließlich helfen. Doch diese Hilfe ist längst zu einem gigantischen Geschäft geworden, bei dem der Einsatz von Ellbogen üblich ist.

Dafür ist Südsudan ein Beispiel. Zwanzig Jahre lang herrschte dort Krieg, und zwanzig Jahre lang wurde die Bevölkerung von der Internationale der Hilfsorganisationen mit Lebensmitteln versorgt. Das hat dazu geführt, dass eine ganze Generation von Südsudanesen den Anbau von Nahrungsmitteln aufgegeben hat, weil es viel einfacher ist, sich die täglichen Rationen abzuholen. Heute ist Südsudan eine unabhängige Nation, die mit ihrem Wiederaufbau kämpft, und wieder sind es die Hilfsorganisationen, die sich dabei unentbehrlich machen. Da werden unzählige Projekte für die medizinische Versorgung der Landbevölkerung angestoßen und die Organisationen kurven durch das Land mit ihren Impfpistolen, aber niemand baut ein Krankenhaus.

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