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Fusion von ARD und ZDF : Danke, Horst Seehofer!

  • -Aktualisiert am

Denn dies würde seine Legitimation ultimativ in Frage stellen. Daher wird mit prall gefüllten Kassen jede hochqualitative Konkurrenz verhindert, jede Nische besetzt. Die zunehmenden privaten Angebote in Internet und Fernsehen haben nicht zu einer Rückführung öffentlich-rechtlicher Programmangebote geführt, sondern, im Gegenteil, zu einer weiteren Expansion und aktiven Verdrängung privater Inhalte, besonders im Internet.

Dass es heute nicht mehr darum geht, der Bevölkerung Inhalte anzubieten, die im Privatfernsehen nicht laufen, ist offensichtlich. Bundesliga-Fußball könnte natürlich auch privat gesendet werden, ebenso wie viele Vorabendserien oder Frühstücksendungen. Auch die Rechte an manchen in den Vereinigten Staaten (privat produzierten) populären Serien scheinen von den öffentlich-rechtlichen nur gekauft zu werden, damit private Sender diese eben nicht kaufen.

Mit den nahezu unerschöpflichen Ressourcen aus unseren Zwangsabgaben wird der Markt leergekauft – so wie Bayern München immer wieder die besten Bundesliga-Spieler abwirbt, überbieten die öffentlich-rechtlichen Sender die privaten bei den Rechten an attraktiven Inhalten oder populären Moderatoren mit Traumgehältern. Und dieses aus dem Fernsehen lange bekannte Spiel wird seit einiger Zeit auch ins Internet übertragen, um private Seiten klein zu halten. Welches gesellschaftliche Defizit so behoben werden soll, ist schleierhaft.

Echte Reformen sind notwendig

Auch die alte Legitimation, dass die Ausstrahlung populärer Inhalte notwendig sei, um die Zuschauer für wichtige andere Sendungen zu begeistern, ist hinfällig. Die Vorstellung, dass Zuschauer zunächst die „Sportschau“ gucken und dann, aus Bequemlichkeit, auch noch „Monitor“ oder „Panorama“, dürfte seit der Erfindung der Fernbedienung überholt sein. Seit dem Ende des sogenannten linearen Fernsehens gehört die Story ganz sicher ins Reich der Fabeln, denn in der digitalen Welt mit Netflix und Mediatheken werden die Zuschauer immer mehr zu Programmdirektoren und bestimmen selbst, was sie wann gucken.

Die Zeit ist reif für echte Reformen: Die im gegenwärtigen System bestehenden Fehlanreize müssen ebenso beseitigt werden wie der Digitalisierung Rechnung getragen werden muss. Im Grunde könnten die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten weitgehend privatisiert werden. Um sicherzustellen, dass weiterhin ein gesellschaftlich bedeutsames Programmangebot erstellt und ausgestrahlt wird, könnte dennoch eine finanzielle Förderung derartiger Inhalte nach klar definierten Kriterien erfolgen, etwa im Bereich des Bildungsfernsehens. Die Mittel für diese Förderung könnten aus einem Fonds kommen, der sich im Wesentlichen aus den Privatisierungserlösen speist.

Ein solch radikaler Wechsel – weg von der Finanzierung ganzer Anstalten hin zu einer gezielten Förderung von Inhalten (wie es etwa im Bereich der Filmförderung bereits praktiziert wird) – ist heute sicher zu revolutionär und kaum politisch durchsetzbar. Eine vorsichtige Rückführung des Ausmaßes, etwa durch die Zusammenlegung von ARD und ZDF, wäre aber ein Anfang. Ein kleineres öffentlich-rechtliches Programmangebot wie bei unseren französischen, britischen oder skandinavischen Nachbarn würde die Zwangsbeitragszahler entlasten. Und es würde sicher nicht das Ende von Pluralismus und Demokratie in Deutschland bedeuten.

Justus Haucap, 47, ist Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

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