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Honorare steigen : Eine Milliarde Euro mehr für Ärzte

  • Aktualisiert am

Die Kassen wurden überstimmt: Niedergelassene Ärzte bekommen deutlich höhere Honorare Bild: dpa

Deutlich mehr Geld für die niedergelassenen Ärzte: Ihre Honorare sollen im kommenden Jahr um etwa eine Milliarde Euro steigen. Der Kompromiss kam zustande, nachdem die Krankenkassen überstimmt worden waren. Die protestieren jetzt lautstark.

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          Im kommenden Jahr sollen die Honorare der niedergelassenen Ärzte nach Angaben der Krankenkassen um gut eine Milliarde Euro steigen. Das ist das Ergebnis der Honorarverhandlungen von Krankenkassen und Ärzten. Der Spitzenverband der Krankenversicherung kritisierte den hohen Zuwachs, der am Dienstag gegen seinen Willen zustande kam. Die Ärzte fordern dagegen noch einen Nachschlag. Das Gesundheitsministerium begrüßte, dass es überhaupt einen Kompromiss gab.

          Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hatte Kassen und Ärzten detaillierte Vorgaben für die Honorarverhandlungen gemacht. Die Vergütungen für die rund 150.000 Kassenärzte und Psychotherapeuten sollen demnach zunächst einheitlich um 0,75 Prozent oder 180 Millionen Euro steigen. Zusätzlich soll es in einzelnen Bundesländern unterschiedlich große Zuschläge geben - als „asymmetrische Erhöhung“.

          Kassen wurden überstimmt

          Um das Volumen dafür ging es am Dienstag. Vereinbart wurde ein Plus von 500 Millionen Euro. Allerdings gelang dies nur mit Hilfe des Schlichters Jürgen Wasem. Die Kassen wurden dabei überstimmt.

          Sie rechnen zu der Summe die 180 Millionen Grunderhöhung und geschätzte 350 Millionen Euro für andere Leistungen hinzu und kommen so insgesamt auf gut eine Milliarde Euro zusätzlich. Damit erreichten die Honorare ein Rekordniveau von geschätzten 33 Milliarden Euro, beklagte der GKV-Spitzenverband. „Das ist keine Sparmaßnahme“, erklärte der Vizechef Johann-Magnus von Stackelberg. „Bezahlen müssen dies die Beitragszahler über die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge.“

          Die Kassenärztliche Bundesvereinigung rechnet hingegen anders und sieht das Ergebnis als unterste Schmerzgrenze. Die Erhöhung um 180 Millionen Euro sei noch nicht endgültig gesetzlich beschlossen, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl. Und die von den Kassen veranschlagten Mittel für weitere Leistungen seien nur eine Schätzung. Die genannte Milliarde Euro sei somit nicht sicher. Am Dienstag sei es nur um die 500 Millionen Euro für die asymmetrische Verteilung gegangen.

          „Unter den gegebenen schwierigen Umständen spiegelt der Schlichterspruch das maximal erreichbare Ergebnis wider“, erklärte KBV-Chef Andreas Köhler. Er appellierte an die Politik, die 0,75 Prozent oder 180 Millionen Euro im Gesetzgebungsverfahren anzuheben. So könnten „Kostensteigerungen in den Regionen aufgefangen werden, die nicht von der asymmetrischen Verteilung profitieren“.

          Undurchsichtiges System

          Das Honorarsystem der Kassenärzte gilt auch ohne die asymmetrische Verteilung schon seit Jahren als völlig undurchsichtig und reformbedürftig. Es sei so kompliziert, dass höchstens noch zwei oder drei Experten den Durchblick hätten, sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, der „Rheinischen Post“. Er forderte Rösler auf, bundeseinheitliche Honorare durchzusetzen. „Der Gesetzgeber muss dafür sorgen, dass in Nordrhein für die gleiche ärztliche Behandlung nicht geringere Honorare gezahlt werden als in Bayern“, sagte Montgomery.

          Das Gesundheitsministerium begrüßte die Honorarvereinbarung: „Die Selbstverwaltung hat ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt.“ Die Details werde man prüfen. CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn äußerte sich ähnlich.

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