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Hohe Agrarrohstoffpreise : Biomasse sorgt für neuen Schwung

  • -Aktualisiert am

Ein Landwirt erntet in Brandenburg ein Maisfeld mit einem Häcksler ab Bild: dapd

Im zu Ende gehenden Aufschwung war Getreide so teuer wie selten zuvor. Die Landwirte könnten zufrieden sein. Wenn nur das Wetter nicht wäre und Dioxin und Ehec.

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          Der Jahresauftakt stand unter keinem guten Stern: Gleich zwei Lebensmittelskandale sorgten in Deutschland für allgemeine Verunsicherung – erst „Dioxin“, dann „Ehec“. Der erste veranlasste viele Verbraucher, über Wochen auf Hühnereier, aber auch auf Geflügel- und Schweinefleisch zu verzichten. Der zweite führte zu einem Kollaps des Gemüsemarktes in der Haupterntezeit. Obwohl solche medialen Hysterien die jeweils involvierten Zweige der Landwirtschaft stark treffen, ist das Stimmungsbild der Branche insgesamt noch positiv. Das zeigt das Konjunkturbarometer des Deutschen Bauernverbandes, das trotz eines leichten Rückgangs auf hohem Niveau verharrt.

          Besonders zufrieden sind die Getreide- und Milcherzeuger, die für ihre Produkte seit etwa einem Jahr vergleichsweise hohe Marktpreise erzielen können. Und dieser im Vergleich zu den Gemüseerzeugern weitaus größerere Teil der Branche war von den beiden Lebensmittelskandalen nicht betroffen.

          Ein Wermutstropfen für den Ackerbau war indessen, wie so oft, das Wetter. Es war bis Anfang September durchwachsen. Ähnlich wie im vergangenen Jahr brachte der Frühling eine wochenlange Trockenperiode, woraufhin im Hochsommer Regen im Überfluss fiel, was die Ernte erst verzögerte und dann verringerte. Bis Ende Mai fiel so wenig Niederschlag wie selten seit Beginn der Messungen vor mehr als 100 Jahren. Das veranlasste einige Bauernvertreter dazu, über deutliche „Minderernten“ zu spekulieren. Die Ernte vieler Feldfrüchte musste wegen der frühen Reife tatsächlich einige Wochen früher stattfinden als üblich. Ähnlich frühreif waren das Obst und der Wein. Hier waren die Ernten gut. Für die Getreidebauern jedoch, warnt Bauernpräsident Gerd Sonnleitner, bleibe die Bilanz „äußerst mager“. Mit einer Erntemenge von rund 39 Millionen Tonnen lag diese laut Bauernverband rund 12 Prozent unter dem Vorjahresergebnis, die Bauern ernteten sogar rund ein Drittel weniger Raps.

          Unter Berücksichtigung aller Kulturpflanzen zeichnet sich ein deutlich differenzierteres Bild ab. Die erwarteten Erträge von Mais und Zuckerrüben etwa sind für Deutschland recht üppig. Und auch im europäischen Maßstab gibt es keinen Grund zur Klage. Letztlich brachten die regionalen Wetterkapriolen den Bauern in der EU keine Ernteeinbußen. Im Gegenteil: Nach Erwartung der EU-Kommission sollen 281,4 Millionen Tonnen Getreide von den Feldern geholt werden, 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

          Schweinefleischerzeuger leiden unter stark gestiegenen Futtermittelkosten

          Die Erzeugerpreise, die in der Landwirtschaft in relativ kurzer Zeit so stark schwanken wie in sonst kaum einer, lagen im ersten Halbjahr sehr hoch. Das liegt an der weltweit wachsenden Nachfrage nach Lebensmitteln, an der vermehrten Konkurrenz durch Biosprit – und gewiss auch an der starken Zunahme der Spekulation auf steigende Agrarrohstoffpreise bis zur Jahresmitte. Die Korrelation vom Weizenpreis und dem Kurs des Aktienindex Dax etwa ist sehr hoch. „Rein an Versorgungsbilanzen orientierte Kursprognosen stoßen an Grenzen“, sagt Eugen Weinberg, Analyst der Commerzbank. Was nichts an der Aussicht ändert, dass eine wachsende Weltbevölkerung langfristig mehr Nahrungsmittel brauchen wird. So erhöhten sich die globalen Lebensmittelpreise nach den Zahlen der Weltlandwirtschaftsbehörde FAO in diesem Jahr um durchschnittlich rund ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr.

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