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Hinweise auf Analogkäse und Klebefleisch : Die neue EU-Lebensmittelkennzeichnung

Analogkäse muss künftig den Hinweis „Hergestellt mit Pflanzenfett” tragen Bild: dpa

Beim Einkauf im Supermarkt soll es mehr Klarheit über gesunde und nicht so gesunde Nahrungsmittel. Analog-Käse oder Klebe-Schinken müssen gekennzeichnet werden. Kaum Einwände hat die Nahrungsmittelindustrie. Verbraucherschützer sind enttäuscht.

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          Die Nahrungsmittelbranche muss künftig auf allen Lebensmittel- und Getränkeverpackungen klare Angaben zum Fett-, Zucker- und Salzgehalt sowie dem Kaloriengehalt machen. Dafür hat sich das Europäische Parlament am Mittwoch in Straßburg in zweiter Lesung ausgesprochen. Die Hersteller müssen in Form einer Tabelle auf der Rückseite der Verpackung angeben, wie viel Fette, gesättigte Fette, Zucker und Salz sie je 100 Gramm oder je 100 Milliliter enthalten. Zudem können sie angeben, wie viel Prozent des durchschnittlichen täglichen Bedarfs einer 40 Jahre alten Frau, also 2000 Kilokalorien, damit abgedeckt sind. Die ursprünglich vom EU-Parlament geforderte Pflicht dazu konnte es gegen die Mitgliedstaaten nicht durchsetzen. Das gilt auch für die Forderung, auch auf der Vorderseite der Verpackung Angaben zu den Inhaltsstoffen vorzuschreiben. Um die Lesbarkeit der Angaben sicherzustellen, muss das kleine „x“ mindestens 1,2 Millimeter hoch sein. Weitere Vorgaben zu Schrifttyp, Farbe oder Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund soll die Kommission ausarbeiten.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Die von Verbraucherschutzorganisationen wie Foodwatch geforderte Lebensmittelampel hatte das EU-Parlament schon in seiner ersten Lesung abgelehnt. Die Hersteller können allerdings freiwillig mit den Ampelfarben darauf hinweisen, ob der Salz-, Zucker- und Fettgehalt eines Lebensmittels im grünen, gelben oder roten Bereich ist. Ebenso dürfen sie Kalorienangaben und das von der Bundesregierung bevorzugte „1+4-Modell“ auf die Verpackungsvorderseite drucken. Das „1+4-Modell“ gibt in standardisierter Form an, wie viel Kalorien, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz ein Produkt enthält. Auch zusätzliche Angaben der Inhaltsstoffe je Portion sind erlaubt.

          Das Votum des EU-Parlaments basiert auf einem Vorschlag der Europäischen Kommission von Anfang 2008. Diese hatte ihren Vorstoß für eine klare Lebensmittelkennzeichnung damals damit begründet, dass er einen entscheidenden Beitrag im Kampf gegen die zunehmende Fettleibigkeit leiste. Klare und einheitliche Informationen erleichterten den Verbrauchern, gesunde Lebensmittel zu kaufen. Bisher gibt es in Deutschland keine verpflichtenden Vorgaben dazu. Viele Hersteller geben aber freiwillig an, wie viel Kalorien, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz ihre Lebensmittel enthalten.

          Die Ampelfarben haben sich nicht durchgesetzt
          Die Ampelfarben haben sich nicht durchgesetzt : Bild: dpa

          Ausgenommen von der Regelung sind vorerst alkoholische Getränke. Die EU-Kommission soll aber in den kommenden drei Jahren prüfen, ob eine Kennzeichnung von Alkoholika sinnvoll wäre. Die Lebensmittelbranche muss auf für Allergiker kritische Inhaltsstoffe hinweisen. Zwar konnte das EU-Parlament nicht durchsetzen, dass auf jede Verpackung eine Extraliste mit Allergenen gedruckt werden muss. Allergene müssen aber in der Liste der Inhaltsstoffe durch Fettdruck hervorgehoben werden. Enthalten Lebensmittel sogenannten Analogkäse, Klebefleisch oder Klebefisch, muss das auf der Verpackung gekennzeichnet werden.

          Beim Analogkäse muss der Hersteller den Hinweis „Hergestellt mit Pflanzenfett“ unmittelbar neben dem Markennamen in 75 Prozent von dessen Größe anbringen. Auf Klebefleisch muss er mit dem Hinweis „Aus Fleischstücken zusammengefügt“ hinweisen. Auch wenn ein Hersteller Hähnchen mit Wasser aufbläst, damit sie größer wirken, muss er darauf hinweisen.

          Verboten wird die irreführende Aufmachung von Produkten. Wenn etwa auf einem Deckel eines Joghurts Früchte abgebildet sind, muss der Joghurt diese Früchte auch enthalten und nicht nur Aroma- und Farbstoffe. Fotos auf Pesto-Gläsern dürfen nur Olivenöl oder Basilikum abbilden, wenn die Pesto tatsächlich daraus hergestellt wurde. Analogkäse darf nicht in den für den echten Käse üblicherweise benutzten transparenten Verpackungen verkauft werden.

          Genau angegeben werden muss die Herkunft von Frischfleisch. Bisher gilt das nur für Rindfleisch. Die EU-Kommission soll zudem prüfen, ob eine Ausweitung der Herkunftskennzeichnung auf Fleisch in verarbeiteten Produkten, Milchprodukte und aus beinahe nur einem Inhaltsstoff bestehende Produkte wie Ketchup sinnvoll sein könnte. Da das EU-Parlament seine Linie zuvor mit den Mitgliedstaaten abgestimmt hat, gilt die noch ausstehende Abstimmung im Ministerrat als Formsache. Die Verordnung kann damit noch in diesem Jahr in Kraft treten. Angewandt werden muss sie jedoch erst in einigen Jahren. Um der Industrie die Umstellung zu erleichtern, gelten die meisten neuen Vorgaben erst nach drei Jahren, also wohl 2014. Die Regeln für die Nährwertangaben gelten sogar erst nach fünf Jahren, also voraussichtlich von 2016 an.

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