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Hinterziehung : 4700 Milliarden Euro in Steueroasen

Zucman leitet diese Quote daraus ab, wie viel Prozent der Anleger in der Schweiz anonym bleiben wollen. Doch niemand weiß, ob sie anonym bleiben wollen, um Steuern zu hinterziehen, oder vielleicht aus familiären oder Sicherheitsgründen. Geld könnte ganz legal in einer Steueroase liegen, zum Beispiel von Firmen oder Pensionsfonds. Zum Beispiel weil Steueroasen wie die Schweiz und Hongkong auch wichtige Finanzplätze sind.

Zudem ändert sich gerade die Lage stark. Die Daten sind schon veraltet, denn die Schweiz will gerade ernst machen mit ihrer Weißgeldstrategie. Dahinter verbirgt sich, dass Steuersünder aufgefordert werden, sich steuerehrlich zu machen, andernfalls würden die Konten aufgelöst. Noch ist allerdings nicht bewiesen, inwiefern wirklich die Steueroase Schweiz austrocknet. Es gibt gerade Bemühungen, über ein Referendum das Bankgeheimnis in der Verfassung zu verankern und damit zu stärken.

Internationales Finanzkataster

Hinzu kommt, dass Zucman selbst einräumt, sich auf Finanzvermögen in Wertpapieren und Fonds konzentriert und damit einige Zahlen nicht ausgewertet zu haben. Zum Beispiel Bargeld. Oder Lebensversicherungspolicen. Und auch nicht-finanzielle Vermögen wie Yachten, Chalets oder Kunstwerke hat er ausgespart. Er hält seine Schätzungen daher für einen Minimalwert. Das nicht deklarierte Vermögen könnte statt acht Prozent des weltweiten privaten Finanzvermögens bis zu elf Prozent betragen - mehr aber auch nicht. Andere Rechnungen zu Steuerhinterziehung hält er daher für überzogen.

Aus seinen Berechnungen hat Gabriel Zucman weitreichende Vorschläge abgeleitet, wie man die verheimlichten Milliarden aufdeckt und dadurch die Steuereinnahmen der Länder mehrt. Sie sind radikal. Daran merkt man Zucmans Herkunft aus der eher linken Piketty-Schule.

So schlägt er vor, alle Zinseinkünfte oder Dividenden, die in kleinere Steueroasen fließen, hoch zu besteuern. In großen Oasen wie der Schweiz, Luxemburg oder Singapur, die gleichzeitig bedeutende Finanzplätze für völlig legale Geschäfte sind, ist das schwierig. Sie leben aber oft auch stark vom Export von Waren. Daher will Zucman sie mit hohen Zöllen auf ihre Exporte in die Knie zwingen.

Zudem schlägt er ein internationales Finanzkataster vor, das die Eigentümer von allen Wertpapieren erfasst. Es soll vom Internationalen Währungsfonds mit Hilfe nationaler Behörden aufgebaut werden. Die Finanzämter sollen darauf Zugriff haben. Eine Quellensteuer auf alle Kapitalerträge soll das unterstützen. Schließlich will Zucman die Steuergestaltung der großen Unternehmen unterbinden, indem künftig alle Gewinne, die weltweit entstehen, in einem Land besteuert und die Einnahmen danach auf die Staaten verteilt werden.

So gut, wie diese Vorschläge erst mal klingen - sie dürften an der Realität scheitern. „Weltweite Regelungen lassen sich nicht durchsetzen. Und die Idee einer internationalen Unternehmensbesteuerung schafft neue Umgehungsmöglichkeiten“, sagt Steuerökonom Clemens Fuest. „Besser ist es, die Regierungen der kritisierten Länder mit ins Boot zu holen, wie das etwa bei der Schweiz gelungen ist. Die Konsenssuche im Rahmen der OECD, wie sie derzeit erfolgt, ist der erfolgversprechendere Weg.“

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