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Hermes-Deckungen : Der Schutz für die Russland-Exporteure

  • Aktualisiert am

Deutsche Exporteure können sich gegen Ausfall versichern. Bild: ASSOCIATED PRESS

Geschäfte mit Russland lassen sich deutsche Unternehmen besonders häufig absichern. Das Land wird in der Risiko-Kategorie 3 geführt.

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          Das Geschäft der deutschen Exporteure mit Russland stottert seit geraumer Zeit. Schon im vergangenen Jahr sanken die deutschen Ausfuhren dorthin um fünf Prozent auf 36 Milliarden Euro ab. Unter dem Eindruck des Ukraine-Konflikts hat sich das Minus von Januar bis Mai dieses Jahres auf inzwischen knapp 15 Prozent verdreifacht. Und das ist noch nicht das Ende: die jüngsten EU-Wirtschaftssanktionen dürften den Trend noch verstärken, und sie machen das Geschäft für die Russland-Händler aus Deutschland riskanter. In diesen Zeiten gewinnen Instrumente zur Risikominderung naturgemäß an Bedeutung.

          Das wohl bekannteste Mittel, mit dem die deutsche Regierung ihren Exporteuren unter die Arme greift, sind Exportkreditgarantien - die sogenannten Hermes-Deckungen. Seit mehr als 60 Jahren bietet die Regierung deutschen Händlern damit Schutz gegen Zahlungsausfälle. „Politische Ursachen können neben der Devisenknappheit des Besteller-Landes zum Beispiel auch kriegerische Ereignisse, Unruhen oder Zahlungsverbote sein“, heißt es in den Grundzügen für diese Absicherung ebenso wie „Hermes-Deckungen begleiten Exporteure und Banken sicher“. Sollte also Russland als Reaktion auf die westlichen Sanktionen Rechnungen aus Handelsgeschäften mit deutschen Firmen nicht mehr bezahlen, könnten diese darauf zurückgreifen.

          Ob ein Exporteur die Garantie in Anspruch nehmen will oder das Risiko eines Geschäfts lieber alleine trägt, entscheidet er selbst. Denn billig ist die Versicherung nicht: Der Exporteur muss dem Risiko angemessene Prämien zahlen, im Schadensfall werden ihm Selbstbehalte von bis zu 15 Prozent abverlangt. Auch eine Bearbeitungsgebühr wird fällig, die sich nach dem Auftragswert beziehungsweise dem Darlehensbetrag richtet.

          8 Milliarden Euro Russland-Risiko

          Grundsätzlich steht diese Absicherungsmöglichkeit für Russland-Geschäfte auch in der aktuellen Krise zur Verfügung - sofern man nicht Waren exportiert, die auf der Sanktionsliste der EU stehen. Die Konditionen haben sich nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in letzter Zeit nicht verändert. „Der Schutz ist auch nicht teurer geworden“, sagte ein Sprecher. Russland sei in Risiko-Kategorie 3 eingestuft. Die Skala reicht bis „Stufe 7 - schlechtestes Risiko“.

          Schon vor der Ukraine-Krise waren die Russland-Exporteure gute Kunden für Hermes-Deckungen. Im vergangenen Jahr nahm der Bund insgesamt knapp 28 Milliarden Euro an Exportrisiken weltweit neu in Deckung - zu mehr als 70 Prozent für kleine und mittlere Firmen, etwa aus dem Anlagen- und Maschinenbau.

          Auf Russland entfiel davon 2013 eine Summe von 2,38 Milliarden Euro. Damit lag Russland nach der Türkei auf Rang zwei der Zielländer von deutschen Händlern, die ihre Ausfuhren gegen Ausfallrisiken versicherten. Ein Jahr zuvor war Russland mit mehr als 3,2 Milliarden Euro Risikoabdeckungen sogar der Tabellenführer. Garantiert wurden unter anderem die Lieferung von zwei Rettungsschiffen im Werte von knapp 150 Millionen Euro oder etwa die eines Walzwerkes für 116 Millionen Euro.

          Die Exportkreditgarantien haben sich nach dem Urteil fast aller Experten bewährt und dazu beigetragen, Deutschland über Jahrzehnte in der Spitzengruppe der Handelsnationen weltweit zu halten. Seit dem Jahr 1949 wurden damit Risikodeckungen von insgesamt 771 Milliarden Euro übernommen. Gegenwärtig hat der Bund eine Summe von knapp 88 Milliarden Euro in der Deckung. Für Russland liegt das Entschädigungsrisiko bei gut acht Milliarden Euro.

          Das Geschäft mit den Exportversicherungen lohnt sich für den Bund. Im vergangenen Jahr konnte er ein Rekordergebnis von fast 581 Millionen Euro ausweisen, rund 200 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Die Einnahmen aus Entgelten und Gebühren sowie Rückflüssen aus früheren Schadensfällen warfen weit mehr ab als die anfallenden Entschädigungen von 232,5 Millionen Euro kosteten.

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