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Sonderabgabe im Gespräch : Diesel und Benzin sollen Elektroautos subventionieren

Henning Kagermann Bild: dpa

Der Ruf nach Subventionen für die Elektromobilität wird immer lauter. Der frühere SAP-Chef Henning Kagermann hat jetzt eine Sonderabgabe von bis zu eineinhalb Cent je Liter ins Gespräch gebracht.

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          Nachdem Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine Kaufprämie von mehreren tausend Euro ins Gespräch gebracht hat, kursieren immer neue Vorschläge. Am Freitag legte Henning Kagermann nach und forderte eine Sonderabgabe von einem oder eineinhalb Cent je Liter Diesel und Benzin ein. „Das wären rund zwölf Euro Mehrbelastung pro Autofahrer jährlich. Dafür hätte der Staat aber genügend Geld, um die Kaufprämie zu finanzieren“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Kagermann, einst Vorstandssprecher des Softwarekonzerns SAP, vertritt heute die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE). Die Bundesregierung hatte dieses Beratungsgremium unter seiner Leitung eingerichtet, um Deutschland „zum Leitanbieter und Leitmarkt für Elektromobilität“ zu machen. Rund 150 Fachleute der NPE haben seither zahlreiche Ideen entwickelt, doch umgesetzt wurde im Bund und in den Ländern wenig. Und auch die Kunden machen um die Steckdosenautos einen großen Bogen. Im vergangenen Jahr sind nur 12363 Elektrofahrzeuge neu zugelassen worden – verglichen mit 3,2 Millionen Autos insgesamt eine verschwindend geringe Zahl.

          Das Ziel der Bundesregierung von einer Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 auf deutschen Straßen ist nach Einschätzung von Fachleuten nicht mehr zu erreichen. Sie monieren vor allem die vergleichsweise hohen Listenpreise der Stromer, ihre geringere Reichweite sowie das sehr löchrige Netz an öffentlichen Ladestationen. Nach Angaben des Branchenverbands VDA gibt es heute lediglich 5600 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Deutschland. „Das ist viel zu wenig“, beklagte VDA-Präsident Matthias Wissmann kürzlich.

          Nach einem Spitzentreffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen, Daimler und BMW in dieser Woche soll nun bis zum März über eine mögliche Förderung der Elektromobilität entschieden werden. Wirtschaftsminister Gabriel kündigte einen „Handlungsrahmen“ an. Er sprach von einem Ausbau des Lade-netzes, einer industriellen Fertigung von Batterien sowie „Instrumenten zur Verbesserung der Marktentwicklung“. Die Forderung einer staatlichen Kaufprämie für Elektroautos wiederholte Gabriel nicht.

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