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Havarierte Atomreaktoren : Japan bittet Ausland um Hilfe in Fukushima

Ministerpräsident Shinzo Abe in Fukushima Bild: AP

Bislang hat Japan ausländischen Experten kaum Einblick in Fukushima gewährt. Doch die Betreiber bekommen die Probleme nicht richtig in den Griff. Nun bittet Ministerpräsident Abe um Hilfe.

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          Die japanische Regierung hat bei der Bewältigung der Krise um die havarierten Atomreaktoren in Fukushima offiziell um Hilfe durch ausländische Experten nachgesucht. Ministerpräsident Shinzo Abe sagte am Sonntag auf einer Tagung in Kyoto, zu der zahlreiche Wissenschaftler aus dem Ausland angereist waren, „mein Land braucht Ihr Wissen und Ihre Kenntnisse“. Japan sei „weit offen“ für Technik und Erfahrungen aus dem Ausland, die Situation auf dem Gelände der havarierten Atomreaktoren unter Kontrolle zu bringen, erklärte Abe. Das sind neue Töne, denn bislang hatten die Regierung in Tokio und die Betreibergesellschaft des Atomkraftwerks, die Elektrizitätswerke von Tokio (Tepco), ausländische Experten nur eingeschränkt Einblick in die Situation vor Ort gewährt.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Ministerpräsident Abe kommt wegen der anhaltenden Pannen mit radioaktiv belastetem Kühlwasser, das immer noch in großen Mengen in den Pazifik fließt, unter wachsenden Druck. Erst vor wenigen Wochen hatte er dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) versichert, die Lage in Fukushima sei unter Kontrolle, von den havarierten Reaktoren gehe kein Risiko aus. Tokio erhielt daraufhin den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 2020.

          Vor einem zurückgelassenen Haus in der Evakuierungszone des japanischen Kernkraftwerks Fukushima erinnert ein kleines, selbst gebautes Denkmal an die Opfer des Tsunamis und der Atomkatastrophe vom März 2011. Bilderstrecke
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          Am Freitag hatte die japanische Atomaufsicht den Betreiberkonzern Tepco nach einem erneuten Leck in der Atomruine Fukushima scharf kritisiert und mehr Einsatz im Umgang mit den steigenden Wassermassen gefordert. Tepcos Fähigkeit, die Lage vor Ort zu handhaben, habe sich „deutlich verschlechtert“, sagte Katsuhiko Ikeda von der Atomaufsicht bei einem Treffen mit Tepco-Chef Naomi Hirose. Auch ein Filtersystem für das stark belastete Wasser war kurz zuvor abermals ausgefallen. Tepco lagert derzeit weit mehr als 300.000 Tonnen Wasser auf dem Gelände. Das Wasser stammt aus der Kühlung der beim Erdbeben und Tsunami 2011 beschädigten Reaktoren, in denen es teilweise zur Kernschmelze gekommen war.

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