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Handelsstreit mit China : Guter Cop, böser Cop

Im europäisch-chinesischen Handelskonflikt läuft es wie im Fernsehkrimi: Nach einem kernigen Ermittler kommt der verständnisvolle Polizist. Das lässt hoffen, dass China die ausgestreckte Hand ergreift.

          Harte Burschen werden im Verhör mit einer simplen Rollenverteilung geknackt. Nach einem kernigen Ermittler kommt der verständnisvolle Polizist. Wie man aus dem Fernsehen weiß, hilft diese Strategie zumeist auch in hoffnungslos anmutenden Fällen, um an ein Geständnis zu kommen.

          In dem europäisch-chinesischen Handelskonflikt gibt es eine ähnliche Rollenverteilung. Die EU-Kommission dringt mit Härte auf die Einhaltung der Regeln. Sie droht mit Anti-Dumping-Maßnahmen. Die Bundesregierung gibt sich nachsichtiger. Sie sucht einen Kompromiss. Es gibt zwei wichtige Gründe, warum sie die Vermittlerposition einnimmt.

          Erstens kann sie selbst gar nicht viel ausrichten, da die Kompetenz für die Handelspolitik in Brüssel liegt. Zweitens ist der deutsch-chinesische Handel mittlerweile so wichtig geworden, dass niemand in Berlin ernsthaft an einer Eskalation interessiert sein kann. Da vom Handel naturgemäß beide Seiten profitieren, gilt das auch für Peking.

          Das lässt hoffen, dass Chinas mächtige Männer die Gelegenheit nutzen, um die ausgestreckte Hand zu ergreifen. Das geht in dem Fall sogar ohne Geständnis und peinlichen Gesichtsverlust.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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