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Burnout und Depression : Halbtagspraxis auf Kosten psychisch Kranker

  • -Aktualisiert am

Ausgebrannt. Bild: ZB

Burnout wird immer häufiger diagnostiziert. Viele Psychotherapeuten lassen Kassenpatienten aber lange warten. Steckt dahinter finanzielles Kalkül?

          4 Min.

          Seelisches Leid ist auf dem Vormarsch. Burnout, Depression, krankhafte Stimmungsschwankungen werden immer häufiger  diagnostiziert. Psychische Erkrankungen weisen so steile Zuwächse wie keine andere Diagnose bei den Krankmeldungen auf. Sogar im Krankenhaus haben sie anderen Befunden den Rang abgelaufen, wie die Ersatzkasse Barmer-GEK dieser Tage berichtet hat: Mittlerweile entfielen 21 Prozent aller Behandlungstage im Krankenhaus auf die Hauptdiagnose „Psychische Störungen“.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Doch bis die Diagnose gestellt ist, müssen sich die Patienten wochenlang herum plagen. Bis zum ersten Beratungsgespräch vergingen im Schnitt fast fünf Wochen, hat das Wissenschaftliche Institut der Allgemeinen Ortskrankenkassen dieses Frühjahr repräsentativ ermittelt. Manche Patienten warten Monate, bis sie nach vergeblichem Abklappern verschlossener Praxen einen geschulten Therapeuten finden, der sich Zeit für sie nimmt.

          Die Bundespsychotherapeutenkammer weiß gar von durchschnittlich „mehr als drei Monaten“ Wartezeit. „Die Anzahl der Psychotherapeuten mit einer Kassenzulassung reicht nicht aus, um psychisch kranke Menschen ausreichend zu versorgen“, analysiert ihr Präsident Rainer Richter. Die Bundesvorsitzende der Psychotherapeuten-Vereinigung, Barbara Lubisch, stellt fest: „Die Bedingungen für die ambulante Psychotherapie müssen dringend verbessert werden, vor allem brauchen wir einen schnelleren und niedrigschwelligeren Zugang zur Psychotherapie.“

          Kritik von Krankenkassen und Politikern

          Womöglich brauchte es vor allem längerer Öffnungszeiten in den Praxen jener 18.702 ärztlichen und psychologischen, sowie der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, die hierzulande Kassenpatienten betreuen. Denn nur jeder Zwanzigste (genau sind es 957) steht den Kassenpatienten zu mindestens 80 Prozent der vorgegebenen wöchentlichen Arbeitszeit von 36 Stunden zur Verfügung. 12.019 Psychotherapeuten, also zwei Drittel, halten ihre Praxis dagegen an weniger als die Hälfte der Zeit für Kassenpatienten offen. Das geht aus unveröffentlichten Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegen. Sie basieren auf den in den in den ersten Quartalen 2013 mit den Kassenärztlichen Vereinigungen abgerechneten Honoraren und sind damit frei von Einschätzungen oder Vermutungen.

          In der Koalition werden die Zahlen mit einer gehörigen Portion Verärgerung registriert: „Wenn zwei von drei der zugelassenen Psychotherapeuten nur 50 Prozent der eigentlich vorgesehenen Wochenarbeitszeit für die Kassenpatienten arbeiten, dann läuft etwas gehörig schief, kein Wunder, dass es da immer längere Wartezeiten gibt“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Karl Lauterbach, spricht von „unvertretbaren Wartezeiten“ und der Gefahr der Verschleppung von Krankheiten mit der Folge teurer Krankenhausbehandlung.

          Bei den Krankenkassen ist das Unverständnis groß. „Es kann doch nicht sein, dass Psychotherapeuten einen vollen Sitz innehaben, aber nur halbtags für gesetzlich Versicherte die Praxis öffnen“, sagt Johann-Magnus von Stackelberg, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankeversicherung. „Mit so einem Verfahren reden wir ein Systemversagen daher, was es gar nicht gibt.“

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