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Landwirtschaft : Die Grünen und der Fleischpreis

  • -Aktualisiert am

Ist das auch bio? Bild: dpa

Der agrarpolitische Sprecher will „Dumpingpreise“ verbieten. Der Fraktionsspitze aber passt das nicht wirklich in den Kram.

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          Was sollte ein Kotelett im Supermarktregal mindestens kosten? Über diese Frage ist innerhalb der Grünen-Fraktion im Bundestag eine Debatte entbrannt. Für Aufregung sorgte am Dienstag der agrarpolitische Sprecher der Fraktion, Friedrich Ostendorff. Er hatte ein Papier verfasst, in dem er einen Mindestpreis für Fleisch forderte. „Wir brauchen Mindestpreise und müssen Dumpingpreise verbieten“, sagte Ostendorff, der selbst Biobauer ist, der „Saarbrücker Zeitung“. „Für 2,99 Euro kann niemand ein Kotelett gewinnbringend produzieren, bei dem es dem Tier auch noch gut gegangen ist.“

          Der Fraktionsspitze passte das nicht wirklich in den Kram. Zwar hat auch Fraktionschef Anton Hofreiter gerade erst sein Buch, „Fleischfabrik Deutschland“ vorgestellt, in dem er die Umstellung auf eine nachhaltigere Landwirtschaft fordert. Damit, den Deutschen beim Thema Fleisch etwas verbieten zu wollen, sind die Grünen seit dem Veggie-Day aber vorsichtig geworden. Und so beeilte sich Hofreiter am Dienstag, die Fleischpreis-Debatte wieder einzufangen. Zwar sei eine Diskussion um „Dumpingpreise“ angesichts der Krise der Bauern richtig, sagte er. Aber: „Die Einführung von Mindestpreisen ist ein Debattenbeitrag eines einzelnen Abgeordneten dazu. Ich halte staatlich verordnete Mindestpreise nicht für den richtigen Weg.“ Er wolle stattdessen „die Vermachtung im Handel aufbrechen, Marktstrukturen fairer gestalten und die Fördergelder neu verteilen“.

          Beschäftigen wird das Thema die Grünen am Samstag auf einer Tierhaltungskonferenz der Bundestagsfraktion. Im abgestimmten Impulspapier für diese Veranstaltung, an dem Hofreiter, Ostendorff und die verbraucherpolitische Sprecherin Nicole Maisch mitgeschrieben haben, taucht Ostendorffs Forderung nach einem Mindestpreis fürs Supermarktkotelett nicht auf. Mit Blick auf das Kürzen von Schnäbeln, das Töten männlicher Küken und das Höfesterben konstatieren die Autoren jedoch: „Das System immer mehr, immer billiger ist gescheitert.“

          Eine „erhebliche Verbesserung des Tierschutzniveaus“ würde drei bis fünf Milliarden Euro kosten, schreiben die Autoren. Um das zu finanzieren, wollen sie unter anderem die EU-Subventionen anders verteilen – zu Gunsten von Bauern, die in mehr Tierschutz investieren. Auch im Bundeshaushalt soll mehr Geld dafür ausgegeben werden. Für Fleisch und Milch fordern die Grünen eine Kennzeichnung wie für Eier, damit Verbraucher im Laden erkennen können, wie welches Tier gehalten wurde. „Sonderangebote und Billigbewerbung“ von Fleisch soll es dagegen nicht mehr geben.

          Der Handel wollte sich am Dienstag nicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen. „Händler müssen selbst entscheiden dürfen, zu welchem Preis sie welche Ware an die Verbraucher abgeben“, sagte Handelspräsident Josef Sanktjohanser. Der funktionierende Wettbewerb sorge für günstige Preise, eine hohe Qualität und ein breites Sortiment. Ein Einzelhandelssprecher betonte zudem, dass mitnichten nur Billigfleisch im Supermarkt zu finden sei. „Hochwertige Teilstücke bis zu 70 Euro je Kilogramm“ würden ebenfalls angeboten. Jeder Händler mache eine Standortanalyse und orientiere sich an der Kaufkraft der Nachbarschaft. Sollte die Nachfrage nach hochwertigem Fleisch steigen, wäre der Handel der letzte, der sich verweigern würde.

          Der Bauernverband zeigte sich in Sachen Kotelettpreis unaufgeregt. Derzeit bekämen die Bauern für ihre Schweine 1,50 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht; man habe aber auch schon 1,25 Euro oder 1,95 Euro gesehen, sagte ein Sprecher und verwies auf Angebot und Nachfrage – und darauf, dass die Nachfrage durch das Russland-Embargo im Zuge der Ukrainekrise und durch die Konjunkturschwäche in China gesunken sei. Die Grillsaison zusammen mit der Fußball-EM lasse die Preise derzeit aber wieder steigen. Und anders als die Milchbauern könnten die Schweinemäster ihre Produktion relativ schnell anpassen. Von Mindestpreisen jedenfalls hält der Bauernverband nichts. Mehr Tierwohl müsse außerhalb der Marktpreise entlohnt werden – so wie es in der freiwilligen Brancheninitiative Tierwohl, die Handel und Landwirtschaft ins Leben gerufen haben, geschieht. Und auch, wenn Grüne und Bauernverband selten einer Meinung sind: Die Forderung, über diese Initiative mehr Geld umzuverteilen, erheben beide Seiten.

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