https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/grosse-koalition-und-rente-die-macht-der-alten-12773966.html
 

Große Koalition und Rente : Die Macht der Alten

  • -Aktualisiert am

Beim Tanztee in Frankfurt Bild: Eilmes, Wolfgang

Die große Koalition kümmert sich derzeit vor allem um das Wohl der Älteren. Weil die Wähler immer älter werden.

          1 Min.

          Kaum ein Thema treibt Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mehr um als die Rente. Die politische Agenda folgt der raschen Alterung der deutschen Bevölkerung. Wie stark die Älteren mittlerweile das Bild unserer Städte und Gemeinden prägen, fällt dann besonders ins Auge, wenn man aus den jungen Ländern Asiens nach Deutschland zurückkehrt. Da ist es nur folgerichtig, wenn hierzulande auch die Wahl von Älteren entschieden wird.

          Das belegen jetzt Zahlen des Statistischen Bundesamts. Bei der letzten Bundestagswahl stellte die Generation ab 60 Jahre mit 21,3 Millionen mehr als doppelt so viele Wahlberechtigte wie die jüngere Generation unter 30 Jahren. Da die Älteren auch noch besonders eifrige Wähler sind und obendrein viele Jüngere auf die Stimmabgabe verzichtet haben, ist der Einfluss der Alten auf das Wahlergebnis noch größer als es ihrer Zahl entspricht.

          Die Union hat mit ihrem zentralen Thema „Mütterrente“ wahltaktisch ins Schwarze getroffen. Die CDU gewann damit bei den Frauen deutlich mehr Stimmen als bei den Männern und erzielte ihr bestes Ergebnis bei Wählerinnen und Wählern ab 70 Jahren. Auch die SPD profitierte mit ihrem Vorhaben „Rente mit 63“ bei Älteren. Nun bedient die große Koalition mit Wohltaten im Volumen von etwa 200 Milliarden Euro die eigenen Wähler: hier die Mutter mit einem kleinen Rentenaufschlag, dort den Facharbeiter mit der Frührente.

          Die „Rente mit 67“ war der richtige Weg

          Ja, es ist willkürlich, dass vor 1992 geborene Kinder in der Rente anders zählen als später geborene. Aber das gilt für viele andere Stichtagsregeln auch, etwa den Wegfall der Berufsunfähigkeitsrente für Arbeitnehmer, die nach 1960 geboren sind. Dennoch sind die Ziele früherer Rentenreformen weiterhin aktuell. Die Leute sollen mehr Kinder bekommen – und die Arbeitnehmer müssen vor zu hohen Beitragslasten geschützt werden.

          Richtig bleibt auch das Anliegen der „Rente mit 67“ (von einer großen Koalition unter Kanzlerin Merkel beschlossen): Die Menschen werden älter und bekommen länger Rente; also braucht es eine neue Balance zwischen den Generationen. Aber der Verführung durch kurzfristig wirksame Wahlgeschenke kann kaum ein Politiker widerstehen. Was sollen da die Jungen tun, von denen viele das Thema Rente nicht mehr hören können? Müssen sie mit den Füßen abstimmen?

          Weitere Themen

          Bierproduktion in Gefahr Video-Seite öffnen

          Ohne Gas kein Bier : Bierproduktion in Gefahr

          Noch ist der Ansturm auf Bier so groß wie lange nicht. Doch wenn im Winter die Gasversorgung knapp wird, könnte auch kein Bier mehr gebraut werden. Die Brauereien versuchen das Problem mit Öl zu umgehen.

          Topmeldungen

          Der Angeklagte Franco A. äußert sich vor dem Prozess in Frankfurt gegenüber Journalisten.

          Prozess gegen Franco A. : Der angebliche Flüchtling

          Seit Mai 2021 steht Franco A. – Oberleutnant der Bundeswehr, 33 Jahre alt, Vater von drei Kindern – vor Gericht. Er soll eine schwere staatsgefährdende Gewalttat geplant haben, bald wird das Urteil fallen. Die Verhandlung hat Düsteres offenbart.
          Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bei ihrer Ankunft auf Bali am 7. Juli

          Generalprobe Außenminister : Was tun, wenn Putin demnächst teilnimmt?

          Beim G-20-Gipfel auf Bali sitzt auch Moskau mit am Tisch. Außenministerin Baerbock sagte darum gleich zu Beginn: „Wir alle haben ein Interesse daran, dass internationales Recht geachtet und respektiert wird.“
          Höchste Vorsicht: Ein Mitarbeiter des Gesundheitsdiensts wartet am Dienstag in Schanghai auf Testwillige.

          Kritik an Chinas Politik : Xi in der Null-Covid-Schleife

          Aus Frust über die Lockdown-Politik von Staats- und Parteichef Xi Jinping wollen viele Chinesen auswandern. Doch den meisten bleibt nur die Hoffnung auf bessere Zeiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.