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Griechischer Schuldenschnitt : Wie Deutschland nach dem Krieg?

Auf der Schuldenkonferenz von 1952 bis 1953 (einen interessanten Beitrag des damaligen deutschen Verhandlungsführers Hermann Josef Abs gibt es übrigens hier) zeigten die Alliierten, dass sie aus Fehlentscheidungen des Friedensvertrages von Versailles von 1919 mit den Reparationsforderungen gelernt hatten, der nach Meinung vieler Historiker die Weimarer Republik schwer belastet und letztlich zu ihrem Ende und zum Aufstieg des Nationalsozialismus beigetragen hatte. Die Reparationsleistungen und die Zahlungsverpflichtungen für Kriegsschäden spielten dabei eine große Rolle.

Abschluss der Schuldenkonferenz am 27. Februar 1953: Der spätere Deutsche-Bank-Chef Hermann Josef Abs (Mitte) unterschrieb im Auftrag von Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Der britische Ökonom John Maynard Keynes hatte schon 1920 in einer Streitschrift über „die wirtschaftlichen Folgen des Friedens“ den Siegermächten des Ersten Weltkrieges vorgeworfen, sie hätten mit ihren Forderungen erst die Grundlagen für den nächsten Konflikt gesät. Aus der Sicht von Keynes sollten der Vertrag von Versailles und die Reparationsforderungen den Franzosen dazu dienen, die wirtschaftliche Entwicklung des Konkurrenten Deutschland auf Dauer niederzuhalten. Die Reparationsforderungen hätten aber nicht nur Deutschlands Leistungskraft überstiegen, sondern die wirtschaftliche Entwicklung des gesamten europäischen Festlandes behindert.

Für die Weimarer Republik war verheerend, dass die Reparationsforderungen über viele Jahre nicht konkret definiert waren und damit als unendlich erschienen. Nach der Forderung von 226 Milliarden Goldmark im Jahr 1921 – das Vierfache des deutschen Inlandsprodukts von 1913 – gelangte man 1932 zu einem Verzicht auf weitere Reparationen, der aber zu spät kam, um den Aufstieg Hitlers zu bremsen.

Deutsche Regierung verweigert sich griechischen Analogien

In London wurden dagegen 1953 klare Verhältnisse geschaffen und die internationale Kreditwürdigkeit Deutschlands wiederhergestellt. Die Anleihen Deutschlands für zurückliegende Reparationszahlungen zum „Dawes-Plan“ oder zum „Young-Plan“ und kommerzielle Schulden seien aber nach der Londoner Konferenz 1952/1953 zu großen Teilen bedient worden, sagt der Bielefelder Historiker Christopher Kopper. Der Verzicht der Gläubiger habe vor allem die aufgelaufenen Zinsen betroffen, zudem zwei Drittel der amerikanischen Marshall-Plan-Kredite.

Insgesamt habe das deutsche Schuldenvolumen aber nur 25 Prozent des damaligen Bruttoinlandsprodukts betragen und die Verpflichtungen seien der Leistungsfähigkeit von 1953 angepasst worden, sagt Kopper. „Niemand konnte damals vorhersehen, dass die Bundesrepublik so eine fulminante Entwicklung nehmen würde – sonst hätten die Gläubiger sicher auf höheren Zahlungen bestanden.“

Aus Sicht der Historiker ist die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg sehr anders als die heutige Krise. Die deutsche Regierung will gar nicht erst eine Diskussion darüber aufkommen lassen.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben klargestellt, dass sich Griechenland durch wirtschaftliche Fehler in eine Krise gebracht hat, während Deutschland die Welt mit Krieg überzogen hatte.

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