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Gesundheitsdaten : Wenn Google in unser Innerstes vordringt

Schatzkiste: Ein Netzwerkrechner im Google-Datenzentrum im amerikanischen Berkeley County Bild: AP

Der Internetkonzern kooperiert mit Sanofi zur Bekämpfung von Diabetes. Dafür sammelt er umfassende Gesundheitsdaten. Laut der Unternehmen geschieht dies zum Wohle der Kranken. Datenschützer haben Bedenken.

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          Google macht sich zunehmend im Gesundheitswesen breit. Der amerikanische Internetkonzern hat mit dem französischen Pharmahersteller Sanofi eine weitreichende Kooperation zur Bekämpfung von Diabetes vereinbart. Die Tochtergesellschaft Google Life Sciences soll ihre Expertise in der Analyse von Gesundheitsdaten, in elektronischen Miniatur-Bausteinen und im Design von Chips mit niedrigem Stromverbrauch einbringen, heißt es in einer Mitteilung der Unternehmen. Sanofi und Google hoffen, die Nutzung von Gesundheitswerten wie Blutzucker und Hämoglobin sowie anderen Patientendaten zu verbessern und Sensoren für den Gesundheitscheck zu entwickeln. „Wir wollen eine Schnittstelle aufbauen, die es Ärzten und Patienten erlaubt, jene Daten zu nutzen, die wir sammeln“, sagte Andrew Conrad, Leiter von Google Life Sciences, der französischen Wirtschaftszeitung „Les Echos“.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.
          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Diabetes ist eine schwer zu behandelnde Krankheit. Die Patienten müssen permanent ihren Blutzuckerspiegel überwachen und die Insulinzufuhr entsprechend ihrer Nahrungsaufnahme und ihrer körperlichen Anstrengung dosieren. Nach der klassischen Methode piksen sie sich in den Finger, führen das herausquellende Bluttröpfchen an einen Teststreifen, den ein Messgerät auswertet. Ein Verfahren, das mancher Patient als lästig empfindet. Diagnostikkonzerne und Pharmahersteller arbeiten an neuen Lösungen, etwa Verabreichungsgeräten wie Pens, die über den Kurzstreckenfunk Bluetooth und das Internet eine Verbindung zum Arzt haben. Solche Innovationen sollen die Behandlung für die Patienten erleichtern, die Ergebnisse verbessern und somit auch Kosten senken, betonen Google und Sanofi.

          Die Investitionen dürften sich lohnen, denn Diabetes ist eines der großen Wachstumsfelder in der Pharmabranche. Die Patientenzahlen steigen, weil die Industrienationen vergreisen und sich in Schwellenländern ein ungesunderer Lebensstil mit schlechterer Ernährung breit macht. Sanofi ist der Hersteller von Lantus, dem meist verkauften Anti-Diabetes-Mittel der Welt, dessen Insulin in Frankfurt-Höchst hergestellt wird. Zusammen mit anderen Mitteln dieser Krankheitskategorie sorgt Lantus für ein Fünftel des Sanofi-Konzernumsatzes. Der Patentschutz für das Mittel ist in diesem Jahr jedoch ausgelaufen; umso mehr sucht der französische Konzern Innovationen und neue Partner.

          Google arbeitet auch mit Novartis zusammen

          Google kam das gerade recht. In dem amerikanischen Konzern, der sich bald in die Holding Alphabet verwandeln will, haben zwei Tochterunternehmen mit Gesundheit zu tun: Die Gesellschaft Calico, die das Leben von Menschen verlängern und Krankheiten wie Krebs bekämpfen will, sowie der neue Sanofi-Partner Google Life Sciences. 300 Wissenschaftler arbeiten bei Google Life Sciences, berichtete Conrad. Die Gesundheitsdaten von mehreren hundert Patienten sammele und werte Google heute aus. Ein Patientengruppe von 10.000 Personen sei das Ziel. Auch schon vor der Allianz mit Sanofi ist Google Life Sciences in erster Linie mit Projekten rund um Diabetes aufgefallen. So arbeitet Google im Verbund mit dem Schweizer Novartis-Konzern an einer intelligenten Kontaktlinse für Diabetiker, die den Blutzuckerspiegel in der Tränenflüssigkeit misst. Im nächsten Jahr sollen Tests dieser Kontaktlinse an Patienten beginnen. Erst im August schloss Google eine Allianz mit dem amerikanischen Pharmaunternehmen Dexcom, die sich ebenfalls um die Entwicklung von Blutzuckersensoren dreht. Darüber hinaus kaufte Google Life Sciences im vergangenen Jahr den Hersteller eines Medizintechnik-Löffels, der für Menschen mit der Nervenkrankheit Parkinson gedacht ist und das Essen erleichtert, indem er das Zittern der Hände reduziert.

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