https://www.faz.net/-gqe-7lvcl

Glosse : Revisionsbedarf

Verzerrte Daten: Die Arbeitsagentur hat die Statistik zu Vollzeitarbeitern, die auf Hartz IV angewiesen sind, korrigiert. Bild: dpa

Der große Statistik-Skandal der alten Bundesanstalt für Arbeit liegt zwölf Jahre zurück. Nun stellt sich heraus, dass die Zahl der Niedriglöhner im Hartz-IV-System statistisch überzeichnet war. Es wäre auch eine politische Parallele wünschenswert.

          1 Min.

          Der aktuelle Vorgang ist anders gelagert als der große Statistikskandal der alten Bundesanstalt für Arbeit im Jahr 2002 – und doch lassen sich, im Hinblick auf den politischen Umgang mit einschlägigen Arbeitsmarktzahlen, einige unerfreuliche Parallelen feststellen: Seinerzeit stellte sich heraus, dass Arbeitsämter jahrelang ihre Vermittlungserfolge statistisch günstiger dargestellt hatten, als sie waren. Einer unausgesprochenen Erwartung des politischen Leitungspersonals folgend, wurde so der marode Zustand des Arbeitsmarkts verschleiert – bis dann mit einer Radikalreform namens „Hartz“ das Aufräumen begann. Zwölf Jahre später zeigt sich nun, dass die Zahl der Niedriglöhner im Hartz-IV-System jahrelang statistisch überzeichnet war. Anders als einst spricht heute alles dafür, dass die Ursache objektive statistische Erhebungprobleme oder gar ungenaue Datenmeldungen der Betriebe waren. Hinweise auf gezielte Verzerrungen gibt es nicht. Wohl aber haben politische Parteien die verzerrten Daten gerne genutzt, um damit das Ziel des gesetzlichen Mindestlohns zu rechtfertigen. Eine Parallele zum Jahr 2002 wäre nun äußerst wünschenswert: Auch heute sollten die Parteien ihre Pläne einer Revision unterziehen.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Europas größtes gedrucktes Wohnhaus Video-Seite öffnen

          Bayern : Europas größtes gedrucktes Wohnhaus

          Im bayerischen Wallenhausen wird gerade ein Haus gedruckt. Nach seiner Fertigstellung soll das Haus Platz für fünf Familien bieten.

          Elektroautos auf dem Vormarsch

          Elektromobilität : Elektroautos auf dem Vormarsch

          Während der amerikanische Konzern Ford sein europäisches Elektroauto in Köln bauen könnte, will Volkswagen ein bestimmtes E-Modell früher produzieren.

          Topmeldungen

          Franziska Giffey: Möchte die Berliner mit dem Thema Innere Sicherheit überzeugen.

          Parteitag der Berliner SPD : Giffey will es wissen

          Auf dem ersten hybriden Parteitag der Berliner SPD wirbt die Bundesfamilienministerin für ihre Führungsrolle in der Hauptstadt. Zu ihrer Doktorarbeit sagt sie nichts. Nun kommt es darauf an, wie stark ihre Partei sie machen will.
          Ein AfD-Mitglied beim Landesparteitag der AfD Rheinland-Pfalz am vergangenen Wochenende

          Vor dem Parteitag : Die AfD trifft sich im Wunderland

          Rund 600 Delegierte wollen auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar über ein Rentenkonzept debattieren – unter strikter Einhaltung der Maskenpflicht, sonst droht ein Abbruch.
          Torreiche Partie: Wolfsburg besiegt Bremen.

          5:3-Sieg gegen Bremen : Wolfsburg gewinnt packendes Nordduell

          Das Spiel zwischen Wolfsburg und Bremen entwickelt sich schnell zu einer turbulenten Partie. Beide Mannschaften liefern sich einen sehenswerten Schlagabtausch. Am Ende freuen sich die Wölfe über einen verdienten Jubiläumserfolg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.