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Glosse : Revisionsbedarf

Verzerrte Daten: Die Arbeitsagentur hat die Statistik zu Vollzeitarbeitern, die auf Hartz IV angewiesen sind, korrigiert. Bild: dpa

Der große Statistik-Skandal der alten Bundesanstalt für Arbeit liegt zwölf Jahre zurück. Nun stellt sich heraus, dass die Zahl der Niedriglöhner im Hartz-IV-System statistisch überzeichnet war. Es wäre auch eine politische Parallele wünschenswert.

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          Der aktuelle Vorgang ist anders gelagert als der große Statistikskandal der alten Bundesanstalt für Arbeit im Jahr 2002 – und doch lassen sich, im Hinblick auf den politischen Umgang mit einschlägigen Arbeitsmarktzahlen, einige unerfreuliche Parallelen feststellen: Seinerzeit stellte sich heraus, dass Arbeitsämter jahrelang ihre Vermittlungserfolge statistisch günstiger dargestellt hatten, als sie waren. Einer unausgesprochenen Erwartung des politischen Leitungspersonals folgend, wurde so der marode Zustand des Arbeitsmarkts verschleiert – bis dann mit einer Radikalreform namens „Hartz“ das Aufräumen begann. Zwölf Jahre später zeigt sich nun, dass die Zahl der Niedriglöhner im Hartz-IV-System jahrelang statistisch überzeichnet war. Anders als einst spricht heute alles dafür, dass die Ursache objektive statistische Erhebungprobleme oder gar ungenaue Datenmeldungen der Betriebe waren. Hinweise auf gezielte Verzerrungen gibt es nicht. Wohl aber haben politische Parteien die verzerrten Daten gerne genutzt, um damit das Ziel des gesetzlichen Mindestlohns zu rechtfertigen. Eine Parallele zum Jahr 2002 wäre nun äußerst wünschenswert: Auch heute sollten die Parteien ihre Pläne einer Revision unterziehen.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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