https://www.faz.net/-gqe-7u63t

Gipfeltreffen in Australien : G20 starten Großangriff auf Steuerflüchtlinge

  • Aktualisiert am

Das Logistikzentrum von Amazon in Leipzig Bild: dpa

Die führenden Industrie- und Schwellenländer haben eine Offensive gegen die Steuertricks von Konzernen wie Amazon und Google auf den Weg gebracht. Es geht um zwei Billionen Dollar.

          2 Min.

          Die 20 großen Industrie- und Schwellenländer haben erste konkrete Schritte im Kampf gegen die Steuerflucht großer multinationaler Konzerne beschlossen, durch die Finanzministern weltweit Jahr für Jahr riesige Summen entgehen. Die Finanzminister und Notenbankchefs stimmten am Sonntag nach Angaben aus G20-Kreisen bei ihrem Treffen im australischen Cairns einem ersten Vorschlagspaket der OECD zu, mit dem in einer gemeinsamen Anstrengung Steuerschlupflöcher geschlossen werden sollen. Der Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Angel Gurria, hatte zuvor vom ehrgeizigsten Modernisierungsvorhaben des weltweiten Steuersystems seit 100 Jahren gesprochen.

          Nach Gurrias Worten geht es um rund zwei Billionen US-Dollar, die Konzerne und andere Steuerflüchtlinge weltweit in Steueroasen und Niedrigsteuergebieten verschoben haben. Mit einem vor einem Jahr beschlossenen Aktionsplan aus 15 einzelnen Maßnahmen wollen die G20 den Grundsatz sicherstellen, dass Gewinne dort versteuert werden, wo sie auch erwirtschaftet wurden. Der Gastgeber des Treffens, Australiens Finanzminister Joe Hockey, sagte: „Unsere Regierung ist entschlossen, sicherzustellen, dass auf Gewinne, die in Australien erzielt werden, auch in Australien Steuern gezahlt werden“. Ein zweites Paket an Vorschlägen soll in einem Jahr präsentiert werden. Damit befindet sich der Aktionsplan in Umsetzung.

          Internetkonzerne stehen im Fokus

          Mit ihren Bemühungen wollen die G20 erreichen, dass findige internationale Großkonzerne nicht mehr die Unterschiede in den nationalen Steuersystemen dazu nützen können, gezielt und legal Gewinne in Länder mit günstigen Steuern zu transferieren und damit ihre Abgabenlast zu vermindern. Gerade Konzerne in der Internet-Wirtschaft, wie Google oder Amazon, hatten damit Schlagzeilen gemacht, dass sie in Ländern wie Deutschland zwar Geschäfte in Milliardendimensionen abwickeln, dort aber kaum Steuern zahlen. Dem wollen die G20 einen Riegel vorschieben.

          Neben dem Kampf gegen Steuerflucht wollen die G20 auch die Konjunkturimpulse anschieben. „Wir haben konkrete Maßnahmen entwickelt, um Wachstum zu ermöglichen, bessere Investitionen zu fördern, Arbeitsplätze zu schaffen, den Handel und den Wettbewerb auszuweiten“, hieß es am Sonntag in der Abschlusserklärung. Die Beschlüsse sind nach Darstellung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ein wichtiger Baustein zur Stabilisierung der Weltwirtschaft. Es habe breiter Konsens darüber bestanden, dass für nachhaltiges Wachstum Investitionen sowie strukturelle Reformen in allen Teilen der Welt erforderlich seien, sagte Schäuble.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Corona-Absperrungen und Wegweiser im Tübinger Luise-Wetzel-Stift.

          Ärzte gegen Wissenschaftler : Was ist die richtige Waffe gegen das Virus?

          Ärzteverbände stellen sich gegen die Forderung der Wissenschaft nach harten Maßnahmen. Die Infektionszahlen dürften nicht um jeden Preis gesenkt werden. Hinter den gegensätzlichen Positionen stehen auch wirtschaftliche Interessen.

          Fast alle Medien gegen Trump : Amerikas Presse wählt blau

          Die meisten amerikanischen Zeitungen empfehlen ihren Lesern, wen sie zum Präsidenten wählen sollen. Das Votum fällt eindeutig aus. Ein „Gegengift“ zu Donald Trumps Charakterzügen wird empfohlen.
          Ein Einzelzimmer in einem Krankenhaus in Stralsund

          F.A.Z. exklusiv : Private Krankenversicherungen werden deutlich teurer

          Um 8,1 Prozent steigen die Beiträge für die private Krankenversicherung im kommenden Jahr an. Das liegt unter anderem an höheren Kosten für Ärzte, Krankenhäuser und Arzneimittel. Der Verband versucht, die Erhöhung zu relativieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.