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Getankt wird immer : Preisschock an der Zapfsäule

Wieder ein Feiertag, und wieder klettern die Kraftstoffpreise Bild: dpa

Ob der hohen Kraftstoffpreise ist die Stimmung an den Tankstellen im Keller. Oppositionspolitiker schwingen sich zu Lobbyisten der Autofahrer auf. Und Autos mit niedrigem Benzinverbrauch müssten Verkaufsschlager sein - Fehlanzeige.

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          Die Fahrt zur Tankstelle ist eine ziemlich gute Chance, sich schlechte Laune zu holen. Und übellaunige Kunden kennt auch Roberto Magnone. „Sie sind aber nicht sauer auf uns“, sagt der Italiener, der als stellvertretender Stationsleiter eine Esso-Tankstelle im Süden Frankfurts führt. 1,47 Euro kostet der Liter Diesel hier, einen Cent weniger als bei der Konkurrenz gegenüber der zweispurigen Ausfallstraße. „Meine Kunden“, sagt Magnone, „wissen, dass wir nicht schuld sind an den hohen Preisen.“ In Magnones Esso-Station herrscht reger Betrieb, draußen sind fast sämtliche Zapfsäulen an diesem Morgen belegt, drinnen trinken zwei Fernfahrer friedlich ihren Kaffee.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Getankt wird immer. Trotzdem: Wer seinen VW Golf für 75 Euro volltanken muss, könnte an das baldige Ende des Erdölzeitalters denken. Der Preisschock an den Zapfsäulen sitzt jedenfalls tief, kostet eine Tankfüllung heute mehr als doppelt so viel wie 1990. Ökonomen können sie einfach erklären, die Tatsache, dass ein Produkt, das auf längere Sicht knapp wird, zwangsläufig im Preis steigen muss, sofern die Nachfrage nicht zurückgeht.

          „Abzockerei“ an der Tankstelle

          Doch so einfach macht das der deutsche Autofahrer nicht mit, erst recht nicht, wenn mit Fronleichnam wieder ein Feiertag vor der Tür steht, der Familienausflug ins lange Wochenende mit dem Auto geplant ist und die Erkenntnis reift, dass der Staat an den hohen Preisen kräftig verdient. Lobbyisten und Oppositionspolitiker heizen die schlechte Stimmung an der Zapfsäule weiter an. Gregor Gysi, als Fraktionsvorsitzender der Linkspartei selbsternannter Anwalt des kleinen Mannes, schimpft über die „Abzockerei“ an der Tankstelle und erhält Unterstützung von den Grünen - ausgerechnet jener Partei, die vor zehn Jahren die Ökosteuer einführte und der damals der Sprit eigentlich nicht teuer genug sein konnte; nun will Grünen-Chef Reinhard Bütikofer die Mineralölkonzerne mit einer Sondergewinnsteuer in die Pflicht nehmen.

          Teurer Tropfen
          Teurer Tropfen : Bild: ddp

          Die großen deutschen Umweltverbände wiederum fordern gleich ein Zulassungsverbot für Neuwagen mit hohem Kraftstoffverbrauch, frei nach dem Motto „Spritfresser müssen von den Straßen runter“, wie es etwa der Präsident des Naturschutzbundes, Olaf Tschimpke, schlagzeilenträchtig formuliert.

          So groß ist die Empörung, dass die Boulevardpresse Politiker zum Handeln der Politiker aufrufen lässt, wie zuletzt den saarländischen SPD-Vorsitzenden Heiko Maas: „Ich fordere Kanzlerin Angela Merkel auf, der Preistreiberei ein Ende zu setzen und für bezahlbare Spritpreise zu sorgen.“ Warum? Die Grenze des Zumutbaren sei überschritten. Niedrigere Spritpreise verlangt von der Kanzlerin auch die FDP - über Steuersenkungen. Für Energie sollte wie für Lebensmittel der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent gelten, weil Autofahren, Heizung und Strom für die Wohnung kein Luxus werden dürften, lautet der Vorschlag von Oppositionspolitiker Guido Westerwelle.

          Ölexperten: Benzin und Diesel bleiben lange teuer

          Selbst in der Bundesregierung mehren sich Stimmen für eine Entlastung des Autofahrers. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will die volle Entfernungspauschale wieder einführen, um Berufspendlern entgegenzukommen. Ähnliches führt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel im Schilde, der mit einer gezielten Pendlerpauschale für Geringverdiener diejenigen fördern will, die sich neue, sparsame Autos nicht leisten können. Vor sechs Wochen wollte der SPD-Politiker den Autofahrern noch höhere Benzinpreise zumuten, doch weil mehr als 3,5 Millionen Autos den von der Koalition verordneten Biosprit nicht vertrugen, machte Gabriel eine Kehrtwende.

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