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Gesundheitsreform : Kranksein wird teurer: Mehr Zuzahlung, weniger Leistung

Bild: F.A.Z.

Am 1. Januar 2004 treten mehrere Gesetze in Kraft, die das Gesundheitswesen verändern werden. Die F.A.Z. dokumentiert die Änderungen für die Bürger im Einzelnen.

          6 Min.

          Um knapp 10 Milliarden Euro sollen die Krankenkassen durch die Gesundheitsreform bereits von 2004 an entlastet werden. Der Löwenanteil entfällt auf Leistungsausgrenzungen mit 2,5 Milliarden Euro und erhöhte und neue Zuzahlungen im Umfang von rund 3,2 Milliarden Euro. Mit 1,6 Milliarden Euro werden zudem die Rentner zusätzlich zur Kasse gebeten, auch die Raucher sollen über eine erhöhte Tabaksteuer einen Finanzierungsbeitrag leisten. Hier folgen die wichtigsten Änderungen für Patienten, wie sie das Bundesgesundheitsministerium und Spitzenverbände der Krankenkassen dokumentiert haben.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Grundregel für Zuzahlungen: Bei allen Leistungen wird eine Zuzahlung von 10 Prozent der Kosten erhoben. Es gelten aber Mindest- und Höchstgrenzen von 5 und 10 Euro. Beispiel: Kostet eine Leistung 3,50 Euro, wird nur dieser Preis gezahlt, nicht etwa 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind von Zuzahlungen befreit.

          Belastungsgrenze: Die Zuzahlungen werden bis zur Belastungsgrenze fällig. Die jährliche Eigenbeteiligung der Versicherten darf damit 2 Prozent der Bruttoeinnahmen - nicht des versicherungspflichtigen Einkommens - nicht überschreiten. Für chronisch Kranke gilt eine Grenze von einem Prozent der Bruttoeinkünfte. Für Familien wird die Belastungsgrenze durch die Kinderfreibeträge (3.648 Euro je Kind) und gegebenenfalls einen Freibetrag für den Ehepartner (4.347 Euro) reduziert. Bei Sozialhilfebeziehern gilt der Regelsatz des Haushaltsvorstands als Berechnungsgrundlage. Ein chronisch kranker Sozialhilfeempfänger zahlt demnach im Jahr rund 36 Euro, ansonsten 72 Euro. Gesetzlich Versicherte, die fürchten, die Belastungsgrenze zu erreichen, sollten alle Belege für sich und ihre mitversicherten Angehörigen sammeln, um gegebenenfalls bei ihrer Krankenkasse eine Freistellung beantragen zu können.

          Ermäßigungen: Wer aktiv Vorsorge betreibt und Angebote seiner Kasse zur Gesundheitsprävention wahrnimmt, kann einen finanziellen Bonus bekommen. Das kann je nach Festlegungen der einzelnen Krankenkasse eine teilweise Befreiung von den Zuzahlungen oder auch eine Ermäßigung des Beitrags sein (siehe Krankenkassen bieten Rabatte und Boni ). Das gilt auch für Versicherte, die an einem Hausarztsystem, an einem Chronikerprogramm oder an einer integrierten Versorgung teilnehmen.

          Praxisgebühr: 10 Euro muß der Patient pro Quartal beim Besuch von Arzt oder Zahnarzt zahlen. Das gilt auch für Notfälle. Offen ist noch die abschließende Regelung für Psychotherapeuten. Hier dürfte künftig auch eine Gebühr von 10 Euro im Quartal fällig werden. Die Gebühr entfällt bei Vorlage einer Überweisung. Voraussetzung ist, daß der zweite Arztbesuch (etwa beim Facharzt) ins gleiche Quartal fällt. Keine Praxisgebühr fällt an bei reinen Kontrollbesuchen wie beim Zahnarzt, Vorsorge- und Früherkennungsterminen, Schutzimpfungen und der Schwangerenvorsorge. Folgerezepte wie für die "Anti-Baby-Pille" sollen gebührenfrei bleiben.

          Rezeptpflichtige Medikamente: Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln und Verbandmitteln beträgt die Zuzahlung 10 Prozent des Preises, jedoch mindestens 5 Euro und maximal 10 Euro je Arzneimittel. Kostet ein Medikament 3,5 oder 10 oder 50 Euro, beträgt die Zuzahlung 5 Euro. Kostet es 75 Euro, beläuft sich die Zuzahlung auf 10 Prozent, also auf 7,50 Euro. Kostet das Präparat 100 Euro oder mehr, wird die Zuzahlung auf 10 Euro begrenzt. Die Zahl der verschreibungsfähigen Präparate wird zugleich reduziert (etwa um die meisten Phytopharmaka oder homöopathische Mittel). Diese sind dann von den Patienten je nach Apothekenpreis alleine zu zahlen.

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