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Gesundheitsreform in Amerika : Je kranker desto Trump

Wird an diesem Donnerstag das Ende von Obamas Gesundheitsreform besiegelt? Bild: dpa

Amerikas Abgeordnete sollen wieder über eine Gesundheitsreform abstimmen. Auch der Vorschlag des neuen Präsidenten steht stark in der Kritik. Warum tut sich das Land eigentlich so schwer mit diesem Thema?

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          Für Europäer bleibt es ein  Rätsel, warum viele Amerikaner mit der Gesundheitsreform des Präsidenten Barack Obama („Obamacare“) nie warm geworden sind. Bürger europäischer Sozialstaaten sehen eine staatliche Gesundheitsvorsorge als einen weiteren Entwicklungsschritt in der Zivilisation, der nicht mehr fundamental diskutiert werden muss.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Das Gesetz, mit dem Obama die Gesundheitsdienstleistungen erschwinglich halten wollte, hat dieses Niveau der Selbstverständlichkeit jedoch nie erreicht. Und dass, obwohl es mit dem Versorgungsniveau in Westeuropa ohnehin nie mithalten konnte - es war stets geringer.

          Jetzt wollen die Republikaner und der neue amerikanische Präsident Donald Trump „Obamacare“ abschaffen, an diesem Donnerstag im Repräsentantenhaus, später dann im Senat. Trump, der mit Instinkt für Volkes Stimmungen ausgestattet ist, sieht sich vom Wähler beauftragt, dies zu tun. „Es ist ein Desaster, Leute, es ist ein Desaster,“ rief er jüngst in eine  Zuschauermenge in Louisville, Kentucky. Die Leute buhten zustimmend.

          Männer, Weiße, Republikaner

          Kein Wunder: Zuletzt sind die Beiträge für Krankenversicherungen stark gestiegen. Aber auch über die gesamte Laufzeit von „Obamacare“ hatte das Gesetzespaket beinahe durchgängig mehr Gegner als Befürworter, berichtet  die Kaiser Foundation, eine Denkfabrik im Gesundheitswesen. Das änderte sich überraschenderweise im Dezember des vergangenen Jahres nach Trumps Wahlsieg, als klar war: Die Abschaffung von Obamacare wird konkret.

          Männer, Weiße, zwischen 50 und 64 Jahre alte Personen, Republikaner und Leute mit Einkommen zwischen 40.000 und 90.000 Dollar Jahreseinkommen – aus diesen Gruppen rekrutieren sich die Obamacare-Gegner vor allem. Doch noch bemerkenswerter ist einer anderer Befund: Wissenschaftler haben für den „Economist“ heraus zu finden versucht, warum  Trump  während seiner Wahl in bestimmten Bezirken deutlich mehr Stimmen holte  als der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney im Jahr 2012.

          Sie stießen auf einen Datensatz für öffentliche Gesundheit, der folgenden Zusammenhang  liefert:  Je schlechter Bezirke in Lebenserwartung, Fettleibigkeit, Diabetes, Trunksucht und Sportlichkeit abschnitten, desto besser war das Wahlergebnis für Trump. Je kranker desto Trump, lautet die flapsige Quintessenz. Die Gewinne in diesen Bezirken haben Trump, den „Obamacare“-Gegner, ins Weiße Haus gebracht. Dabei war diese Gesundheitsreform gerade für ebenjene Leute gemacht worden, schreibt der libertäre Gesundheitsexperte Michael Cannon von  der Denkfabrik Cato.

          Viele Republikaner auch gegen Trumps Vorschlag

          Die Ablehnung bis hin zur Abscheu,  die Obamacare  erfährt, ist vielfältig und nicht immer schlecht begründet. Die libertär-konservative  Fraktion kann eine staatliche Gesundheitsvorsorge für (fast) alle nicht mit ihrem Bild von Amerika vereinbaren, in dem ein jeder seines Glückes Schmied ist und nur wahrhaft Bedürftigen öffentliche Hilfe zu Teil wird. Dazu kommt die Idee, dass der Staat die Dienstleistung Gesundheit verteuert, in der Qualität verschlechtert und Bürgern die Wahlfreiheit nimmt. Sie müssen unter „Obamacare“ eine Krankenversicherung vorweisen oder eine Strafe zahlen. Das ist eines der zentralen Elemente der demokratischen Gesundheitsreform, das Trumps Gesetzes-Initiative abschaffen würde.

          Wichtige Abgeordnete der republikanischen Partei drohen aber auch den republikanischen Alternativplan nicht zu befürworten, weil er nach ihrer Ansicht neue Ansprüche gegenüber dem Staat begründet. Streitpunkt der Republikaner ist das Programm „Medicaid“ und wie viel davon erhalten werden soll. Das ist das 50 Jahre alte Programm, das die Gesundheitsvorsorge für arme Bedürftige übernimmt.

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