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Gesundheitsminister Gröhe : „Vertrauen in Transplantationsmedizin stark erschüttert“

Weg von der Dialyse: Für viele Patienten eine unrealistische Hoffnung angesichts der aktuellen Organspender-Zahlen. Bild: dpa

Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist auf Rekord-Tiefstand. Jetzt meldet sich der Gesundheitsminister zu Wort. Das Vertrauen in die Transplantationsmedizin sei aufgrund der Organspendeskandale „stark erschüttert“, sagte Gröhe der F.A.Z.

          Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat sich über den neuerlichen Einbruch der Zahl der Organspender besorgt geäußert: „Diese Zahlen zeigen, dass das Vertrauen in die Transplantationsmedizin durch die Skandale stark erschüttert worden ist, das bewegt mich“, sagte der Minister am Mittwoch der F.A.Z.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Zuvor war bekannt geworden, dass die Zahl der Organspender in Deutschland im vergangen Jahr mit 876 Spendern auf den niedrigsten Wert seit Verabschiedung des Transplantationsgesetzes 1997 gefallen war. Jeder, der sich persönlich für eine Organspende entscheidet, könne Leben retten, sagte Gröhe. „Wir müssen beharrlich bleiben.“

          Die Bundesregierung werde weiter „über die Organspende sachlich aufklären und für die Organspende werben“. Hier habe er neben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung viele Unterstützer an seiner Seite. Schon in der vorigen Wahlperiode sei vieles getan worden, um verlorenes Vertrauen wieder zu gewinnen. „Es gibt mehr Transparenz, es gibt mehr Informations- und Aufklärungsangebote, es gibt mehr Kontrolle und es gibt schärfere Sanktionsmöglichkeiten bei Fehlverhalten“, sagte Gröhe.

          Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn, äußerte sich betroffen über den „dramatisches Rückgang“ der Organspenden. „12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan, täglich sterben drei potentielle Empfänger.“ Deshalb gelte mehr denn je, dass Organspender Lebensretter seien. Es komme darauf an,  Vertrauen zurück gewinnen. Gesetzlich habe man im vergangenen Jahr alles getan, damit sich die Missbrauchsfälle nicht wiederholen können. „Alle Beteiligten haben jetzt eine Pflicht: Aufklären, aufklären, aufklären!“

          Nach  Angaben der Deutsche Stiftung Organspende (DSO),  hatte die  Zahl der Organspender 2013 um ein Sechstel unter der schon rückläufigen Zahl des Vorjahres von 1046 gelegen. Die Zahl der gespendeten Organe sank wegen Mehrfachspenden um knapp 14 Prozent auf 3034. „Nach dem starken Rückgang der Organspenden im Jahre 2012 hat sich diese dramatische Entwicklung 2013 noch weiter verschärft,“ sagte der Vorsitzende der Stiftung, Rainer Hess, der F.A.Z. Er betrachte „diese Entwicklung mit großer Sorge““. Man werde einen „langen Atem brauchen, um wieder Vertrauen aufbauen zu können.“

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