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Gesundheit : Das Internet der Ärzte

  • -Aktualisiert am

Hermann Gröhe (rechts) schaut sich das SOS-Care-Projekt an der Uniklinik Dresden an. Bild: Matthias Lüdecke

Das Internet ändert die Behandlungsmöglichkeiten rasant. Ärzte, Kliniken und Industrie sollten sich schnellstens vernetzen, verlangt der Bundesgesundheitsminister in der F.A.Z.

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          Telematik im Gesundheitswesen kann eine prima Sache sein. Davon hat sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe erst dieser Tage in Dresden wieder überzeugt. Im Uniklinikum Carl Gustav Carus zum Beispiel betreiben sie einen „Tele-Tumor-Board“: Ärzte werden aus anderen Krankenhäusern per Videokonferenz zugeschaltet, um gemeinsam mit den Spezialisten des Uni-Krebszentrums Diagnosen zu beraten und zu entscheiden, wie und wo der Patient am besten behandelt wird.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Im Schlaganfall-Ostsachsen-Netzwerk (SOS), drei Stockwerke höher, wird mit dem per Videoleitung zugeschalteten Arzt in einem der 18 sächsischen Partnerkrankenhäuser entschieden, ob der Patient vielleicht mit dem Hubschrauber ins Uniklinikum geflogen wird oder ob er nicht bei den Kollegen in Zittau ebenso gut aufgehoben ist. In der Uniklinik steht dafür ein Arzt rund um die Uhr zur Verfügung.

          „Herr Lehmann, können Sie bitte mal ganz kräftig die Augen zusammenkneifen?“, sagt der Arzt ins Mikrofon und zoomt die Augen des Patienten ganz dicht heran: keine Anzeichen von Lähmung, ein minder-schwerer Fall. Der Mann kann bleiben, wo er ist. „Alle guten Wünsche, vielen Dank“, ruft der Minister noch, bevor Herr Lehmann auf dem erlöschenden Bildschirm entschwindet.

          Software und Datenleitungen

          So könnte die elektronische Gesundheitsversorgung von morgen aussehen: Experten in entfernten Zentren begutachten Patienten per Video, während plastische MRT-Bilder von deren Organen und die Werte der letzten Blutuntersuchung über die Datenleitung auf den zweiten Bildschirm eingespielt werden, um über die bestmögliche Therapie zu befinden. Viele Anwendungen sind denkbar: Der Entlassungsbrief aus dem Krankenhaus an den Hausarzt, die Arzneimitteldokumentation, die Akte mit den letzten Untersuchungsergebnissen, alles mit ein paar Mausklicks auf den Schirm.

          Gröhe arbeitet daran, dass diese Zukunft nicht mehr fern liegt. „Mit E-Health können wir die Versorgung von Patienten verbessern. Da wollen wir Tempo machen.“ Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verspricht er einen klaren Zeitplan und verlangt von der Selbstverwaltung mehr Ehrgeiz: „Ich erwarte, dass Selbstverwaltung und Industrie zu konkreten Ergebnissen und überzeugenden Lösungen kommen, damit endlich der Nutzen für die Patienten im Mittelpunkt steht.“

          Seine eigenen Möglichkeiten sind allerdings beschränkt. Gröhe kann keine Software entwickeln, keine Datenleitungen verordnen, nicht einmal Finanzpakete schnüren - da kann der kaufmännische Geschäftsführer der Uniklinik noch so oft über die finanziellen Restriktionen für die Telematik wehklagen. Aber Gröhe kann anderen vorschreiben, was sie tun sollen: Er kann ein Gesetz vorlegen.

          Ein E-Health-Gesetz

          Seine Beamten arbeiten daran. Diesen Herbst will er es vorlegen, und es soll mehr enthalten als nur die Vorgabe von Fristen, bis wann die Selbstverwaltung der Kassen, Ärzte und Krankenhäuser endlich die neue elektronische Gesundheitskarte und damit mögliche Anwendungen zu nutzen haben. Auch wenn das nach zwölfjähriger wenig fruchtbarer Debatte ein Fortschritt wäre. Immerhin laufen inzwischen mehrere Modellprojekte, um Arztpraxen zu vernetzen. Die Beteiligten berichten, dass auch der Zuspruch aus der Ärzteschaft groß sei. Gröhe geht das alles zu langsam.

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