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Gesundheit : Krankenversicherung wird erheblich teurer

Krankenversicherung kostet bald mehr Bild: picture-alliance/ dpa

Auf die 70 Millionen Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung rollt eine Welle nicht gekannter Beitragssatzerhöhungen zu. Von Januar an werden die meisten Rentner und Arbeitnehmer erheblich mehr zahlen müssen.

          Auf die 70 Millionen Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung rollt eine Welle nicht gekannter Beitragssatzerhöhungen zu. Von Januar an werden die meisten Rentner und Arbeitnehmer einen erheblich höheren Beitrag abführen müssen, in Einzelfällen sind es bis zu 1,6 Prozentpunkte mehr.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das steht nach den bis Donnerstag von den Verwaltungsräten beschlossenen Beitragssätzen für 2007 fest. Zwar müssen die Sätze noch von der Bundes- oder Landesaufsicht genehmigt werden. Das dürfte aber nur im Einzelfall zu Änderungen führen. In der Regel sind die Beschlüsse vorher mit der Aufsicht abgestimmt. Verbraucherschützer warnen angesichts der Zuschläge, die je nach Einkommen mehr als 50 Euro im Monat ausmachen können, vor einem überstürzten Wechsel. Bei Beitragsanhebungen ist eine fristlose Kündigung möglich.

          Im Schnitt Erhöhungen um die 0,9 Prozentpunkte

          Die mitgliederstarken Ortskrankenkassen schlagen bis zu 1,6 Prozentpunkte - wie in Rheinland Pfalz - auf ihren Satz auf. Im Schnitt liegen die bisher beschlossenen Erhöhungen um die 0,9 Prozentpunkte und damit über dem Niveau, das für die gesamte Krankenversicherung erwartet wird. Bei den AOK hält nur Thüringen die Gesamtbelastung mit 14,5 Prozent stabil. Die größten Ersatzkassen, die Barmer mit 5,2 Millionen Mitgliedern und die DAK mit 4,7 Millionen verlangen künftig 15,3 (bisher 14,7) und 15,4 (14,8) Prozent vom beitragspflichtigen Versicherteneinkommen.

          Auch bei der AOK erhöhen die Einzelkassen die Beitragssätze unterschiedlich

          Ungeachtet der von den Kassen prognostizierten durchschnittlichen Erhöhung um 0,7 Punkte auf durchschnittlich 15 Prozent zeigt der Blick auf die Einzelkassen eine große Spreizung der Beitragssätze. So erhebt die AOK im Saarland künftig einen Beitrag von 16,7 Prozent. Da müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei einem Einkommen an der Bemessungsgrenze von 3562,50 Euro im Monat 142,50 Euro mehr zahlen, als etwa die IKK Sachsen mit 12,7 Prozent verlangt.

          Lohnzusatzkosten werden dennoch sinken

          Vor allem aus den Reihen der Betriebs- und Innungskrankenkassen lassen einige ihre Sätze unverändert. Bei der Bewertung der Erhöhungen ist aber zu berücksichtigen, daß einzelne Kassen - darunter die Techniker und die Gmünder Ersatzkasse - bereits zur Jahresmitte ihre Beitragssätze stark angehoben hatten.

          Zwar wirken sich die Anhebungen der Beitragssätze der Kassen negativ auf die Lohnzusatzkosten aus, doch werden diese Kosten alles in allem von Januar an dennoch sinken. Denn die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung werden von 6,5 auf 4,2 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens bis zu 5250 Euro im Monat reduziert. Die damit verbundene Entlastung ist größer als die Zusatzkosten durch die Kranken- und Rentenversicherung. Der Beitrag für letztere wird um 0,4 auf 19,9 Punkte angehoben.

          Zweimonatige Frist zur Kündigung

          Mit Überraschung registrieren Verbraucherschützer, daß einige Kassen ihre Beitragssätze nicht anheben, obwohl allein die steuerlich bedingten Mehrausgaben sich auf etwa 0,3 Beitragssatzpunkte summierten. Er wolle nicht ausschließen, daß es in dem einen oder anderen Fall noch zu verspäteten Beitragssatzsteigerungen kommen könne, sagt Stefan Etgeton vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin.

          Die BKK Gesundheit beispielsweise erklärte, sie werde erst im Januar entscheiden, ob sie den Beitrag für ihre mehr als 300.000 Mitglieder erhöht. Das Sonderkündigungsrecht bei Beitragssatzerhöhungen räume eine zweimonatige Frist zur Kündigung ein, sagte Etgeton. Versicherte sollten erst einmal abwarten, wie sich die Situation im Januar entwickle. Auch dann sei es nicht empfehlenswert, die Kasse nur nach dem Kriterium Beitragssatzhöhe auszuwählen.

          Auch Fragen der Erreichbarkeit und des Kundenservice müßten bewertet werden. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat starke Beitragserhöhungen kritisiert. Schließlich bessere sich die Konjunktur. Auch betrage der Steuerzuschuß 2007 nun 2,5 Milliarden statt 1,5 Milliarden Euro (nach 4,2 Milliarden Euro in diesem Jahr). Das Bundesversicherungsamt werde die Haushalte der Kassen genau untersuchen.

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