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Gesundheit : Europas Patienten können Arzt frei wählen

Zum Arzt nach Deutschland? Das könnte für so manchen EU-Bürger künftig eine Option sein Bild: dpa

In Deutschland zum Arzt gehen - das könnte für manchen EU-Bürger aus Ländern mit schlechter Versorgung bald eine echte Option werden. Denn die EU-Gesundheitsminister haben beschlossen: Patienten sollen künftig frei wählen können, in welchem Land sie sich einer Behandlung unterziehen.

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          Patienten in der Europäischen Union sollen sich künftig frei aussuchen können, in welchem Land sie sich einer ambulanten Behandlung unterziehen. Eine ausdrückliche Genehmigung ihrer Krankenkasse soll nicht mehr nötig sein, wie die EU-Gesundheitsminister am Dienstag nach langem Streit in Luxemburg beschlossen.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Für deutsche Versicherte ändert sich dadurch wenig, weil entsprechende Regeln hierzulande schon gelten. Allerdings können hiesige Ärzte und Kliniken verstärkt auf Patienten aus Ländern mit schlechter Versorgung oder langen Wartezeiten hoffen, die sich gezielt für eine Behandlung in Deutschland entscheiden. Akute Verletzungen oder Erkrankungen etwa während des Urlaubs im europäischen Auslands werden schon durch die europäische Krankenversichertenkarte gedeckt.

          Erlaubnis nur bei stationären Aufenthalten nötig

          Nur bei stationären Aufenthalten müssen Europäer noch eine solche Erlaubnis einholen. Die Kassen könne diese allerdings nur dann verweigern, wenn die Krankheit ohne große Zeitverzögerung auch im Inland behandelt werden kann. Damit wollten die EU-Staaten sicherstellen, dass sie die Auslastung der Krankenhäuser planen können, hieß es in Diplomatenkreisen. Ansonsten drohe das Gesundheitssystem ausgehebelt zu werden. Die Kosten für eine Behandlung im Ausland sollen die Kassen allerdings nur in voller Höhe erstatten müssen, wenn sie unter den nationalen Höchstsätzen liegen, welche von der Art der Behandlung abhängen. Ansonsten erhalten die Patienten eben den nationalen Höchstsatz.

          Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) sagte, die Einigung bringe einen klaren Mehrwert sowohl für die Bürger als auch die Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen. Die Bürger könnten sich darauf verlassen, dass ihnen die Kosten für Behandlungen im Ausland erstattet würden. Das sei vor allem für die Menschen interessant, die in grenznahen Regionen lebten. Alle Staaten müssen mit der Neuregelung zentrale Kontaktstellen einrichten, die international vernetzt sind. Hier könnten sich Patienten über Behandlungsmöglichkeiten informieren. Wie groß der Zustrom ausländischer Patienten tatsächlich sein wird, ist nach Ansicht von Fachleuten ungewiss. Es gebe große Skepsis gegenüber einer Behandlung im Ausland. Das hänge vor allem mit den Sprachbarrieren zusammen.

          Bevor die Richtlinie in Kraft treten kann, müssen sich die Staaten noch mit dem Europäischen Parlament einigen. Im Grundsatz sind sich beide Institutionen dabei einig. Einige grundlegende Fragen sind jedoch noch umstritten. So hat sich das Europaparlament in seiner ersten Lesung dafür ausgesprochen, dass die Krankenkassen die Behandlung von seltenen Krankheiten wie der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose vollständig erstatten - unabhängig davon, wie hoch die Erstattung im eigenen Land ist. Das sei für die EU-Mitgliedstaaten nicht hinnehmbar, weil damit von dem Prinzip abgewichen werde, dass nur die Sätze des Herkunftslandes bezahlt würden, hieß es aus Diplomatenkreisen.

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