https://www.faz.net/-gqe-re8s

Gesundheit : Die Weltnichtraucherorganisation

Raucher - bei der WHO ohne Karrierechance Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Weltgesundheitsorganisation will fortan nur noch Nichtraucher einstellen. Ein lobenswerter Entschluß, nur: Wie will man unter den Stellenbewerbern die heimlichen Nikotinknechte erkennen?

          2 Min.

          Da rauchen die Köpfe in der Weltgesundheitsorganisation. Welches Stigma könnte der als aktiver Nichtraucher getarnte Stellenbewerber denn haben, damit man ihn als heimlichen Nikotinknecht entlarve?

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Denn der Beschluß steht fest: Von nun an wird nur noch eingestellt, wer dem Glimmstengel entsagt. Schon kreißt die Absicht, die Pförtner der WHO sollten alsbald in Schnupperkursen die Qualifikation erhalten, schon am Eingang den Bösen vom Guten sicher zu unterscheiden. Alternativ wäre in Genf der Einsatz des Schweizer Geheimdienstes zu erwägen.

          Von langer Hand geplant

          Der Erlaß gegen den Raucher am Arbeitsplatz in der Welt-Gesundheitszentrale war von langer Hand geplant; schon seit Jahren werden keine Aschenbecher angeschafft. Es ist eine weise Entscheidung, weil die WHO schon von jeher konsequent gegen den blauen Dunst zu Felde zieht. Daß sie jetzt endlich durchgesetzt werden konnte, kann die Gesundheitsabteilung der Vereinten Nationen als Erfolg feiern, und man wird sicher in den Chefetagen ein Gläschen darauf trinken.

          Die 2400 Mitarbeiter in Genf läßt das so kalt wie der Rauch, der in ihren Gardinen hängt. Sie ziehen behaglich am Pfeifchen, während sie über die Plakate zum alljährlichen Welt-Nichtrauchertag an der Wand gegenüber sinnieren; statt endlich die Appelle an die 192 Mitgliedstaaten zu formulieren, auf daß diese die Tabaksteuer erhöhen. Sie sollten sich nicht zu sicher fühlen, die Gesundheitsorganisation plant durch die ausschließliche Neueinstellung von Nikotin-Verweigerern weitsichtig den Umbau zur Nichtraucherorganisation - die Raucher sterben ohnehin weg.

          Rauchfreie Zonen

          Der Verdacht, hier würde diskriminiert, wird vom Schweizer Recht hinweggefegt. Höchstens weibliche Raucher dürfen aufschreien, wenn bei der Nichtanstellung die Frauenquote verpaßt wird. Aber im Prinzip darf sich jeder Arbeitgeber seine Untergebenen aussuchen; die katholische Kirche nur brave Kirchgänger, die Gewerkschaft für ihre Betriebe nur eigene Mitglieder, wenn sie bekennende Streikende sind. Da kommt der WHO das Nichtraucher-Assessment gerade recht. Wer es noch nicht ist, kann für den Status im Flieger nach Genf trainieren. Oder er kommt von hessischen Schulen, deren Höfe und Hallen zu rauchfreien Zonen deklariert wurden - mit der Folge, daß sich Schüler und Lehrer in den Pausen am Busparkplatz treffen.

          Ob Gaststätten, öffentliche Wege oder Arbeitsplätze - der Kampf der Gesundheitsorganisation zeigt Wirkung, der Raucher wird zur bedrohten Spezies. Da war es für die WHO nur folgerichtig, mit gutem Beispiel hinterherzugehen. Weitere lobenswerte Taten werden folgen. Schon läuft die Hälfte der Beschäftigten mit blassem Gesicht durch die Gänge. Man munkelt, die Organisation werde den Übergewichtigen demnächst mit Fettzangen zu Leibe rücken. Das ist noch gar nichts, angeblich ist der ganz große Coup gerade erst in Planung: eine weltweite Kampagne gegen Passivraucher.

          Weitere Themen

          Arbeitslosigkeit steigt stark

          OECD-Ausblick : Arbeitslosigkeit steigt stark

          Die Arbeitslosigkeit steuert in den OECD-Mitgliedsländer auf eine Rekordhöhe seit 30er Jahren zu. Kommt es zu einer zweiten Corona-Welle, würde der Anstieg noch höher.

          Topmeldungen

          Segregierte Schulen : Das weiße Amerika bleibt unter sich

          Heute gibt es in Amerika mehr Schulen mit fast nur weißen oder fast keinen weißen Schülern als vor 30 Jahren. Das liegt auch an den Entscheidungen weißer Eltern – auch solchen, die seit Wochen „Black Lives Matter“ rufen.
          Ein Coronatest in Gütersloh Ende Juni

          Nach dem Gütersloh-Beschluss : Leitplanken für Lockdowns

          Darf ein Land keine Ausgangssperren mehr verhängen, wenn ein Corona-Hotspot auftaucht? Doch, sagen die Richter in ihrem Gütersloh-Beschluss. Es darf nur nicht Ungleiches gleich behandeln.
          Wie viele Klamotten, die wir besitzen, tragen wir eigentlich?

          Nachhaltiges Design : Wie kann Mode die Welt verändern?

          Nina Lorenzen, Vreni Jäckle und Jana Braumüller beschäftigen sich seit Jahren mit nachhaltiger Mode. Nun haben sie ein Buch darüber herausgebracht, das zeigen soll: Mit Mode kann man die Welt verändern.
          Bela B Felsenheimer von Die Ärzte

          Künstler gegen Viagogo : Und das soll Demokratisierung sein?

          Wer im Internet Konzertkarten kauft, landet oft bei der Ticketbörse Viagogo. Bands wie Rammstein und Die Ärzte wehren sich gegen den Zweitmarkt für Eintrittskarten, der wächst – und Besuchern überteuerte oder ungültige Karten andreht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.