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Gespaltene Weltmeinung : Die Deutschen trauen China nicht

Schiffe in Schanghai Bild: dapd

In Amerika und Deutschland hat die Ablehnung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. China punktet aber in den Entwicklungsländern. Dorthin lenkt Peking Milliarden an Investitionen und Handelsströmen.

          3 Min.

          Chinas Scheckbuchpolitik zahlt sich aus. In Ländern, in denen der größte Devisenbesitzer der Welt viel investiert, sind die Sympathiewerte der Chinesen in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Vor allem in Afrika und Lateinamerika. Hingegen herrscht in vielen Industrieländern weiterhin Skepsis gegen die Volksrepublik vor.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          In den Vereinigten Staaten und in Deutschland hat die Ablehnung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das ist das Ergebnis einer großangelegten Umfrage in fast 40 Ländern durch das Pew Research Center, eine Denkfabrik in Washington.

          Antichinesische Gefühle in Deutschland

          Den Zahlen zufolge äußern sich nur noch 28 Prozent der befragten Deutschen positiv gegenüber der Volksrepublik. Das ist, zusammen mit Italien, der schlechteste Wert in Europa und der drittschlechteste in der ganzen Liste. 2007 und 2011 waren noch 34 Prozent der Deutschen China zugetan gewesen. „Der Anstieg der antichinesischen Gefühle in Deutschland sticht besonders heraus“, heißt es in der Untersuchung. 2006 hätten sich dort noch 67 Prozent chinafreundlich gezeigt. Erklären kann die Studie die Veränderung nicht.

          Innerhalb des übrigen Europas hat seit 2007 die wohlwollende Einschätzung zwar in vier von neun Nationen zugenommen. Dennoch überwiegen nur in zwei Ländern die positiven die negativen Stimmen, in Russland und Griechenland. In Amerika ist die Anerkennung für China seit 2011 von 51 auf 37 Prozent gefallen.

          Die Welt ist uneins darüber, was sie von China hält. In genau der Hälfte aller betrachteten Länder – 19 von 38 – sagt die Mehrheit der Befragten, dass sie die Asiaten in einem günstigen Licht sieht. Damit hat sich das Image seit 2007 deutlich verbessert. Von 27 Ländern lehnten damals 17 die Chinesen ab, also 63 Prozent statt heute 50 Prozent. Seit der letzten Umfrage 2011 aber ist das Ansehen stark gefallen. Seinerzeit sprachen sich zwei von drei Befragten für die Chinesen aus.

          China wird im Westen zunehmend als Konkurrent wahrgenommen

          Das Pew-Institut erklärt den Rückgang damit, dass China im Westen zunehmend als Konkurrent wahrgenommen werde. Es gebe Ressentiments gegen die Politik des Alleingangs der neuen Supermacht, gegen den wachsenden Handelsbilanzüberschuss und gegen die hohe Verschuldung Washingtons in Peking.

          Am stärksten ist Chinas Ansehen seit 2007 in Argentinien und Uganda gestiegen, am meisten gefallen ist es in Japan. Da dort ein Territorialstreit mit dem Nachbarland die Stimmung trübt, dürfte das ein statistischer Ausreißer sein. Ähnliches könnte für das krisengeschüttelte Ägypten gelten, wo China ebenfalls mächtig an Zustimmung eingebüßt hat. Rechnet man diese Extreme heraus, hat das Land am meisten Anhänger in Kanada verloren (minus 9 Punkte auf 43 Prozent Billigung).

          Die engsten Freunde hat China in seiner Nachbarschaft, in Pakistan und Malaysia mit je 81 Prozent Zustimmung; Pakistan erhält viel finanzielle Entwicklungshilfe aus Peking. Gleich dahinter folgen die afrikanischen Länder Kenia, Senegal und Nigeria. Sehr hoch ist auch die Beliebtheit in Venezuela, Brasilien und Chile.

          Länder in Afrika und Lateinamerika sehen China mehrheitlich als Partner

          In all diesen Staaten investiert China seit Jahren kräftig in Bodenschätze oder in den Ausbau der Infrastruktur. Außerdem wird es als Handelspartner immer dominanter. Das einzige untersuchte Land in Lateinamerika, wo die Ablehnung der Chinesen die Unterstützung übersteigt, ist Mexiko, das sich zu Nordamerika zählt.

          So gut wie alle Länder in Afrika und Lateinamerika sehen in China mehrheitlich einen Partner. In Nordamerika ist das nirgendwo der Fall, in Europa nur in Russland. Im arabischen Raum beziehungsweise dem Nahen Osten sehen das lediglich die Tunesier so, die Asien-Pazifik-Region ist in dieser Frage gespalten.

          Immerhin hält kein einziges Volk die Chinesen für Feinde, am nächsten dran sind Japan mit 40 Prozent sowie die Philippinen mit 39 Prozent. Mit beiden Ländern gibt es Konflikte um Meeresgebiete und Inseln.

          Bertelsmann-Stiftung kam zu anderen Ergebnissen

          Der Befund des Pew-Instituts, dass China in Deutschland so schlecht abschneide, kontrastiert mit einer früheren Studie der Bertelsmann Stiftung. In einer repräsentativen Umfrage zum „Aufstieg Asiens“ aus dem November 2012 hielten 62  Prozent der Befragten das autoritäre Ein-Parteien-Regime in China, das nachweislich die Menschenrechte missachtet, für einen bedeutenden politischen Partner Deutschlands in Asien. Auf den demokratischen Rechtsstaat Japan bezogen waren es nur 59 Prozent.

          Eine Mehrheit sah die Volksrepublik, die über die höchsten Devisenreserven der Welt verfügt und dennoch Entwicklungshilfe erhält, als einen „finanzkräftigen Investor im Kampf gegen die Eurokrise“. Den Japanern traute das nur eine Minderheit zu, obgleich sie sich viel früher und umfassender in den europäischen Rettungsfonds engagiert hatten.

          Der Bertelsmann Stiftung zufolge ist China für die Deutschen keine hinterwäldlerische Nachahmer-Wirtschaft mehr, sondern gilt als hochmodern. 72 Prozent halten das Land für eine ernstzunehmende Konkurrenz bei der Entwicklung innovativer Produkte. Das ist nur ein Prozentpunkt weniger als mit Blick auf Japan.

          Hingegen erwarten nur wenige Befragte wirtschaftliche Impulse von Indien. Die vermeintlich größte Demokratie der Welt gilt als nicht einmal halb so innovationsgetrieben wie China und bietet sich nur für 35 Prozent als politischer Partner an. Am ehesten wird das Land noch als wichtiger Absatzmarkt für Deutschland gesehen, aber auch das nur von einer Minderheit.

          Mit der deutschen Asien-Politik zeigten sich die Befragten weitgehend einverstanden. 41 Prozent wünschen von der Bundesregierung, den heutigen Kurs beizubehalten, weitere 37 Prozent sprechen sich für eine noch engere Zusammenarbeit mit Asien aus. Nur 18 Prozent verlangen, dass die Verantwortlichen „härter als heute auf deutsche Interessen pochen“.

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