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Geschlechterdiskriminierung : EU will Hausfrau aus Werbung verbannen

Seit Generationen spielt die Werbung mit den Geschlechterklischees. Das soll sich jetzt ändern Bild: picture-alliance/ dpa

Keine Hausfrau hinter dem Herd, kein starker Hausmann, der den Rasen trimmt. Sexistische Klischees in der Werbung sollen künftig tabu sein. Die Werbeindustrie ist dennoch erleichtert: Eine Abgeordnete hatte noch strengere Auflagen verlangt.

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          Was waren das noch für Zeiten, als uns die Waschfrau „Klementine“ aufklärte, wie Wäsche „nicht nur sauber, sondern rein“ wird - und sich die Autowerbung noch allein an den Mann im Hause richtete. Da kommt die heutige Werbung meist emanzipierter daher. Nach Ansicht des Europaparlaments aber, ist das alles noch nicht genug.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Europaabgeordneten nun in Brüssel dafür, dass jedes sexistische Klischee in der Fernsehwerbung künftig tabu sein soll: Keine Hausfrau hinter dem Herd oder vor der Waschmaschine mehr also, aber auch kein starker Hausmann mehr, der den Rasen trimmt. Schließlich fordert das Europaparlament pauschal, dass „traditionelle Geschlechterrollen in Frage gestellt werden müssen, wenn die Gleichstellung der Geschlechter erreicht werden soll“.

          Verantwortungsvolle Werbung

          Geschlechterstereotype sollen deshalb nicht nur aus der Werbung, sondern auch aus Spielzeug, Schulbüchern, Computerspielen, Videos und dem Internet verbannt werden. Werbung allerdings spielt durchaus eine herausgehobene Rolle: Schließlich könne „verantwortungsvolle Werbung einen positiven Einfluss auf die Wahrnehmungen der Gesellschaft von Themen wie ,Körperbild', ,Geschlechterrollen' und ,Normalität' haben“ und „ein wirksames Instrument sein, um Stereotype in Frage zu stellen und anzugehen“.

          Aus diesem Grund sei es vor allem wegen der Auswirkungen auf Kinder wichtig, dass die Institutionen der EU wie der einzelnen Mitgliedsstaaten sicherstellen, dass geschlechterspezifische Diskriminierung bekämpft werde. Zudem solle die Europäische Union mit Aufklärungsaktionen und Bildungsprogrammen gegen Sexismus sowie entwürdigende Bilder von Frauen wie auch Männern in der Werbung vorgehen.

          Verbot von extrem dünnen Models?

          Dass der Beschluss des Europaparlaments von der Werbewirtschaft trotzdem mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen wurde, liegt daran, dass die federführende schwedische Europaabgeordnete Eva-Britt Svensson von der Fraktion der „Vereinigten Linken“ ursprünglich noch sehr viel weiter gehen wollte. Sie wollte etwa einen Verhaltenskodex für die Werbebranche und nationale Gremien zur Medienüberwachung vorschreiben. Auch sollte die Industrie nach Vorstellung von Svensson keine extrem dünnen Models in der Werbung mehr zeigen, sondern „ein realistischeres Spektrum von Körperbildern an den Tag legen“. Das indes ging etwa den Vertretern der konservativen EVP-Fraktion zu weit.

          Das Ziel, „die Geschlechterstereotypisierung abzubauen und dadurch jedem Menschen eine individuelle Entwicklung seiner Persönlichkeit zu ermöglichen“, unterstützt die Christdemokratin Christa Klaß, Mitglied der EVP-Fraktion, indes ebenso wie die Grüne Hiltrud Breyer. Insgesamt sprachen sich 504 Abgeordnete für die Initiative zur Fernsehwerbung aus. 110 stimmten dagegen, 22 enthielten sich. Unmittelbar verbindliche Auswirkungen hat die Entschließung des Parlaments zwar nicht, da es sich nur um einen sogenannten Initiativbericht handelt.

          Allerdings haben die Europäische Kommission und das Parlament vereinbart, dass die Kommission solche Beschlüsse aufnimmt und prüft, ob sie einen darauf aufbauenden Vorschlag für ein konkretes Gesetz vorlegt. Dasselbe gilt für die nun ebenfalls vom Europaparlament verabschiedete Forderung, den 22. Februar zum „Internationalen Tag für gleiches Entgelt“ zu erklären.

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