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Gerichtsurteil : Tausende Forscher können auf Entfristung hoffen

  • Aktualisiert am

Uni-Hörsaal: Wissenschaftliche Mitarbeiter, die den Professoren helfen, sind oft nur zeitlich befristet eingestellt Bild: dpa

Wenn es bei einem Arbeitsgerichtsurteil aus Gießen bleibt, müssten die Bundesländer Tausende wissenschaftliche Mitarbeiter unbefristet einstellen. Auf die Länder könnten immense Kosten zukommen.

          Tausende wissenschaftliche Mitarbeiter an Hochschulen können auf unbefristete Verträge hoffen, wenn sie im Rahmen eines Landesprojekts angestellt sind. Das Arbeitsgericht Gießen gab am Freitag einem Mitarbeiter recht, der an der örtlichen Universität über zehn Jahre insgesamt 16 befristete Verträge erhalten hatte. Die letzte Befristung sei ungültig, weil diese zu einem LOEWE-Projekt des Landes Hessen gehörte, entschied das Gericht.

          Es ging um die Frage, was Drittmittel sind. Die Hochschulen können für Projekte, die aus Drittmitteln finanziert sind, wissenschaftliche Mitarbeiter befristet anstellen. Grundlage ist das Wissenschaftszeitvertragsgesetz.

          Vom Land finanzierte Projekte sind keine Drittmittel

          Sonderprojekte, die das jeweilige Bundesland finanziere, gehörten aber nicht dazu, entschied das Gericht. „Das sind keine Drittmittel, weil sie nicht von außerhalb kommen. Das sind alles Landesmittel“, sagte der Vorsitzende Richter. Anders sei dies bei Geld, das der Hochschule aus der Wirtschaft, von der EU, dem Bund oder einem anderen Bundesland bewilligt worden sei.

          Die Betroffenen „befinden sich damit in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis“, sagte der Vorsitzende Richter. Nach Angaben des Gerichts betrifft dies bundesweit Tausende wissenschaftliche Mitarbeiter, in Hessen sind demnach mehrere Hundert betroffen.

          „Der Stein ist ins Rollen gekommen“

          Allerdings gehe er davon aus, dass die Uni Gießen weitere Instanzen anrufe. „Der Stein ist ins Rollen gekommen“, sagte der Richter. Die Universität Gießen wollte sich zunächst nicht äußern. Die Entscheidung werde geprüft, teilte die Hochschule mit. Auch das hessische Wissenschaftsministerium war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

          Zudem äußerte der Vorsitzende Richter deutliche Kritik an den Dauerbefristungen. „Zehn Jahre ist schon lang. Der Mitarbeiter weiß nie, woran er ist.“ Ob damit eine Grenze überschritten sei, ließ der Richter offen. Nach fünf Jahren müsse sich eine Hochschule entscheiden können, ob sie den Mitarbeiter behalten wolle oder nicht. Eine Befristung von Arbeitsverträgen deutlich darüber hinaus halte er für problematisch.

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