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Generika : Ratiopharm-Chef Albrecht geschaßt

Der Generikahersteller Ratiopharm wechselt überraschend seine Führung aus. Nach Informationen der F.A.Z. wurde der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Claudio Albrecht, am Donnerstag mittag mit sofortiger Wirkung freigestellt.

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          Der Generikahersteller Ratiopharm wechselt überraschend seine Führung aus. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Claudio Albrecht, am Donnerstag mittag mit sofortiger Wirkung freigestellt. Er mußte im Beisein von Rechtsanwälten seinen Arbeitsplatz in dem Ulmer Pharmaunternehmen räumen, ebenso wie Finanz-Geschäftsführer Peter Prock. Hinter dem Schritt steht offenbar eine tiefe Unzufriedenheit der Eigentümerfamilie Merckle mit den externen Managern.

          Thiemo Heeg
          (tih.), Wirtschaft

          Ratiopharm war in den vergangenen Tagen wegen aggressiver Vertriebspraktiken in die Schlagzeilen geraten. Unter anderem soll der Konzern Ärzten systematisch Geld dafür gezahlt haben, daß sie seine Medikamente verordnen. Apotheken seien mit Rabattaktionen in großem Stil beschenkt worden. Das Unternehmen hatte in einer ersten Stellungnahme von „Einzelfällen aus der Vergangenheit“ gesprochen. Der Zeitschrift „Stern“, die über die Praktiken berichtet hatte, wurde vorgeworfen, „mutwillige Rufschädigung“ zu betreiben.

          „Nachhaltige Disharmonie

          Die jetzigen Entlassungen zeigen, daß die Schuldzuweisung nicht so einfach ist. Vielmehr macht der Eigentümer-Vertreter Philipp Daniel Merckle, der jetzt selbst die Ratiopharm-Leitung übernimmt, die freigestellten Chefs für einen unguten Führungsstil verantwortlich und findet deutliche Worte: „Die Folgen der bisherigen Führung sind mir in vielem zutiefst zuwider.“ In einer Mitarbeiterinformation wendet sich Merckle gegen den Eindruck, die Entlassungen seien direkte Folge der Berichterstattung. Grund für die Trennung von Albrecht sei vielmehr „die nachhaltige Disharmonie im Verständnis von Führungsfragen“.

          Die Freistellungen werfen ein Schlaglicht auf die scharfe Konkurrenzsituation in der Generikabranche. Dort steht nach Ansicht von Experten in Kürze eine drastische Konsolidierung bevor. Die Merckle-Familie hat aber deutlich gemacht, das Unternehmen nicht verkaufen zu wollen.

          Philipp Daniel Merckle: Seit 1. August für Ratiopharm verantwortlich

          Der 39 Jahre alte Sohn des Familienpatriarchen Adolf Merckle (siehe auch: Der Eigentümer räumt auf - ohne Vorwarnung) ist seit dem 1. August auf Gesellschafterseite für die Merckle-Pharmagruppe und damit für Ratiopharm verantwortlich. Sein Vater hatte Ratiopharm 1974 gegründet. Unter dem nun geschaßten einstigen Novartis-Manager Albrecht hatte sich das Unternehmen zur Nummer eins für nachgeahmte Original-Medikamente entwickelt. Die gesamte Gruppe erwirtschaftete 2004 mit knapp 5500 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,46 Milliarden Euro. Mit jährlich rund 170 Millionen abgesetzten Arzneipackungen sieht sich das Unternehmen selbst als „Deutschlands meistverwendete und meistverordnete Arzneimittelmarke“.

          Zumindest das Beiwort „meistverordnet“ besitzt nun einen Beigeschmack - zumal sich Ratiopharm mit dem Konkurrenten Hexal nach dessen Übernahme durch Novartis/Sandoz um den Titel Marktführer streitet. Der Allgemeinheit bekannt wurde das Unternehmen mit den „Ratiopharm-Zwillingen“ Folke und Gyde.

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